Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 500x333Rewe bestimmt, was in die Regale kommt. Bei Brot und Gebäck hat der Konzern künftig ein noch gewichtigeres Wort mitzureden. Lieferanten reagieren gereizt, ziehen aber mit.
Die Handelskette bringt sich stärker in die Produktion ein. Lieferanten müssen ihr Biomehl künftig von einer Raiffeisen-Mühle beziehen. Das Getreide liefern die Rewe-Bauern. Die Branche sieht Machtmissbrauch.
***
Wien - Rewe mischt sich in Österreichs Backwarengeschäft ein und spielt Raiffeisen neue Kunden zu. Die Handelskette zwingt Bäckern beim Kauf von Biomehl einen neuen Lieferanten auf: Wer Billa, Merkur und Adeg beliefern will, muss bestehende Mühlenpartner aufgeben und zum Biobetrieb Rannersdorfer wechseln. Dieser steht unter dem Dach von Raiffeisen. Und er wird mit Getreide von mittlerweile gut 520 Bauern versorgt, die Rewe selbst unter Vertrag hat.
Von Preisdiktaten und Drohungen ist die Rede. Marktteilnehmer lassen nun prüfen, ob sich daran auch ein Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung der Rewe festmachen lässt - und den Gang zur Bundeswettbewerbsbehörde rechtfertigt, erfuhr der STANDARD.
"Geschlossene Qualitätssicherungskette"
Es geht um ein Volumen an Biomehl im Wert von geschätzt zehn Mio. Euro. Briefe gingen an ein gutes Dutzend Großbäcker, darunter Haubenberger, Ströck, Anker und Kuchen Peter. Sie werden ersucht, nur mehr ausschließlich bei Rannersdorfer zu kaufen. Es gehe dabei um eine geschlossene Qualitätssicherungskette, die eine Mitwirkung aller an der Produktion Beteiligten erfordere, teilte ihnen der Leiter des Rewe-Qualitätsmanagements, Andreas Steidl, mit.
Folge geleistet haben so gut wie alle. Auch Gerhard Ströck stellte Anfang Mai um, erzählt er. Andere berichten von massivem Druck, dem generellen Verbot für Verträge mit weiteren Mühlen und von der Drohung, auch mit konventionellen Produkten aus den Regalen zu fliegen. Nicht wenige Betriebe seien Raiffeisen-finanziert, so der Tenor, der Spielraum für Gegenwehr sei entsprechend gering.
Mit dem bisherigen Partner, der Biomühle Hans Hofer, hat Rewe alle Verträge aufgelöst. Der Familienbetrieb weigerte sich aufgrund von Differenzen über die Produktqualität, das Getreide ausschließlich von den Rewe-Bauern zu beziehen. Nun sprechen die Anwälte der beiden Unternehmen. Hofer blieb nämlich auf tausend Tonnen Getreide sitzen, die er für Ja!Natürlich gekauft hatte, ihm nun jedoch keiner mehr abnehmen darf. Seit zwei Monaten steht eine Klage von Rewe gegen ihn im Raum.
Erwin Hartberger, Chef der Hofer-Mühle, will sich dazu nicht äußern. Nur soviel: Das Umfeld habe nicht mehr gepasst, die Trennung sei einvernehmlich erfolgt. Peter Stallberger, Chef von Rannersdorfer, beruft sich auf eine seit zehn Jahren bestehende Partnerschaft mit der Rewe. Er hoffe, sie halte weiter langfristig, fügt er hinzu.
Eine Marktverschiebung gefiele vielen eben nicht, heißt es auf Anfrage bei der Rewe. Man schließe jedoch keine Mühle aus, wenn sie bereit sei, die Qualitätsgrundsätze umzusetzen. Im Biobereich sei die vertragliche Verknüpfung üblich. Eine Qualitätssicherung passiere zudem nicht nur im Labor - zumal viele Lebensmittelskandale ihren Ausgangspunkt in der Landwirtschaft genommen hätten.
Kampf um Kontrolle über Bio
Hintergrund des Disputs ist ein Kampf um die Vorherrschaft am Biomarkt. Die Handelsketten versuchen sich Flächen und Kapazitäten zu sichern, um damit Qualität wie Preise zu kontrollieren.
Es laufe darauf hinaus, Bauern abhängig zu machen, sagt Wolfgang Pirklhuber von den Grünen. Autoritäre geschlossene Systeme entstünden und der Wettbewerb leide. Dass sich Rewe zunehmend in die Produktion einbringt, verunsichert Produzenten auch auf einer anderen Front. Der Konzern hat eben rund 90 Mio. Euro in den Aufbau einer eigenen Backfabrik in München unter der Marke Glockenbrot investiert. Diese könnte ohne Probleme auch Teile Österreichs mitversorgen. Die Branche rechnet über kurz oder lang aber auch damit, dass Rewe ein Wiener Unternehmen übernimmt und ihre eigenen Brötchen bäckt. Raiffeisen ist als Bäcker in Osteuropa bereits aktiv. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.6.2010)
Kommentar
Schlechtes Bauchgefühl - Von Verena Kainrath
Niedermeyer muss Retter präsentieren - Media Markt und Saturn treten auf der Stelle
Wachsender Onlinehandel lässt die Betreiber von Shoppingcentern zusätzliche Standbeine suchen. BAI Bauträger überlegt, das G3 und The Mall zu verkaufen
Kriselnden Handelsketten läuft die Zeit davon
Das Kartellgericht verhängt die zweithöchste jemals ausgesprochene Kartellstrafe in Österreich, die Entscheidung ist nicht rechtskräftig
Rewe zahlt 20,8 Millionen Euro Strafe, die geschädigten Konsumenten gehen leer aus. Wifo und AK kritisieren das scharf
Ein Zusammenschluss von Zulieferern soll Konsumenten und Bauern im dreistelligen Millionenbereich geschädigt haben
Regionale Lebensmittel wie spezielle Öle, Weine, handgemachte Nudeln, Säfte oder Chutneys werden von Billa vertrieben
Im ersten Quartal wurden inflationsbereinigt um 1,4 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Lebensmittelbranche stark
Es haben sich Millionenverluste angesammelt, was an der Funktion Österreichs als regionaler Anschubfinanzierer liegen könnte
Im Jahr 2009 und 2010 veranlasste eine Mitarbeiterin die Bespitzelung, ohne ihre Vorgesetzten zu informieren
Online informieren, im Geschäft kaufen: Der Kunde von heute ist gut informiert, schnell da und ebenso schnell wieder weg, wenn etwas nicht passt
Wertschöpfung droht ins Ausland abzufließen, wenn die heimischen Firmen nicht reagieren, warnt Handelsverbands-Chef Stephan Mayer-Heinisch
Die Anzeichen für einen Verkauf der Möbelgruppe Kika/Leiner mehren sich. Die Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen
Der südafrikanische Mischkonzern Steinhoff soll um 800 Millionen Euro zuschlagen. Eignerfamilie Koch gibt sich unwissend
Charles Vögele zieht sich aus Osteuropa zurück und sucht ein schärferes Profil. Auch andere Textilriesen kämpfen mit Einbußen
Währungsspekulationen machen der deutschen Drogeriekette zu schaffen, über 200 Millionen Euro sollen so verloren gegangen sein
Fairnopoly will Verantwortung fördern und Geld gegen Korruption sammeln. Fraisr ermöglicht es, Gutes zu tun
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise in Deutschland gefallen, jene in Österreich dagegen gestiegen
Firmengründer Anton Schlecker haftet mit seinem Privatvermögen für die Pleite. Die Familie soll sich kooperativ verhalten
Ich kaufe halt nun woanders.
Qualitätssicherung - daß ich nicht lache.
Eher Qualitätsmanagement (d.h. "gerade gut genug" bei optimalem Ertrag)
Ist halt dick verstrickt - sein Vater ist ein langjähriges, hoch dekoriertes ÖVP Mitglied. (Präsident der Kärntner LW-Kammer)
Vater:
http://www.oevpkaernten.at/246.html
Sohn:
http://www.kleinezeitung.at/kaernten/... huld.story
Tja ... hängt für mich irgendwie zusammen.
Jetzt weiß ich, warum ich schon länger nicht mehr bei B*lla oder einem anderem R3W3-Laden kaufe.
Die Qualität sichern...ja genau. Wenn man in Zukunft Kosten sparen wird, wird die Qualität einfach runtergefahren und der Preis bleibt (sprich indirekte Preiserhöhung).
Daher sagt mir mein Hausverstand: "Jo natürli' nimma bei B*lla kaufen"
es müsste eine gemeinschaft in dem sinne errichtet werden, dass man in einen fond einzahlt, bauern mit diesem geld getreide erzeugen und es den "sponsoren" aushändigen...
mit medialer vermarktung würd' das sicher funktionieren... sprich, leute darauf aufmerksam machen... DerStandard?? *liebäugel*
die in der Stadt anfangen, etwas selbst anzubauen, zu ernten, zu tauschen oder zu verkaufen, haben irgendwann die Drogenfahnder am Hals. Andererseits aber: Wie groß müsste eine Indoor-Plantage für Weizen, Roggen, etc. sein, damit man das ganze Jahr davon leben und Brot backen kann?
Naja 15 m² ist ein bisschen zu wenig. Wenn man den Pro Kopf Verbrauch an Getreide in Österreich (ca.90 kg) und einen durchschnittlichen Bio -Getreideertrag von 3000kg/ha rechnet kommt frau auf ca 108 m² Fläche - allein für das Getreide! (Ohne Obst, Gemüse, usw.)...ich glaub die wenigsten haben solche Flächen in der Stadt zur Verfügung. Bei Gemüse funktioniert das aber auf kleiner Fläche - auch in der Stadt sehr gut. Der Link aus Japan schaut zwar gut aus, das Töpfchen reicht aber grad noch für ein Kräuterbeet. Sinnvoller ist sicher die Bepflanzung von Brachflächen (Gstetten, usw..) die es in jeder Stadt gibt...
Wenn Rewe so schlechte Backwaren hat (wie viele hier schreiben) liegt das doch nicht an Rewe, sondern an den schlechten österreichischen Backwarenherstellern.
Besser wäre, Rewe würde gleich Lieferanten aus seinem Heimatland bevorzugen. Problem gelöst.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.