Kindergärten sperren zur falschen Zeit zu

4. Juni 2010, 18:39
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Gerade in der Hochsaison wüssten viele Frauen mit Kindern nicht wohin mit dem Nachwuchs

Wien - Das Gaststätten- und Beherbergungswesen ist einer der wenigen Bereiche in Österreich, wo deutlich mehr Frauen als Männer beschäftigt sind. Außer im Handel ist aber auch kaum woanders der Anteil der Teilzeitarbeit so hoch wie im Tourismus. Eine Studie der Modul University Vienna zeigt, dass das nicht zufällig so ist.

"Der größte Hemmschuh für Frauen in der Branche ist die unzureichende Kinderbetreuung", sagte Dagmar Lund-Durlacher, Dekanin des Bakkalaureats für Tourismus- und Hotelmanagement an der seit Herbst 2007 in Betrieb befindlichen Privatuniversität, dem Standard. Es sei "erschreckend", dass selbst in Tourismushochburgen wie Pörtschach der Kindergarten im Sommer zusperre. Gerade in der Hochsaison wüssten viele Frauen mit Kindern nicht wohin mit dem Nachwuchs. Ohne Opa und Oma sei es mitunter sogar schwer, Teilzeit zu arbeiten, von Vollzeit gar keine Rede.

Gästekindergärten öffnen

Es sei nicht nur die im internationalen Vergleich schlechte Kinderbetreuung, die das Leben der Frauen in Österreichs Tourismus erschwere. Kommen die Kinder ins schulpflichtige Alter, spießt es sich schon wieder: viele Ferienwochen im Sommer und auch zwischendurch, während die Eltern deutlich weniger Urlaub haben. Lund-Durlacher: "Das zeigt den dringenden Bedarf an Zusatzangeboten in der Ferienbetreuung und die Notwendigkeit, die Nachmittagsbetreuung in den Pflichtschulen auszubauen."

Die Autorinnen der Studie, neben Lund-Durlacher noch Ulrike Bauernfeind und Anja Hergesell, raten als kurzfristige Maßnahme, Gästekindergärten auch für Kinder der Beschäftigten zu öffnen.

Wegen der kleinteiligen Struktur in Österreichs Hotellandschaft sollten auch Kooperationen zwischen den Betrieben angegangen werden, um sich so die Kosten zu teilen. Mittel- bis langfristig sollten auch bei den öffentlichen Kindergärten längere und flexiblere Öffnungszeiten eingeführt werden. Auch der Handel und Pflegeberufe würden davon profitieren. (Günther Strobl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.6.2010)

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