Bank blieb auf Vorzugsaktien sitzen

4. Juni 2010, 18:14
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Bei Kapitalerhöhung 2006 mehr gemeldet als platziert - Verwaltungsrat in Bank in Liechtenstein getauscht

Wien - Die originelle Form der (zunächst) über die Hypo Liechtenstein kreditfinanzierte Kapitalerhöhung um 100 Mio. Euro in der Hypo Group 2004 fand 2006 eine Fortsetzung. (2004 waren nur Hypo-Geschäftspartner involviert, DER STANDARD hat berichtet.)

Damals drohte der Hypo erneut eine Eigenkapitalunterschreitung; also gab die Leasingholding (HLH) im Juli wieder Vorzugsaktien im Volumen von 100 Mio. Euro aus. Die zeichnete die Konzernmutter Hypo International, um sie an Investoren zu verkaufen. Dividende: 6,25 Prozent. Im Gegenzug verpflichtete sich die Bank, die Vorzugsaktien zwischen 2009 und 2015 zurückzukaufen - getan hat sie das kurz vor der Verstaatlichung 2009.

Der Aufsicht wurde die Kapitalerhöhung (91 Mio. Euro) per Ende Juni 2006 als unter Dach und Fach mitgeteilt; die Eigenmittelerfordernisse wären so erfüllt gewesen. Dem war offenbar nicht ganz so, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Die Vorzugsaktien verkauften sich nämlich nur zäh.

Per Juli 2006 waren überhaupt erst drei Mio. Euro zugeflossen, bis November 2006 waren es 69 Mio. Euro. Der Verkauf von Papieren im Wert von mehr als 30 Mio. war überhaupt nicht zustande gekommen, rechneten die Vor-Ort-Prüfer aus der Nationalbank in ihrem Bericht von 25. Mai 2007 vor. Das von der Aufsicht schwer kritisierte Geld-Ringelspiel der ersten Tranche (später wurde umgeschuldet) gab es bei der zweiten nicht: "Der Vorstand der Bank bestätigte dezidiert, dass bei der Emission 2006 keine Konstruktion wie 2004 zur Anwendung kam" , konstatierten die Prüfer. Sie zogen damals zwar die Erfüllung der Sorgfaltspflichten in Zweifel, Folgen hatte das aber nicht. Drei Tage vor Fertigstellung des Vor-Ort-Prüfberichts hatten die Bayern den Kaufvertrag für die Kärntner Bank unterschrieben.

Wie die Bank in Liechtenstein bei der Kreditvergabe für die erste HLH-Kapitalerhöhung vorging, erschließt sich aus einem Bericht vom Wirtschaftsprüfer Deloitte. Die Kreditnehmer "wurden durch die Gruppe in Österreich vermittelt, dort fand auch die Bonitätsprüfung statt" . Die nötigen Unterlagen seien aber erst nach Beanstandung des Wirtschaftsprüfers aus Kärnten herbeigeschafft worden. Zur Erinnerung: Der Aufsicht waren die meisten Kreditnehmer "wegen des äußerst strengen Bankgeheimnisses in Liechtenstein" bis dato ebenso unbekannt wie alle "kleinen" Vorzugsaktionäre (etwa die Privatstiftungen MA, OGK, Annagasse, Collegia oder Kunde Mirko Oblak).

Die Bank in Liechtenstein wird derzeit im Beisein eines ihrer Ex-Chefs liquidiert. Im Verwaltungsrat saß einst Ex-Hypo-Bankvorstand Josef Kircher, zuletzt Ex-Risikochef Andreas Dörhöfer. Er wurde nun von Hypo-Vizechef Wolfgang Edelmüller abgelöst. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.6.2010)

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