Albertina: Doch kein Jobverlust wegen verrückter Kunst

4. Juni 2010, 17:56
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Dienstfreistellung und Klage beim Arbeitsgericht gegen Oberaufseher zurückgezogen

Wien - In der kuriosen Causa um ein verrücktes Kunstwerk in der Albertina hat das Museum nun die Klage gegen den beschuldigten Oberaufseher Wolfgang D. zurückgezogen. Er bleibe vorerst in seinem Dienstverhältnis, bestätigte die Pressesprecherin der Albertina, Verena Dahlitz. Seit 1. Juni ist Wolfgang D. wieder Oberaufseher. "Um einen mehrjährigen Rechtsstreit und die damit verbundenen Ressourcen von der Albertina abzuwenden, haben wir die Dienstfreistellung des Oberaufsehers und Betriebsratsmitglieds sowie die beim Arbeitsgericht eingebrachte Klage auf Kündigung zurückgezogen." Was aber laut der Vizedirektorin des Museums, Marie Luise Sternath, eine Klage auf Zustimmung zur Entlassung war. Die Unterscheidung zwischen Kündigung und Entlassung spielt für Betroffene und Arbeitgeber eine große arbeitsrechtliche Rolle.

Wie berichtet, soll es in der siebenjährigen Dienstzeit des Oberaufsehers mehrere Reibereien mit der Museumsleitung gegeben haben. Jüngster Kritikpunkt: Während der Sonderausstellung "Cars" soll D. von einem Mitarbeiter darauf hingewiesen worden sein, dass ein Objekt von Sylvie Fleury um einen Zentimeter verschoben worden sei. Das hatte Dorn um bloß diesen einen Zentimeter fachmännisch zurechtgerückt. So weit zumindest D.s Rechtfertigung.

Vorwurf der Chefs: Das geschah ohne Zustimmung. Und Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder hatte Ende April in einem Standard-Interview noch eines drauf gesetzt: "Das Verrücken einer Arbeit von Sylvie Fleury war kein Einzelfall und mit Sicherheit nicht der Grund, sich von einem Mitarbeiter zu trennen. Da ist schon Schwerwiegenderes vorgefallen."

Betriebsrat

Auch Albertina-Vizedirektorin Sternath sagte im ORF: "Für mich ist das egal, ob der Herr D. Betriebsrat ist oder nicht. Er hat darüber hinaus der Geschäftsführung keinen Bericht erstattet. Er hat etwas vertuscht. Er hat etwas verheimlicht." Und es soll nicht das erste Mal gewesen sein.

Aber Oberaufseher D. ist eben auch Betriebsratsmitglied, was, egal ob Kündigung oder Entlassung, einen erzwungenen Abgang sehr schwierig macht. Dennoch war die Red davon, dass D. für 100.000 Euro bereit gewesen wäre, zu gehen. So war es zumindest in der Albertina zu hören. D. war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Erich Félix Mautner/
DER STANDARD-Printausgabe, 5.5.2010)

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