Letzte Mahlzeit

Einem Urpferdchen in den Magen geschaut

06. Juni 2010 14:35
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    Foto: geiseltalmuseum

    Rekonstruktion von Propalaeotherium isselanum.

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    Foto: geiseltalmuseum

    Das nahezu vollständige Skelett des Urpferdchens stammt aus der Oberen Mittelkohle des Geiseltals. Rechts im Bild: der Mageninhalt des Tieres hat sich als Braunkohle erhalten.

Forscher untersuchten die Überreste der letzten Nahrung eines Pferdevorfahren und stießen auf Unerwartetes

Kriminaltechnisch-forensische Untersuchungen geben üblicherweise Aufschluss über die letzten Stunden eines Verbrechens-Opfers. Ganz ähnliche Methoden haben nun die beiden Paläontologen Volker Wilde und Meinolf Hellmund angewendet, um mehr über die letzte Mahlzeit eines Urpferdes (Propalaeotherium isselanum) herauszufinden, das in den 30er-Jahren im Geiseltal in Sachsen-Anhalt entdeckt worden war.

Der glückliche Umstand einer in der Geiseltalsammlung nach 75 Jahren wieder aufgefundenen und bislang noch nicht untersuchten Probe aus den 1930er Jahren hat detaillierten Aufschluss über die Ernährungsbiologie und das Verhalten dieser frühen Vertreter der Pferdeartigen beim Nahrungserwerb gegeben.

Hauptsache Laub

"Die folivore Ernährung, das heißt das Fressen von Laubblättern, stand bei diesen Säugetieren demnach ganz im Vordergrund", meint Hellmund vom Geiseltalmuseum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ein Schwerpunkt der letzten Mahlzeit bestand aus Blättern von tropischen Verwandten der heutigen Mistel- und Heidekrautgewächse. Entsprechende Pollen deuten darauf hin, dass offenbar auch die Blüten von Heidekrautgewächsen nicht verschmäht wurden. Die erwähnten Laubblätter konnten aufgrund der guten Erhaltung von Strukturen der Blatthaut, darunter insbesondere die charakteristischen, dem Gasaustausch dienenden Spaltöffnungen (Stomata) bestimmt werden.

Zum Nahrungsspektrum zählten aber auch kleine, ovale Samenkörner, die jedoch erhaltungsbedingt noch nicht näher spezifiziert werden können, wie Wilde vom Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg erklärt. Typisch für einen "Mageninhalt" sei auch der "Beifang", der beispielsweise durch Wühlen in heruntergefallenem Blattwerk des Urwaldes unabsichtlich mit aufgenommen wurde. Er besteht aus kleinen kantigen Quarzkörnchen, die ebenfalls zweifelsfrei erkennbar sind.

Ansichten revidiert

Damit zeigt sich - und das ändert die bisherige Auffassung von der "Speisekarte" dieser Tiere - dass die Urpferdchen beim Nahrungserwerb eher opportunistisch als gezielt vorgingen. Sie ernährten sich dabei ausschließlich vegetarisch und überwiegend von weicher Blattnahrung, wobei sie auch frisches zu Boden gefallenes Laub nutzten.

Dies steht in klarer Beziehung zur Morphologie ihres Gebisses. Das heißt, die Kronen der "Seitenzähne", insbesondere der Backenzähne (Molaren), bestehen bei den Urpferdchen aus Höckern und sehr wirksamen Schneidekanten. Dies sei lazt Wilde ein fundamentaler Unterschied zu den heutigen, modernen Pferden, bei denen die überwiegende Grasnahrung unter anderem zu einer vergrößerten Kaufläche geführt hat. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments veröffentlicht. (red)

Nanomyte
06.06.2010 00:40
In meinem 20 Jahre alten Biobuch steht...

Die Pferdeartigen haben sich von Blattfressenden Waldbewohnern zu Grasfressenden Steppenbewohnern gewandelt.
Hier also nix überraschend Neuartiges...

==McMurphy==
06.06.2010 10:24
außerdem

hat schon peter alexander gewußt:

"Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere,
Nur weil die Bäume hoch sind und diese Tiere groß sind.
Die süßesten Früchte schmecken dir und mir genauso,
Doch weil wir beide klein sind, erreichen wir sie nicht."

Nick Tameer
09.06.2010 10:40

Der Hartz IV-Empfänger summt mit und wiegt sich leise im Takt und sagt sich mit Ex-Pastor Joachim Gauck, dass materieller Wohlstand gegenüber Freiheit überbewertet ist und er das Nichterreichen süßer Früchte in Freiheit allemal sozialistischer Regulierungswut (von Großwildjagdfrevel ganz zu schweigen!) vorzieht.

==McMurphy==
10.06.2010 17:39

hervorragend.

leider kommen nicht viele in den genuß.

im forum.

nicht weil sie klein sind,
sondern weil weil der artikel im medienzeitloch verschwunden ist.

kram-nik2
 
07.06.2010 18:19
ah das war alexander der kleine

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