Ex-Telekom-Chef Nemsic steht vor dem nächsten Karrieresprung

4. Juni 2010, 17:28
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Soll Führung der Konzernholding VimpelCom Ltd. in Amsterdam übernehmen

Beim drittgrößten russischen Mobilfunkanbieter Vimpelcom bahnt sich ein Führungswechsel an. Finanzvorstand Jelena Schmatowa soll die derzeitige Doppelspitze, bestehend aus Boris Nemsic und Alexander Torbachow, ersetzen, berichtete die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti. Dem früheren Telekom-Austria-Chef soll ein Job bei Vimpelcom Ltd., der Holdinggesellschaft in Amsterdam, angeboten werden. Torbachow wird hingegen das Unternehmen verlassen. Vimpelcom lehnte eine Stellungnahme ab.

Aufsichtsratssitzung am 10. Juni

Der Führungswechsel soll bei einer Aufsichtsratssitzung am 10. Juni abgesegnet werden. Nemsic und Torbachow wurden im April 2009 als CEO bzw. Generaldirektor eingesetzt, da der frühere Vimpelcom-CEO, Alexander Isosimow, zum Chef der Vimpelcom Ltd., einer neugegründeten Holdinggesellschaft, ernannt wurde.

Analysten der russischen Investmentbank Uralsib bezeichneten die damals geschaffene Doppelspitze als "Kompromiss zwischen den Vimpelcom-Hauptaktionären Altimo und Telenor" . Zwischen der Alfa-Gruppe-Tochter Altimo und dem norwegischen Telekomkonzern Telenor war 2004 ein Richtungsstreit um die Expansion in der Ukraine ausgebrochen.

Holding

Der Konflikt wurde schließlich im Oktober 2009 beigelegt und die Gesellschaften in Russland und der Ukraine zu einer gemeinsamen Holding fusioniert. An der neuen Vimpelcom-Holding halten Telenor und die Alfa Gruppe, die im Besitz des russischen Oligarchen Michail Fridman steht, jeweils rund 38 Prozent der Aktien und 35 beziehungsweise 43 Prozent der Stimmrechte.

Der Managementwechsel sei den Uralsib-Analysten zufolge ein Zeichen dafür, dass die strategischen Entscheidungen zur Holding Vimpelcom Ltd. wandern, während die operative Tätigkeit des Mobilfunkanbieters weiterhin von Vimpelcom in Russland gesteuert werden soll.

Wachstum

Laut Nadeschda Golubjewa, Analystin bei UniCredit Securities, ist der geplante Führungswechsel auch darin begründet, dass die Erlöse von Vimpelcom langsamer als die der Konkurrenz wachsen. Dazu kommt, dass Vimpelcom nach den Daten von AC&M Consulting im April auf den dritten Platz der größten Mobilfunkanbieter Russlands abgestiegen ist.

Größter Anbieter bleibt MTS, Megafon hat Vimpelcom überholt. Während Megafon im 1. Quartal 2010 seine Kundenbasis um 20 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode gesteigert hat, betrug das Plus bei Vimpelcom nur knapp vier Prozent. (Verena Diethelm aus Moskau, DER STANDARD Printausgabe, 5. Junik 2010)

 

 

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