Neues Antibiotikum stört Zellwand-Bildung der Bakterien

7. Juni 2010, 09:42
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Plectasin gilt als neue Hoffnung im Kampf gegen resistente Keime

Bonn - Im Kampf gegen resistente Krankheitserreger könnte Medizinern eine Substanz helfen, die in Pilzen, aber auch in niederen Tieren, wie Fliegen und Muscheln vorkommen. Das Protein Plectasin macht selbst jene Bakterien unschädlich, gegen die viele herkömmliche Antibiotika versagen. Den Wirkmechanismus des Wirkstoffes haben Forscher der Universität Bonn entschlüsselt.

Die Behandlung vieler bakterieller Infektionen wird für Ärzte zunehmend problematischer. Immer häufiger werden die Erreger gegen Antibiotika immun, etwa der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). In den USA zieht sich Schätzungen zufolge bereits jeder zweite Patient auf Intensivstationen diesen Keim zu.

"Ohne Zellwand sind Bakterien nicht lebensfähig"

Neue Hoffnung bietet das Protein Plectasin. Wie die Bonner Forscher im Magazin Science berichten, stört das Eiweiß Plectasin bei den Bakterien die Bildung der Zellwand, so dass sich die Erreger nicht mehr teilen können. Studienleiter Hans-Georg Sahl vergleicht die Substanz mit einem Dieb, der einem Maurer die Steine stiehlt. "Es heftet sich an einen Zellwand-Bestandteil und verhindert, dass dieser eingebaut wird", erklärt er. "Ohne Zellwand sind Bakterien nicht lebensfähig."

Resistente MRSA-Stämme gegen Plectasin gibt es noch nicht. "Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis die Erreger mutieren und ihnen auch die neuen Medikamente nichts mehr anhaben können", sagt die Forscherin Tanja Schneider. "Das ist ein ewiges Wettrüsten." (red/APA/apn)

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