"Es heißt unternehmen, nicht unterlassen"

5. Juni 2010, 13:00
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Was ist ein "guter Unternehmer", was macht soziale Gerechtigkeit aus? Diese Frage diskutierten vier Expertinnen

Die Probleme dieser Welt wurzeln "im mangelnden Unternehmergeist" , sagte Georg Starhemberg, Leiter der Starhemberg'schen Forst- und Güterdirektion und Geschäftsführer der vom Haus Starhemberg initiierten Familienstiftung, am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion über "Gutes Unternehmertum - die Wunderwaffe gegen alle sozialen Probleme?" . Erfolg sei nicht nur an der Höhe des Gewinns zu messen: "Erfolg bedeutet auch Anerkennung für das, was man tut."

Sozialen Ausgleich schaffen

Damit verwies Starhemberg, u. a. auch Stiftungsrat der gemeinnützigen Siemens-Stiftung für soziales und gesellschaftliches Engagement, auf die notwendige wirtschaftliche Nachhaltigkeit, sowohl die Umwelt als auch den Umgang mit Arbeitnehmern betreffend: "Nur wenn der Leistungsaustausch fair ist, kann es Frieden geben." Was seit fünf Jahren in Frankreich und jüngst in Griechenland passiert ist, könnte auch Österreich und seine Nachbarländer betreffen: "Aufstände, Gewalt - davor habe ich Angst."

Dass er "durch Geburt in meine Rolle, zu meinem Status kam" , erfülle ihn "mit Demut" - und der Aufgabe, anderen, die schlechtere Chancen haben und hatten, zu helfen. Bestimmte (finanz)wirtschaftliche Vorgänge wären einzubremsen, so Starhemberg, der die Frage stellte, "ob man wirklich alles tun darf, nur um möglichst viel Profit zu scheffeln - um das Geld schließlich auf der anderen Seite wohltätig anzubringen" . Das entspreche nicht seiner Vorstellung von sozialem Handeln.

Mit Starhemberg diskutierten Christian Horak, Geschäftsführer von Contrust Management-Consulting, Philipp Bodzenta, Public Affairs Manager bei Coca-Cola, und Sonja Mitsche, Geschäftsführerin von 4everyoung.at, unter der Leitung von Karrieren STANDARD-Chefin Karin Bauer. Die Veranstaltung in der Beletage des Österreichischen Gewerbevereins (ÖGV) im Wiener Palais Eschenbach fand im Rahmen der Initiative "Ideen gegen Armut" (IGA) statt, einer Kooperation der genannten Partner mit dem Institut für Non-Profit-Organisationen der Wiener Wirtschaftsuniversität.

400.000 Menschen betroffen

"Die Armut in Österreich ist sehr vielfältig" , nahm Christian Horak den Faden auf, "und sehr viel präsenter, als man für ein so reiches Land vermuten würde." Bis zu 400.000 Menschen in Österreich seien von Armut betroffen, rund eine Million sei armutsgefährdet. Eben deshalb sei soziales Unternehmertum ein absolutes Muss - vor allem aber sei es schlicht die Weiterführung der Gedanken, die viele Unternehmer ohnehin antreibe: nachhaltig zu agieren. Es gehe darum, "gewisse Aspekte stärker zu beachten" und mit den sozialen Problemen in der Gesellschaft "zu paaren" .

Als Akteurin des sozialen Unternehmertums saß Sonja Mitsche mit am Podium. Vor zwei Jahren ging sie als Siegerin aus dem IGA-Wettbewerb hervor, der 2007 zum ersten Mal stattfand. Am Anfang stand die Idee, arbeitslosen Menschen mit der Reparatur von Computern eine Beschäftigung zu geben. Schon vor zwölf Jahren begann Mitsche "ein Seniorenprojekt" in diesem Bereich, das sich langsam weiterentwickelte, und ihr heutiges Konzept präsentiert sie als Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Umwelt profitiert

Einerseits gliedern sich Arbeitslose wieder in die Gesellschaft ein, andererseits können sozial schwache Menschen ihre Computer günstig reparieren lassen. Und nicht zuletzt profitiere die Umwelt davon, verweist Mitsche auf die immense Belastung durch ausgemusterte PCs, denen eigentlich nur ein Ersatzteil fehlen würde.

Philipp Bodzenta schließlich vertrat den Softdrink-Produzenten Coca-Cola, der IGA bisher mit einem Preisgeld von 50.000 Euro unterstützte und diese Summe für die laufende Aktion - aus Anlass des 81. Geburtstags der österreichischen Firmenniederlassung - auf 81.000 Euro erhöhte: Zwei soziale Projekte werden mit jeweils 40.500 Euro zum Zug kommen.

Das "Unternehmertum" trage seine Verantwortung schon im Namen: "Es heißt unternehmen, nicht unterlassen." Wie schon seine Vorredner zeigte sich Bodzenta durch das Vorbild Muhammad Yunus', Friedensnobelpreisträger 2006, beflügelt. Coca-Cola wolle der Gesellschaft, "von der wir profitieren" , etwas zurückgeben: "Wir stellen dieses Geld zur Verfügung und freuen uns auf den Rücklauf - als soziale Rendite." (Bernhard Madlener/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.6.2010)

Mehr zum Projekt gibt es unter www.ideen-gegen-armut.at - die aktuelle Ausschreibung läuft. Die Diskussion samt lebhafter Kommentare aus dem Publikum gibt es zur Nachschau auf http://etalks.tv.

  • Georg Starhemberg (Unternehmer), Christian Horak (Contrust Management-Consulting), Sonja Mitsche (4everyoung.at) und Philipp Bodzenta (Coca-Cola) mit Karin Bauer (STANDARD).
    foto: standard/urban

    Georg Starhemberg (Unternehmer), Christian Horak (Contrust Management-Consulting), Sonja Mitsche (4everyoung.at) und Philipp Bodzenta (Coca-Cola) mit Karin Bauer (STANDARD).

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