Grüne Botschaft mitten in der Verkehrshölle

4. Juni 2010, 16:42
posten

Ein Haus, das mit viel weniger Energie auskommt als herkömmliche Bauten und in Errichtung sowie Betrieb Ressourcen spart: Damit will Österreich in Indonesien Maßstäbe setzen - Die neue Botschaft wird 2011 eröffnet

An schönen Tagen muss man früh aufstehen, um von einem der immer zahlreicher in die Höhe schießenden Wolkenkratzer eine halbwegs gute Fernsicht zu haben. Bei Schlechtwetter hilft auch das nichts. Dann ist es frühmorgens schon so wie an normalen Tagen gegen elf Uhr vormittags: trübe Sicht und eine Luft, die Lungen und Schleimhäute reizt. Jakarta, die mit Umlandstädten fast 20 Millionen Einwohner zählende Metropole Indonesiens, liegt dann, vom Verkehr fast erstickt,  unter einer dicken Smogglocke.

Hunderte Meter darunter, im Herzen der Stadt, wurde kürzlich der Grundstein gelegt für Österreichs erste "grüne" Botschaft. Sie wird auf absehbare Zeit auch die  einzige in der gesamten Region bleiben. Das Attribut grün hat sie deshalb, weil beim Neubau auf dem Gelände der alten Botschaft nach internationalen LEED-Standards vorgegangen wird. Das Kürzel steht für "Leadership in Energy and Environmental Design", was mit Führerschaft in energie- und umweltgerechter Planung übersetzt werden kann. Die LEED-Parameter wurden ursprünglich in den USA entwickelt, finden inzwischen aber in 40 Ländern der Welt Anwendung.

Das System basiert auf der Vergabe von Punkten für jeden der Parameter, die die Nachhaltigkeit eines Gebäudes ausmachen (Standort, Wasser- und Energieverbrauch, Luftverschmutzung, Materialien und Ressourcen, Qualität der Innenräume, Planung und Innovation). Aus der Summe dieser Punkte ergibt sich die Kategorie des erteilten Zertifikats.

"Ein Neubau war längst fällig, das alte Gebäude hatte zu viele Nachteile", sagte Botschafter Klaus Wölfer dem Standard. Eine Botschaft sei immer auch "eine Visitenkarte" des Landes. Österreich habe auf dem Gebiet der Umwelttechnologien in Südostasien bereits einen guten Namen. Da sei es nur konsequent, als künftigen Botschaftssitz ein Passivhaus anzudenken. Das Haus sei in der Errichtung zwar  um rund 15 Prozent teurer als ein herkömmliches, in der Betriebsführung dagegen wesentlich günstiger. Den Wettbewerb für die Botschaft in Jakarta hat das Wiener Architekturbüro "pos" gewonnen. Die Herausforderung war, Passivhausstandards an die Bedingungen einer feucht-heißen Klimazone anzupassen, wie sie in Jakarta   mehr oder weniger das ganze Jahr über vorherrscht. Das zweistöckige Gebäude, das auf einer Grundfläche von 1035 m2 errichtet wird und neben einer Reihe von Büros und Besprechungsräumen auch einen  großen Konferenzsaal haben wird, soll im nächsten Jahr seiner Bestimmung übergeben werden.

Bis die nächste "grüne" Botschaft Österreichs eröffnet wird, dürfte einige Zeit vergehen. Grund sind die Sparmaßnahmen im Zuge der Budgetkonsolidierung, die auch das Außenministerium treffen. Für den Neubau der Botschaft in Warschau hat es bereits eine internationale Ausschreibung gegeben. Das Projekt liegt bis auf weiteres auf Eis. (Günther Strobl aus Jakarta, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.6.2010)

  • Modell der vom Wiener Architekturbüro "pos" entworfenen Botschaft in 
Jakarta.
    foto: pos

    Modell der vom Wiener Architekturbüro "pos" entworfenen Botschaft in Jakarta.

Share if you care.