Spuckt die Larve drauf, verdoppelt sich der Kartoffel-Ertrag

4. Juni 2010, 15:16
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Wissenschafter finden bei der Guatemala Kartoffelmotte Beispiel für Ko-Evolution mit Nutzen für Kartoffelbauern

Eigentlich wollten die Agrarökologen der Universität Göttingen untersuchen, welche Schäden die Larven der südamerikanischen Motte Tecia solanivora auf Kartoffelfeldern in den kolumbianischen Anden anrichten. Wie sich zur Verblüffung der Forscher zeigte, hat der Befall durch die Guatemala Kartoffelmotte unter Umständen gar keine negativen Auswirkungen, im Gegenteil: Der Ertrag der Pflanzen kann sich durch die Larven der Motte sogar verdoppeln.

Die Wissenschafter fanden heraus, dass der Speichel der Tecia-solanivora-Larven Wirkstoffe enthält, die die Pflanze anregen, größere Knollen zu produzieren. Die Ergebnisse der Studie, die in Zusammenarbeit mit Experten der Cornell University in Ithaca (USA) und der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá entstanden ist, wurde kürzlich in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Ecological Applications veröffentlicht.

Wie sich bei der Untersuchung zeigte gleicht die Kartoffelpflanze den Fraßverlust des Schädlings aus, indem sie als Reaktion auf den Speichel der Mottenlarven besonders große Kartoffelknollen bildet. Die befallene Knolle selbst bleibt zwar kleiner, die gesunden Knollen werden jedoch deutlich schwerer. Wenn die Schädlingslarven weniger als 10 Prozent der Knollen befallen, produziert die Pflanze einen 2,5-fach höheren Ertrag als ohne Schädlingsfraß.

Konsequenzen für Kartoffelbauern

In Feldstudien, bei denen bis zu 20 Prozent der Kartoffelpflanzen infiziert waren, fiel die Ernte immerhin doppelt so hoch aus wie bei gesunden Pflanzen. Und selbst wenn die Hälfte der Kartoffeln befallen war, entsprach der Ertrag immer noch dem von Pflanzen ohne Schädlingsbefall. Für die Kartoffelanbauer haben die Ergebnisse der Studie möglicherweise weitreichende Konsequenzen, wenn es gelingen könnte, den Speichel der Mottenlarven gezielt zur Ertragssteigerung zu nutzen.

Generell zeigen Pflanzen eine Reihe von Reaktionen auf Fraßschäden, beispielsweise einen veränderten Stoffwechsel und eine erhöhte Produktion von Giftstoffen, die Pflanzenfresser abschrecken sollen. Im Gegenzug haben die Pflanzenfresser - wie die Guatemala Kartoffelmotte - Strategien, um diese Giftstoffe abzuwehren. Wo sich Pflanzen und Pflanzenfresser zeitgleich entwickelt haben, ergeben sich durch die gemeinsame Evolution manchmal sogar Vorteile für beide Seiten.

Gelungene Ko-Evolution

Die Studie der Göttinger Wissenschaftler gibt Hinweise auf eine solche gelungene Ko-Evolution bei Wirt und Schädling: Die Kartoffelpflanze gleicht den Fraßverlust durch besonders schwere Knollen aus - und der Motte steht so mehr Nahrung zur Verfügung. Außerdem glauben die Forscher, dass der Fraßschaden der Kartoffelmotte die Photosyntheserate der Kartoffelpflanze beeinflusst. Eine Erhöhung der Photosynthese könnte auch die Stärkeproduktion der Pflanze steigern und dadurch zur Produktion von größeren Knollen führen. (red)

  • Larve der Guatemala Kartoffelmotte  Tecia solanivora.
    foto: universität göttingen

    Larve der Guatemala Kartoffelmotte Tecia solanivora.

  • Ein Befall von weniger als der Hälfte einer Pflanze durch die Larven hat eine ertragsteigernde Wirkung.
    foto: universität göttingen

    Ein Befall von weniger als der Hälfte einer Pflanze durch die Larven hat eine ertragsteigernde Wirkung.

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