Mangelware der Marke Kahlo

4. Juni 2010, 16:33
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In den vergangenen zehn Jahren gelangten gerade einmal sieben Ölbilder zur Auktion - viel zu wenig für eine entsprechende Marktentwicklung

Ursprünglich hatte der New Yorker Galerist Julien Levy für den November 1938 eine Ausstellung mit Arbeiten Diego Riveras geplant. Am 27. Juli des Jahres erhielt er von dessen Ehefrau Frida Kahlo ein Schreiben mit der Absage: Ihr Ehemann sei seit vier Monaten krank und könne deshalb nicht arbeiten, so die Begründung.

Stattdessen widmete Levy Kahlo die erste eigene Ausstellung. Der erste Kunde: Walter Pach, ein leidenschaftlicher Sammler mexikanischer und lateinamerikanischer Kunst, der für 100 Dollar die Miniatur Der Überlebende (El superviviente) erwarb.

Am 26. Mai 2010 stand dieses inklusive Originalrahmen 45,5 mal 37,5 cm messende Werk erstmals bei einer Auktion in New York zum Verkauf. Zwischen 100.000 und 150.000 Dollar hatten die Experten von Christie's ihre Erwartungen im Vorfeld beziffert. Der Zuschlag erfolgte erst bei netto 980.000 Dollar (799.386 Euro), zugunsten eines Privatsammlers.

Die Arbeiten der mexikanischen Künstlerin - bis 9. August zeigt der Martin-Gropius-Bau (Berlin) eine große Retrospektive, die anschließend vom Bank Austria Kunstforum (1. September bis 5. Dezember 2010) übernommen wird - gelten als Raritäten. Denn auf den Markt kommen lediglich zu Lebzeiten der Künstlerin verkaufte Werke, für die sie nie mehr als 400 Dollar erhalten haben soll.

Die rigorosen Ausfuhrbestimmungen ihres Heimatlandes spucken einer adäquaten Marktentwicklung im übertragenen Sinne seit Jahren in die Suppe. Vielmehr rief sie Fälscherwerkstätten auf den Plan, die am Hype mitnaschen wollen. Die gängige Methode: Motive aus authentischen Werken zu neuen zu komponieren.

Denn von ihren "Fridas" trennen sich Privatsammler nur selten. Weder mittelfristig, wie Museumskuratoren aus leidvoller Erfahrung wissen, noch endgültig. Anlässlich der Werkschau bezogen 2005 etwa zwei Kahlo-Gemälde aus dem Besitz Madonnas in der Londoner Tate Gallery ein temporäres Quartier; für die aktuellen Präsentationen standen die Arbeiten nicht mehr zur Verfügung: Darunter Roots (Die Wurzeln, 1943), ein 30 mal 50 cm kleines Querformat, das 2006 aus amerikanischem Privatbesitz auf den Markt kam und das sich die Pop-Ikone bei So-theby's in New York netto fünf Millionen Dollar (3,89 Mio. Euro) kosten ließ.

Seit 1989 listet die amerikanische Kunstpreisdatenbank Artprice weltweit gerade einmal 35 Auktionseinträge, davon aber nur 15 in der Kategorie Gemälde. Den offiziell bislang höchsten Wert notierte Sotheby's im Jahr 2000, als ein amerikanischer Privatsammler für ein frühes Selbstporträt aus dem Jahr 1927 stolze 4,6 Millionen Dollar netto bzw. entsprechend dem damaligen Gegenwert 4,9 Millionen Euro bewilligte. (kron, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.06.2010)


 

  • Frida Kahlo: "Der Überlebende"
    foto: christie's

    Frida Kahlo: "Der Überlebende"

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