Nur mit der Sonne einmal um die Erde

4. Juni 2010, 17:01
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Die "Solarwave" startete am Samstag in Wien: Der Katamaran eines Kärntner Paares wird einzig und allein mit Sonnenstrom betrieben – das Kraftwerk auf dem Dach liefert auch genug Energie fürs tägliche Leben

Mit 18 Jahren hatte er sich sein erstes kleines Boot gekauft. Seither lebt Michael Köhler mit der Leidenschaft für die Seefahrt in unterschiedlichsten Beziehungen. Waren es erst Motorboote, so wurde er an Bord eines klassischen Rahseglers zum Liebhaber der windigen Fortbewegung. Dazu kam, dass Köhler seit langem von einem möglichst autarken Langfahrtschiff träumte. Immer wieder tüftelte und werkelte er an einem Boot – bis es seinen Vorstellungen entsprach und er das Schiff verkaufte. Dann begann er von neuem.

Und dann lag Michael Köhler wieder einmal mit seinem Schiff in einer Bucht, rundum all die anderen Segler – und ein Dieselgenerator nach dem anderen wurde angeworfen, auf dass die Seebären und -bärinnen ihr Bierchen kühlen konnten. Das Segeln – die umweltfreundlichste Art der Fortbewegung – und dann diese allabendliche Stinkerei, das kann’s doch nicht sein, dachte sich Köhler und begann wieder zu tüfteln.

Jetzt sagt Michael Köhler, dass er die Antwort nicht nur gefunden, sondern auch verwirklicht hat – und das will er unter Beweis stellen. Seit zwei Wochen liegt die "Solarwave" im Wiener Yachthafen "Marina" – am Samstag, 5. Juni, ist die Abfahrt aus Wien geplant: "Einmal rund um die Welt – ohne Treibstoff und ohne Segel. Eine Weltumrundung ohne jeglichen Schadstoffausstoß", lautet das Ziel Köhlers und seiner Partnerin Heike Patzelt.

Insgesamt zwei Jahre wollen sie unterwegs sein – inklusive entsprechender Familienpausen. Und in der Zeit, während der sie auf dem Schiff unterwegs sind, soll einzig und allein die Sonne die Energie liefern, die sie brauchen. Sowohl für die Fahrt – als auch für das tägliche Leben.

Solares Brotbacken

Die "Solarwave" ist ein Katamaran, der jeglichen Komfort bietet: vier Doppelkabinen, drei Bäder, eine Küche mit Induktionsherd, Backrohr, Mikrowelle, Eiskasten, Gefrierschrank, Espressomaschine, Brotbackautomat – dazu noch Waschmaschine, Warmwasserboiler, Klimaanlage, Satellitentelefon und WLAN-Internet. Für Landausflüge gibt’s ein Elektro-Beiboot – und einen Elektroroller.

Die Energie für all diese Gerätschaften liefern die Fotovoltaik-Paneele, die auf dem Dach und im Bugbereich der "Solarwave" montiert sind. Sie sind es auch, die den Strom für die Elektromotoren des Schiffes liefern. Einen kleinen Dieselgenerator gibt es zwar an Bord – der ist allerdings nur für absolute Notfälle da und wird für die Weltumrundung plombiert.

Köhler und Patzelt sind nicht die Einzigen, die nicht mehr segeln, sondern stromen wollen: So ist es etwa schon mit dem Schweizer Boot "Sun 21" gelungen, mit Sonnenstrom den Atlantik zu überqueren. Die "Planetsolar" wiederum ist das größte Solarschiff der Welt und befindet sich derzeit in der Testphase.

Die "Solarwave" soll aber das erste Schiff sein, das die Welt umstromt. Von Mondorf bei Bonn über den Rhein, Main und die Donau zum Schwarzen Meer, ins Mittelmeer, über den Atlantik in die Karibik, weiter durch den Panamakanal in den Pazifik, über Australien, Indischen Ozean zum Suezkanal und wieder retour ins Mittelmeer.

Ein Solarschiff, das eine solche Tour bewältigen kann, kauft man nicht per Katalog. Die aus Epoxydharzen gefertigten Rümpfe wurden in einer deutschen Werft gefertigt – den Innenausbau übernahmen Köhler, Patzelt und Freunde in Eigenregie. Die gesamte Technik bauten sie selbst ein, verlegten drei Kilometer Kabel.

Bei den ersten Präsentationen kamen dann immer wieder die gleichen Fragen: Was passiert bei Sturm? "Dasselbe wie auf einem Segelschiff: beidrehen, Treibanker raus und warten." Und was, wenn lange keine Sonne scheint? "Das ist extrem unwahrscheinlich. Natürlich muss man wie bei einem Segelboot überlegen, in welcher Gegend und Jahreszeit man unterwegs ist. Wenn einer mit einem Segelschiff in eine windarme Region fährt, könnte man auch fragen: Und? Was machen S’ jetzt?"

Wenn weniger Sonne scheint – kommt man halt langsamer voran. Die Energie für das Nötigste wird in herkömmlichen, extrem zuverlässigen Bleibatterien gespeichert, wie sie auch in U-Booten oder in Helikoptern im Einsatz sind.

Und aus seiner langjährigen Erfahrung auf Segelbooten weiß Köhler sehr genau: "Die Sonne ist zuverlässiger als der Wind." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.6.2010)

  • Michael Köhler und Heike Patzelt auf ihrer „Solarwave“: Das 
Sonnenkraftwerk auf dem Dach ...
    foto: c. fischer

    Michael Köhler und Heike Patzelt auf ihrer „Solarwave“: Das Sonnenkraftwerk auf dem Dach ...

  • ... liefert auch den Strom für das Innenleben
    foto: c. fischer

    ... liefert auch den Strom für das Innenleben

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