Öl dürfte schon bald in den Golfstrom gelangen

4. Juni 2010, 14:48
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Modellstudie zeigt, dass sich die Verschmutzung in wenigen Monaten bis in den Nordatlantik ausbreiten könnte

Aktuelle Modellrechnungen mit einem hochauflösenden Ozeanmodell zeigen, dass sich das derzeit im Golf von Mexiko freigesetzte Öl über den Golfstrom innerhalb weniger Monate bis weit in den Atlantik hinaus ausbreiten könnte. Die östlichen Küsten Floridas dürfte das Öl bereits in wenigen Wochen verschmutzen.

"Zunächst einmal dachten wir alle: Die Ölpest ist schlimm, aber der Golf von Mexiko ist weit weg", so Martin Visbeck, Leiter der Physikalischen Ozeanographie am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Doch die Karibik ist die Wiege des Golfstroms, der Warmwasserheizung Europas. Von dort ergießen sich pro Sekunde etwa 32 Millionen Kubikmeter Wasser durch die Floridastraße in den Atlantik.

"Insofern lag nahe, einmal nachzuschauen, ob und wie schnell ein Stoff, aus dem Golf von Mexiko in den Atlantik transportiert wird. Meine amerikanischen Kollegen am Los Alamos National Laboratory (LANL) und National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder haben dies mit ihrem sehr hoch auflösenden (10 x 10 km) Ozeanmodell für 6 verschiedene Strömungsmuster nachgerechnet."

Quelle: YouTube

Die Ergebnisse zeigen einen raschen Transport der verschmutzten Wassermasse in den Atlantik, die sich dort mit hoher Geschwindigkeit weiter verteilt. "Die Geschwindigkeit der Strömung liegt bei bis zu 150 Kilometern am Tag", so Claus Böning vom IFM-GEOMAR, "insofern ist diese rasche Ausbreitung nicht wirklich überraschend für uns, sondern bestätigt Abschätzungen aufgrund eigener Kieler Modellrechnungen mit hoch auflösenden Strömungsmodellen".

Weiträumige Verteilung im Nordatlantik

Trotzdem bräuchten die Europäer gegenwärtig keine Angst vor einer Ölpest an ihren Stränden zu haben. Durch die starke Verwirbelung des Golfstroms dürfte sich das Öl anschließend weiträumig im Nordatlantik verteilen und die Konzentrationen damit stark absinken. Außerdem wurde in den Modellstudien kein biologischer Abbau berücksichtigt, der auf Dauer die Ölbelastung deutlich abschwächt.

"Auch wenn wir auf der Basis der bisherigen Rechnungen für Europa Entwarnung geben können, benötigen wir weitere Untersuchungen, insbesondere um die langzeitlichen Entwicklungen besser abschätzen zu können. Wenn das Öl bis zum August weiter ungemindert ausströmt, müssen wir möglicherweise unsere momentanen Abschätzungen revidieren", erklärt Visbeck. Für die Küsten an der amerikanischen Südostküste sieht es allerdings nicht so rosig aus. Hier könnten die Badefreuden in diesem Sommer durch Ölverschmutzungen beeinträchtigt werden. (red)

  • Simulation der Ausbreitung eines Farbstoffs, der an der Stelle des Öllecks über die oberen 20 Meter Tiefe ausgebracht wurde. Die Farbschattierung spiegelt die Abschwächung der Konzentration wider.
    foto: ncar

    Simulation der Ausbreitung eines Farbstoffs, der an der Stelle des Öllecks über die oberen 20 Meter Tiefe ausgebracht wurde. Die Farbschattierung spiegelt die Abschwächung der Konzentration wider.

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