Stabilisierung der Aktienmärkte setzt sich fort

4. Juni 2010, 13:34
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Die Stabilisierung an den europäischen Aktienmärkten setzte sich diese Woche fort. Small Caps zeigten dabei abermals eine Outperformance und so konnte der Stoxx 600 um 1,68% auf 249 Punkte zulegen. Der Eurostoxx 50 stieg um 0,57%. Betrachtet man die Entwicklung der Sektoren, so erkennt man, dass Investoren vermehrt in defensive Sektoren investieren.

Der Pharmasektor und Haushaltsgüterproduzenten legten um 5% zu. Eine Analyse der Saisonalität der Sektorenperformances zeigt, dass in den Monaten Juni bis November Investoren in der Vergangenheit vermehrt in defensive Sektoren investiert haben. Lukrierte Gewinne aus zyklischen Sektoren, die in den ersten fünf Monaten oft eine Outperformance zeigten, werden mit dem Umschichten in defensive Sektoren „abgesichert". Wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzten wird. Banken (-0,57%) und Rohstoffhersteller (-1,3%), die großen Gewinner in 2009, zeigen weiter eine Underperformance und liegen seit Anfang 2010 jetzt 10% bzw. 6% im Minus.

Die Situation am Interbankenmarkt hat sich noch nicht merklich entspannt. Der dreimonatige Geldmarktsatz Euribor kletterte leicht auf 71 BP. Der TED- Spread stabilisierte sich weiter im Bereich von 39 BP. Der 2-Jahres Euro- Swap- Spread stieg leicht von 80 BP auf 83 BP. Dass die derzeitige Erholung an den Aktienmärkten aber auf wackeligen Beinen steht, zeigt die Schwäche der Rohstoffpreise in diese Woche. Kupfer sank um 7% auf USD 6.955/t. Der Preis für Aluminium sank um 6% auf USD 1.924/t. Das Barrel Brent blieb stabil bei USD 73.

Der Aufschwung der Eurozone hat im Mai etwas an Fahrt verloren, wenngleich die Wachstumsrate die zweithöchste seit August 2007 war. Dies zeigt der EMI, der gegenüber dem Nach-Rezessionshoch von April um 0.9 Zähler auf 56,4 nachgab. Seit zehn Monaten notiert der Index nun bereits im positiven Bereich. Dass die Konjunktur leicht an Dynamik eingebüßt hat, war ausschließlich auf den Industriesektor zurückzuführen. Ausschlaggebend hierfür waren die spürbare Wachstumsverlangsamung in Deutschland und die sich vertiefende Rezession in Griechenland.

Bei den Dienstleistern beschleunigte sich der Aufschwung hingegen und verhalf den Firmen zum stärksten Wachstum seit August 2007. Auch alle vier wirtschaftlich bedeutendsten Eurozone-Länder verzeichneten im Mai Wachstum. Frankreich führte mit dem höchsten Plus seit November 2009, während sich die Steigerungsraten in Deutschland und Italien abschwächten. In Spanien blieb die Rate konstant.

Die deutschen Autobauer kommen in den USA wieder in Fahrt. Während sich die Kundschaft auf dem Heimatmarkt nach dem Wegfall der Abwrackprämie mit Neuwagenkäufen zurückhält, legte der Absatz in dem nach China zweitgrößten Automarkt im Mai abermals deutlich zu. Am stärksten unter den deutschen Herstellern profitierten Mercedes-Benz mit einem Absatzplus von 27% und Volkswagen mit einem Zuwachs um ein Fünftel. BMW und Porsche mussten wegen bevorstehender Modellwechsel Verkaufsrückgänge hinnehmen. Sie werden nach Einschätzung von Experten in den kommenden Monaten aber wieder Anschluss finden.

Die Schwäche des Euro-Kurses spielt den deutschen Herstellern in die Hände. Prudential gab am Mittwoch seine Pläne für einen mehr als USD 30 Mrd. teuren Kauf des AIGAsiengeschäfts auf. Jetzt werden, unter anderem für eine Strafzahlung, USD 659 Mio. Kosten fällig. Prudential steht nun vor einer ungewissen Zukunft. Eine Zerschlagung des Konzerns gilt nicht mehr als ausgeschlossen.

Teva macht Bayer Konkurrenz bei dem lukrativen Verhütungsmittel Yaz. Der weltgrößte Hersteller von Generika kündigte die Markteinführung einer Kopie der Pille mit dem Namen "Gianvi" in den USA an. In der Regel bricht der Umsatz von Originalpräparaten stark ein, sobald eine billigere Kopie auf den Markt kommt. Bayer muss sich somit auf Rückgänge bei einem seiner wichtigsten Produkte einstellen. Mit Yaz machte der Leverkusener Konzern in den USA zuletzt einen Umsatz von USD 782 Mio. Umsatz pro Jahr.

Neben Teva hatten auch die Novartis- Tochter Sandoz sowie der US-Konzern Watson angekündigt, Generika der Antibaby-Pille auf den US-Markt zu bringen. Bayer streitet sich deswegen seit geraumer Zeit mit allen drei Unternehmen über die Patente an Yaz. Die Pille gehört zur Produktfamilie um das Verhütungsmittel Yasmin, mit der Bayer 2009 weltweit insgesamt Umsätze von 1,28 Milliarden Euro einfuhr. Damit war sie die zuletzt umsatzstärkste Medikamentengruppe der Bayer-Pharmasparte.

BASF peilt bis zum Jahr 2020 einen Umsatz von mehr als EUR 90 Mrd. Euro an und will damit den Umsatz im Vergleich zum Jahr 2009 um mehr als drei Viertel steigern. Den größten Anteil am Umsatz mit rund EUR 49 Mrd. solle weiterhin Europa erbringen. Dabei setzt er eine jährliche Wachstumsrate für die Region von 4-5% voraus. Mit den größten Zuwächsen rechnet man natürlich in Asien. Mit einem jährlichen Zuwachs von 7-8% sollen die Erlöse in zehn Jahren bei rund EUR 20 Mrd. liegen.

Die EU-Wettbewerbsbehörde nimmt die Kaufofferte von Unilever für die Körperpflege-Sparte des Rivalen Sara Lee genauer unter die Lupe. Die Prüfung ist verlängert worden, da der Konzern Zugeständnisse an die Wettbewerbshüter abgelehnt hat. Eine erste Untersuchung hat mögliche wettbewerbsrechtliche Bedenken - etwa auf den Märkten für Deodorants und Hautreinigungsprodukte - ergeben. Die Europäische Kommission entscheidet nun bis zum 5. Oktober, ob die USD 1,3 Mrd. Übernahme genehmigt wird.

Der Branchenverband Fluglinien Iata rechnet damit, dass sich die Flugindustrie in zwei Jahren von der Wirtschaftskrise erholt haben wird. Allerdings wird die Erholung zweigeteilt sein. Wachsen werden vor allem die Märkte in Asien, im Pazifikraum sowie in Nordamerika. Europa hinke deutlich hinterher. Im vergangenen Jahr haben die Fluggesellschaften weltweit Verluste von USD 9,4 Mrd. eingeflogen. Bisher geht der Verband davon aus, dass der Fehlbetrag im laufenden Jahr auf USD 2,8 Mrd. schrumpft.

Derweil trifft der Streik seiner Flugbegleiter British Airways hart. Die Passagierzahlen brachen im Mai um mehr als 14% ein. Die Auslastung sinkt dramatisch und ein Ende der Streikwellen ist bislang nicht in Sicht. Der Schaden der andauernden Streikserie kann erst mit deren Ende beziffert werden. Die zweite fünftägige Streikwelle wurde am Donnerstag beendet; die vorerst dritte und letzte wollen die Flugbegleiter am Samstag starten.

RWE zieht zusammen mit Siemens für über EUR 2 Mrd. einen Windpark vor der Küste Großbritanniens hoch. Der Auftrag ist der bislang größte in der Offshore- Industrie weltweit. Baubeginn soll nächstes Jahr sein, zwei Jahre später soll der Windpark den ersten Strom liefern. Nach Fertigstellung 2014 sollen die vor der Küste von Wales geplanten Windkrafträder mit einer installierten Leistung von 576 Megawatt 400.000 Haushalte mit Strom versorgen können. Den Auftragswert für Siemens für Lieferung und Wartung beträgt EUR 1,2 Mrd.

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