Sternhaufen vermessen

16.200 km/h schnelle Sterne überraschen Astronomen

04. Juni 2010 14:12
  • Artikelbild
    vergrößern 600x479
    Foto: nasa/esa/wolfgang brandner (mpia), boyke rochau (mpia) und andrea stolte (universität zu köln)

    Teilansicht des Nebels NGC 3603 mit seinem zentralen, nur eine Million Jahre alten kompakten Sternhaufen. Das Blickfeld beträgt rund 160 Bogensekunden mal 160 Bogensekunden. Die gezackte Bildstruktur ergibt sich aus der Anordnung der Detektoren der Wide Field/Planetary Camera.

  • Artikelbild
    vergrößern 1200x1200
    Foto: nasa/esa/wolfgang brandner (mpia), boyke rochau (mpia) und andrea stolte (universität zu köln)

    Die Gif-Animation zeigt den Unterschied bei den Beobachtungen von 1997 und 2007: Die Aufnahmen wurden mit der Wide Field/Planetary Camera 2 des Weltraumteleskops Hubble vorgenommen wurden. Zu sehen ist ein Himmelsausschnitt von rund 35 mal 35 Bogensekunden.

    Vergrößert sind einige Vordergrundsterne hervorgehoben, deren Bewegung im Laufe der zehn Jahre beim Vergleich direkt sichtbar ist. Die meisten Sterne des Haufens selbst bewegen sich in diesem Zeitraum nur um rund ein Zehntel eines Pixels; ihre Bewegung kann nur durch aufwändige Datenanalyse nachgewiesen werden.

     

Forscher versuchten auf das weitere Schicksal eines Sternhaufens zu schließen

Offene Sternhaufen - ein bekanntes Beispiel sind die Plejaden - sind nicht von Dauer: Im Laufe von Dutzenden von Millionen Jahren laufen ihre Sterne auseinander. Massereiche, kompakte Sternhaufen dagegen gehen in ihrer Entwicklung einen anderen Weg: Über kurz oder lang ziehen sie sich zu langlebigen Kugelsternhaufen zusammen.

Mit mehr als 10.000 Mal der Masse der Sonne, konzentriert in einem Volumen mit nur drei Lichtjahren Durchmesser, ist der junge Sternhaufen in dem Nebel NGC 3603 einer der kompaktesten Sternhaufen in unserer Heimatgalaxie. Im Vergleich dazu ist unsere Ecke der Milchstraße an Sternen nur dünn besiedelt: Im Umkreis von zehn Lichtjahren finden sich keine 30 Sonnen. Astronomen wollten nun herausfinden, ob NGC 3603 auf dem Weg zu einem Kugelsternhaufen ist oder irgendwann auseinanderdriften wird.

Um das festzustellen haben die Wissenschafter unter der Leitung von Wolfgang Brandner vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg und Forscher von der Universität zu Köln mit Hilfe des NASA/ESA-Weltraumteleskops Hubble die Bewegung einiger Sterne des Haufens hochpräzise vermessen. Der Vergleich von Beobachtungen, die zehn Jahre auseinander liegen, brachte eine Überraschung: Unerwarteter Weise haben die Sterne des Haufens noch keinen langfristig stabilen Gleichgewichtszustand erreicht. Und noch etwas zeigte sich: Die Sterne bewegten sich mit 16.200 Kilometer pro Stunde durchs All.

Ultragenaue Messungen

Die dafür nötigen Messungen sind ausnehmend schwierig. Zum Vergleich: Angenommen, ein Stern bewege sich von der Erde aus gesehen mit einer Geschwindigkeit von einigen Kilometern pro Sekunde seitwärts - eine typische Geschwindigkeit für Sterne in Sternhaufen. Aus einer Entfernung von 20.000 Lichtjahren betrachtet (dem Abstand von NGC 3603 zur Erde) verändert sich die Position eines solchen Sterns am Nachthimmel nur um einige Milliardstel eines Winkelgrads pro Jahr. Auch mit modernsten Instrumenten und Auswertungsmethoden stellt der Nachweis solch winziger Verschiebungen eine große Herausforderung dar.

Mit Hilfe zweier Beobachtungen, die im Abstand von zehn Jahren mit ein und derselben Kamera des Weltraumteleskops Hubble durchgeführt wurden, und dank aufwändiger Auswertungen, die eine Vielzahl von Störquellen berücksichtigen, konnten Brandner und seine Kollegen die nötige Genauigkeit erreichen.

Insgesamt beobachteten die Astronomen 800 Sterne. Für 234 konnten die Astronomen hinreichend genaue Geschwindigkeitsmessungen vornehmen. Boyke Rochau (MPIA), der Erstautor des Fachartikels im Astrophysical Journal, erklärt: "Unsere Messungen sind bis auf 27 Millionstel einer Bogensekunde pro Jahr genau. Stellen Sie sich einen Beobachter in Bremen vor, der aus der Ferne ein Objekt in Wien beobachtet. Bewegt sich dieses Objekt um die Breite eines menschlichen Haares zur Seite, dann ändert sich seine scheinbare Position um 27 Millionstel einer Bogensekunde."

Überraschung

Die Verteilung der Sterngeschwindigkeiten überraschte die Forscher. Folgt man weithin akzeptierten Modellen, die mit den Beobachtungen an älteren Kugelsternhaufen gut übereinstimmen, dann sollte die Geschwindigkeit der Sterne in Haufen wie demjenigen in NGC 3603 mit ihrer Masse zusammenhängen: Im Mittel sollten sich Sterne mit geringerer Masse schneller, solche mit größerer Masse langsamer bewegen. Die Sterne des Haufens, für die sich die Geschwindigkeiten hinreichend genau bestimmen ließen, haben Massen zwischen 2 und 9 Sonnenmassen. Doch ihre mittlere Geschwindigkeit hängt nicht von der Masse ab, sondern beträgt durchweg rund 4,5 Kilometer pro Sekunde, also 16.200 Km/h.

Offenbar hat sich in diesem massereichen Sternhaufen noch kein Gleichgewicht eingestellt. Stattdessen dürften die Sterngeschwindigkeiten nach wie vor maßgeblich von den Bedigungen geprägt sein, die bei der Entstehung des Haufens herrschten, vor rund einer Million Jahren.

Die Frage, ob der massereiche junge Sternhaufen in NGC 3603 zu einem Kugelsternhaufen werden wird, bleibt daher offen. Den neuen Ergebnissen nach hängt die Antwort davon ab, welche Geschwindigkeiten die Haufensterne haben, deren Massen besonders klein sind. Diese Sterne sind zu leuchtschwach, als dass sich ihre Geschwindigkeiten mit Hilfe des Hubble-Weltraumteleskops genau genug messen ließen. Wolfgang Brandner erklärt: "Um herauszufinden, ob die Sterne dieses Haufens mit der Zeit auseinanderlaufen werden oder nicht, sind wir auf die nächste Generation von Teleskopen angewiesen, etwa das James Webb Space Telescope (JWST), oder das European Extremely Large Telescope (E-ELT) der ESO." (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 98
1 2 3
Wieviel Demokratie ist es bitte?
05.06.2010 22:59
Usain Bolt

und Michael Schumacher schreiben gerade Abschiedsbriefe - je eine geladene Puffn liegt auf ihren Schreibtischen.

kalinka karechta
05.06.2010 09:36
Blödsinn

Da sich das Universum bekanntlich mit 16.200 km/h durch das Nichts bewegt, stehen diese Sterne in Wirklichkeit still!

Andreas Schmidt
05.06.2010 01:41
Den Wappler überrascht stete seine Nina

Es wird noch viele Überraschungen geben

Raubkopierer
06.06.2010 12:38

was soll das denn nun bitte heißen??

Onkel Tom´s Hütte
06.06.2010 14:40

Diese Frage stellen sich wohl alle - inkl. Andreas Schmidt.... Letzterer findet es halt offenbar immer noch originell, ständig was Sinnbefreites zu posten (sonst würde er peinlich berührt schweigen).

Beati pauperes spiritu....

Beati pauperes spiritu
08.06.2010 20:19
Ja, bitte, was ist mit mir? ;)

her wig
04.06.2010 19:06
In Wirklichkeit stehen diese Sterne still,

nur der Rest des Universums bewegt sich weiter.

schwarze löcher nicht nur im weltraum
04.06.2010 19:05
pha...

gabs ja schon bei raumschiff enterprise...

liebe nasa, öfters orf1 schauen, dann seits am laufenden.

Pannonia Jack
04.06.2010 20:30

Wann gab's zum letzten Mal "Raumschiff Enterprise" auf dem ORF?

gärtner
05.06.2010 00:34

in den 90ern.

F S 3
04.06.2010 17:00
Die überkommene Phantasie, daß "Geschwindigkeiten von Sternen von ihrer Masse abhängen" sollen, ist ja auch bereits bei der Drehung von Galaxien widerlegt worden…

…Die Gravatition ist im All nur eine sekundäre Kraft, da die EM-Kraft…

- weiter wirkt,…

- nur reziprok zu ihrer Enfernung abnimmt (und nicht m.d.Quadrat, wie G)…

- und deshalb DIE maßgebliche Kraft bei Drehung, Inertial-Impuls und Masseakkretion ist. Die Schwerkraft kommt erst viel später zum Tragen, und ist dort - wo extremere Potentialunterschiede im Plasma des Alls auftreten - vernachlässigbar.

Alleine die Phantasie-Konstrukte von DM und DE halten noch das angeblich gravitationell-bestimmte Weltbild am Leben, während krampfhaft versucht wird, die EM-Kraft mittels Pseudoerklärungen wie etwa "Quasineutralität" wegzudiskutieren.



All jene, die diesem Glauben nachhängen, haben offenbar noch nie REALES Plasma im Labor beobachtet.

faaaaad
06.06.2010 13:15
LOL

I kenn mi zwoa net aus oba lustig is es trotzdem

Hercules
05.06.2010 18:47
Also ich gebe ihnen - fast - recht.

Sicher ist, dass el. Ladungen bzw. deren Ausgleich in "geschlossenen" Systemen wie zB. Sonne-Planet oder Planet - Planet u.U. eine große Kraft darstellen. Dies zeigt sich ja auch in den Auswirkungen des solaren Windes, der bis weit über die Grenzen unseres Sonnensystems aktiv ist.

Allerdings gibt es in All - in Summe - weit stärkere Kräfte als den Elektromagnetismus.
Als Nummer 1 ist sicher das Vakuum zu werten.
Nr. 2 ist die Gravitation, wobei zu bedenken ist, dass ALLES was Energie ist, auch Masse ist!
Wenn sie also starke Ströme postulieren, tragen auch diese zur Gravitation bei.

Es verhält sich also so, dass wir in einem durch Vakuum in der Expansion beschleunigten Universum sitzen - mit oder ohne Strom.

bluebeard's 8th wife.
07.06.2010 09:05

die strategie der paradoxen zustimmung ist, finde ich, immer noch die wirksamste gegen selbst ernannte experten.

yomellamo
06.06.2010 00:23

:))

ich finds witzig: Sie beginnen mit "ich gebe ihnen fast recht" und dann widersprechen sie FS3 vollkommen in all einen überzeugungen ...

.. sind sie ein politiker?

kawaii noir
05.06.2010 12:18

(Ernstgemeinte) Frage:
Wenn 2 Kupferkugeln mit 10mm Durchmesser 10mm voneinander im Weltraum (weit weg von Planeten) positioniert werden kollidieren die nach "herkömmlicher" Physik (ist übrigens interessant Leute schätzen zu lassen wie schnell - da kriegt man Antworten von 5 Sek bis 40Mio Jahren).

- Was passiert mit den Kugeln im elektrischen Universum wenn die Gravitation nur eine vernachlässigbare Kraft ist?

Hercules
06.06.2010 23:59
Für alle, die weiterrechnen wollen...

...die Anziehungskraft der beiden Kugeln beträgt 6,2325 x 10^-9 N ;-)

Viel Spass!

yomellamo
06.06.2010 00:38

die frage war wohl kaum ernst gemeint, denn zwei kupferkugeln mit je 10 mm durchmesser stossen ja bereits zusammen wenn sie 10 mm voneinander entfernt sind (von den mittelpunkten aus gemessen).
--> also die antwort ist 0 sekunden.

kawaii noir
06.06.2010 14:28
:)

Gemeint ist die "kürzeste Verbindungslinie der beiden Gegenstände im Sinne der Länge der Strecke, die durch die beiden einander nächstliegenden Punkte der beiden Gegenstände begrenzt wird".
(Danke Wikipedia)

F S 3
06.06.2010 15:42
Kaum zu beantworten, da wesentliche Faktoren fehlen. Hängt von der jeweiligen elektromagnetischen Umgebung ab…

…FS3-LESTIPPS dazu:

"Physics of charged dust particles in a plasma"
http://narn.physics.auburn.edu/research/... float.html


http://www.ieap.uni-kiel.de/plasma/ag... x_dlr.html

http://www.mpe.mpg.de/theory/pl... dex_e.html

Leider sind alle älteren NASA/MSFC-Links aus 2000/2001 zu staubigem, dünnem Plasma-samt den entsprechenden Experimenten geändert worden. Auf der ISS u.i.d.Shuttle-Missionen erzeugte man schöne kettenförmige Kugelakkretionen v.Staubteilchen in Mikrogravitation.

Und last but not least eine interessante Frage: Könnte Plasma die Grundlage für Leben sein?
http://www.eurekalert.org/pub_relea... 081007.php

Hercules
05.06.2010 19:04
Die Frage ist:...

...sind sie nur weit weg von "irgendwas" oder sind sie allein im Universum?

Bei Zweiteren besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Expansion des Raums sie schneller voneinander entfernt als die Gravitation sie zueinander führt.

Für die Gravitation ist es übrigens unerheblich, ob sie aus Kupfer oder aus in Gold gepressten Latinum bestehen.

Bei den Kupferkugeln ist es wiederum interessant, ob sie eine Ladung besitzen (wahrscheinlich schon, wenn sie sich in der "Nähe" einer Sonne befinden) - dann schlägt wieder das EL-Universum" zu!

Die "Frage" ist also so leicht nicht zu beantworten....

kawaii noir
06.06.2010 14:21

...weit weg von anderen massereichen Körpern.
Das Material der Kugeln hat sehr wohl Einfluss (Masse) und die Expansion kann man die nächsten paar Milliarden Jahre ausser acht lassen.
Ohne FS3-Universum sind es jedenfalls nur um die 30 Minuten.
Formeln und Erklärung sind hier auf Seite 3 oder 4: http://tinyurl.com/36v5o2t

Hercules
07.06.2010 00:27
Ich hatte die Frage absichtlich gestellt.

Nach Mach und Einstein ist es sehr wohl wichtig, ob ansonsten Masse vorhanden ist oder der Raum ansonsten leer ist.

Da die Expansionsrate des Raums von der in ihm enthaltenen Masse abhängig ist. Würde das ganze Universum nur mit 2 Cu-Kugeln "erfüllt" sein, würde der Raum mit zigfacher Lichtgeschwindigkeit expandieren und die beiden Kugeln sich niemals treffen.

Ihr Hinweis auf die Diskussion ist imho nicht zielführend, da auf Newtonscher Mechanik aufgebaut und daher per se falsch.

In einer pseudo-riemanschen Mannigfaltigkeit wird die Gravitation innerhalb der Minkowski Metrik berechnet. Die Anhäufung von derart "viel" Materie in einem ansonsten leeren Raum krümmt v.g. derart, dass eine einfache Berechnung ala Newton ad hoc unmöglich ist.

kawaii noir
07.06.2010 15:08

aber... falsch doch nur in dem Sinne dass die 19.Stelle hinterm Komma nicht mehr stimmt, oder? Welche relativistischen Effekte hätten hier einen nennenswerten Einfluss?

Dass die Frage nach sonstiger Masse im Universum relevant war versteh ich, die ist auch beantwortet.

Hercules
09.06.2010 12:50
Sorry, ....

...natürlich die Hälfte, da 2 Kugeln.
Also 1790,5 s oder 29,84 Min.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 98
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.