Großkundgebung in Teheran zum Gedenken an Ayatollah Khomeini

4. Juni 2010, 13:17
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Ahmadinejad beansprucht Erbe des Republikgründers für sich

Teheran - Mit einer Großkundgebung in Teheran hat der Iran am Freitag des Todes des Gründers der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini, vor 21 Jahren gedacht. In einer Rede vor Khomeinis Mausoleum im Süden der Hauptstadt sagte Staatschef Mahmoud Ahmadinejad, nur er und seine Regierung führten den Willen Khomeinis fort. Es sei befremdlich zu sehen, dass sich auch die Anhänger der Monarchie, des Westens und der Volksmujaheddin auf Khomeini beriefen. Erst am Vortag hatte Oppositionführer Mehdi Karroubi diesen Alleinvertretungsanspruch der Regierung deutlich kritisiert.

Die Rede zum Todestag des Republikgründers nutzte der iranische Präsident ferner, um Israel erneut öffentlich anzugreifen. "Den zionistischen Anführern sage ich: 60 Jahre Gräuel sind genug. Jede weitere Aggression wird den sicheren Tod des zionistischen Regimes zur Folge haben", sagte Ahmadinejad vier Tage nachdem Israel eine Hilfslieferung für den Gazastreifen gewaltsam gestoppt hatte. Seit der Machtübernahme der vom Iran unterstützten radikalislamischen Hamas im Gazastreifen 2007 hat Israel das Palästinensergebiet weitgehend abgeriegelt.

Ahmadinejad hob die Rolle Khomeinis in der Revolution hervor. Khomeini habe nie dem politischen Druck imperialistischer Kräfte nachgegeben. "Der Imam (Khomeini) hat eine neue Bewegung gestartet, die weitergehen wird, bis sie globalisiert ist", sagte Ahmadinejad. Ajatollah Khomeini war die treibende Kraft hinter der Islamischen Revolution 1979 im Iran, durch die der Schah gestürzt wurde.

Rund 50.000 Busse waren im Einsatz, um die Teilnehmer der Großkundgebung nach Teheran zu bringen. Insgesamt wurden zwei Millionen Menschen aus allen Landesteilen erwartet. Diese Mobilisierung von Anhängern der islamischen Führung findet eine Woche vor dem ersten Jahrestag der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinejads am 12. Juni 2009 statt, die wochenlange Proteste der Opposition ausgelöst hatte. An dem Jahrestag wollen Regierungsgegner erneut demonstrieren.

Der Enkel Khomeinis, Hassan Khomeini, der bei der Präsidentschaftswahl Oppositionskandidat Mir-Hossein Moussavi nahestand, wurde bei dem Versuch, vor dem Mausoleum seines Großvaters eine Rede zu halten, von Anhängern der Regierung immer wieder unterbrochen. Unter den Rufen der Menge musste er seine Bemühungen schließlich aufgeben, wie Bilder des staatlichen Fernsehens zeigten.

Dem unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Karroubi war bereits am Donnerstagabend ein Besuch des Khomeini-Mausoleums von Anhängern Ahmadinejads verweigert worden. Laut der Nachrichtenagentur FARS wurde Karroubi vor dem Gebäude beschimpft und musste unter dem Schutz seiner Leibwächter das Gelände wieder verlassen. (APA/AFP/dpa)

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