Mit Atombombe Leck schließen

4. Juni 2010, 17:44
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Brachialmethoden gegen Ölaustritte made in Russia

Wien – Die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko reiht sich ein in eine lange Serie von Unfällen. Sie hat das Zeug, zu einer der größten Havarien zu werden, die je im Zusammenhang mit der Suche nach Öl passiert sind. Obwohl die genaue Menge an schmieriger Flüssigkeit, die ausgetreten ist, wahrscheinlich nie bekannt wird. 

"In Mutter Natur ist ein Loch geschlagen worden; keiner weiß exakt, wie groß der Durchmesser ist und der Druck, mit dem das Ölgemisch aus dem Loch herausschießt", sagte Gerald Grohmann, Chef der auf Spezialgestänge für Ölbohrunternehmen spezialisierten Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) dem STANDARD.

Aus Russland kommt indes ein unkonventioneller Vorschlag, wie das Bohrloch geschlossen werden könnte: durch Zünden einer Atombombe auf dem Boden des Meeres, wie die Zeitung "Komsomoloskaya Pravda" kürzlich schrieb. 

Die Russen haben damit Erfahrung; mindestens fünfmal wurden in der Zeit der Sowjetunion unterirdisch gezielt Nuklearsprengköpfe zur Explosion gebracht, um Öl- oder Gasquellen zu schließen. Durch die Explosion und den ausgelösten ungeheuren Druck werde das Gestein so verschoben, dass das Ölbohrloch verschlossen wird. 1966 sei dies mit einem 30 Kilotonnen schweren Sprengkopf sechs Kilometer unter der Erdoberfläche gemacht worden. Das letzte Mal sei 1979 eine Ölquelle mit einer nuklearen Sprengung geschlossen worden. Gescheitert sei man damit nur einmal. 

Für die USA wäre eine solche Sprengung zumindest eine Chance, schreibt die Zeitung. Die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns liege bei nur 20 Prozent. Allerdings haben auch die Russen noch nie eine nukleare Sprengung 1500 Meter unter dem Meeresspiegel durchgeführt. 

Die russischen Lecks werden meist gar nicht bekannt. Die "Moscow Times" berichtete, es gebe zwar relativ wenige Bohrinseln, aber jede Mengen alter Pipelines als Gefahrenquelle. Dort würden bis zu 30.000 Lecks pro Jahr entstehen, die aber meist klein seien und auch nicht mit einer Atombombe geschlossen werden müssten.

Die größten Mengen Öl gehen in der Tat bei Tankerunfällen verloren oder versickern aufgrund von Rissen in spröde gewordenen Pipelines. Zu den größten Unfällen zählten bisher die Havarie der "Amoco Cadiz", die 1978 vor der nordwestfranzösischen Küste auf Grund lief und 223.000 Tonnen Öl verlor. Die "Exxon Valdez" havarierte 1989 im Prinz-William-Sund vor Alaska. 41.000 Tonnen Öl verschmutzten ein Naturschutzgebiet vor der Küste. 2002 geriet ein auf den Bahamas registrierter Tanker in Seenot. Die "Prestige", die 77.000 Liter Öl geladen hatte, brach entzwei. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.6.2010)

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