Die stille Welt am Kamp ist friedensreich

    4. Juni 2010, 16:57
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    Eine Runde von Zwettl durch das Kamptal und fast mühelos über die Schwarzalm

    Nur wenige Minuten von der geschäftigen Bezirksstadt Zwettl, der flächenmäßig größten Gemeinde des Waldviertels, entfernt glaubt sich der Wanderer in eine andere Welt versetzt; in eine Umgebung voll romantischen Waldes mit dunklen, mystisch anmutenden Granitfelsen, durchflossen von einem Gewässer, das ständig seinen Charakter ändert.

    Oberhalb der Wehranlagen scheint der Kamp mit seiner glatten Oberfläche nur ein Spiegel für die umliegende Natur zu sein, dann wieder präsentiert er sich als murmelnder, harmloser Bach um gleich darauf mit hörbarem Rauschen, als wollte er sich gegen die Hindernisse auflehnen, zwischen riesigen Steinbrocken in seinem Bett dahinzuschießen.

    Der Hofschauspieler Johann Anton Friederich Reil (1773-1843) war der Erste, der das durch Eisenerz bräunlich getönte Wasser des Kamps als "flüssigen Bernstein" bezeichnete, die Färbung hat allerdings nichts mit Verschmutzung zu tun. Das Vorkommen von Eisvogel und Flussperlmuschel, die gegen ökologische Belastungen sehr empfindlich sind, bestätigen die Qualität des Wassers. Auch Flusskrebs, Fischotter und Schwarzstorch sind in der Region anzutreffen, jedoch nur sehr selten zu beobachten.

    Etwa in der Mitte zwischen Zwettl und der Utissenbachmühle führt die Route an einem kleinen Kraftwerk vorbei, das 1898 erbaut wurde und als das älteste Drehstrom-Kraftwerk Österreichs gilt. Nach einem rund hundertjährigen Betrieb hat man die Anlage revitalisiert und modernisiert.

    Der Hohe Stein, ein aus dem Wald herausragender Granitmugel, kann auf einem unschwierigen Klettersteig mit eisernen Klammern leicht erstiegen werden, Voraussetzung ist nur Trittsicherheit.

    Die Runde ist mit guter roter Markierung versehen, zudem wird sie vom lokalen Fremdenverkehr als Hundertwasser-Weg propagiert.

    Der Weg weist keinerlei Schwierigkeiten auf, selbst die Anstiege verlangen keine besonderen Kraftanstrengungen.

    Die Route: Von der Kampbrücke in Zwettl (rote Markierung und gelbe Schilder "Hundertwasser 55" ) geht es am linken (westlichen) Ufer des Flusses - vorbei an der Bründlkapelle - aufwärts, später wechselt man ans rechte Ufer, um über die Franz-Josephs-Rast und das Kraftwerk zur Gschwendtmühle zu gelangen. Gehzeit 1 1/4 Stunden.

    Weiter auf dem Uferweg, später quert man wieder den Fluss und muss nun ein Stück auf der wenig befahrenen Straße über die Schwarzmühle zur Utissenbachmühle. Gehzeit ab Gschwendtmühle eine Dreiviertelstunde.

    Auf unbefestigten Wegen gelangt man wieder ans rechte Ufer, es folgt der kurze Anstieg zum Hohen Stein. Ab Utissenbachmühle eine halbe Stunde.

    Ein kurzes Stück zurück und weiter auf der roten Markierung, die zur kleinen Weißenbachklamm führt. Langsam erreicht man die Hochfläche und wandert gemütlich zur Schwarzalm. Gehzeit ab Hohem Stein zwei Stunden.

    Ein kurzer steiler Abstieg führt zum Bade- und Löschteich, dort wechselt man auf die rechte Grabenseite, um weiter zum Kraftwerk abzusteigen. Auf bekannter Route kehrt man dann zum Ausgangspunkt Zwettl zurück. Gehzeit ab Schwarzalm eine Stunde. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/05.06.2010)

    Gesamtgehzeit 5 1/2 Stunden, Höhenunterschied rund 350 Meter. Hotel-Restaurant Schwarzalm (kein Ruhetag). ÖK25V Blatt 4316-West (Rappottenstein), Maßstab 1:25.000; Karte "Wandern im Herzen des Waldviertels" , Maßstab 1:40.000.

    Informationen: Kamptal

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      foto: kamptal.at
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