Pro und Contra Pille

8. Juni 2010, 07:00
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Eine fast hundertprozentig sichere Lösung - Oder: Sexuelle Befreiung und Sicherheit sind was anderes

+++Pro

Ich war sechzehn, süße sechzehn und zum ersten Mal richtig verliebt. In jener Art verliebt, die möglicherweise nur ein einziges Mal im Leben stattfindet. Ein absoluter Ausnahmezustand, ein Schweben und Fliegen und Flattern in der festen Überzeugung, sterben zu können. Auf der Stelle sterben zu können oder sogar zu müssen, weil da dieses Liebesgefühl über allem gestanden ist. Und da ich dachte, ohne IHN unmöglich sein zu können, wollte ich ihm so nahe wie nur möglich sein, mich verschlingen mit seinen Häuten.

Wir experimentierten, zuerst mit Vaginalzäpfchen, dann mit Kondom. Die Zäpfchen schäumten tagelang und juckten, die Kondome rutschten vom Penis und manchmal platzten sie. Mit achtzehn war ich schwanger. Von ihm. Die Matura stand vor der Tür und mein geplantes Studium. Mutterschaft kam nicht in Frage, damals nicht.

Als ich den Abbruch hinter mir hatte, wusste ich: so geht es nicht weiter und ließ mir die Pille verschreiben. Die nächsten eineinhalb Jahrzehnte war das DIE Lösung. Vor und nach meinem Kind, später nicht mehr. Später wollte ich meinem Körper künstliche Hormone nicht mehr zumuten. Aber damals war das genau richtig, weil absolut sicher oder zumindest beinahe. Ich würde es wieder tun. Wenn ich so jung wäre, würde ich die Pille schlucken. (roh)

Contra---

Ich hab sie natürlich auch geschluckt. Mit siebzehn, ein paar Monate lang. Das hat mir gereicht. Aufgeblasen bin ich mir vorgekommen, dauerschwanger, und ohne Gummi konnte und wollte ich trotzdem nicht. Mein Sicherheitsbedürfnis in Sachen Sex war nicht nur darauf beschränkt, nur ja nicht schwanger zu werden – was einfangen wollte ich mir halt auch nicht.

Seitdem lebe ich mittlerweile über ein Jahrzehnt ohne Pille. Für mich ist das die Befreiung. Dass gerade der Pille zugeschrieben wird, sie befreie die Frauen sexuell, finde ich seltsam. Da schieb' ich mir als gesunder Mensch täglich ein Medikament in den Rachen, das mich depressiv, aufgedunsen, thromboseanfällig und vor allem sexuell unlustig macht – dafür zahl' ich auch noch? Und wenn ich zwar jederzeit könnte, aber nie will – da hebelt der Zweck den Sinn doch völlig aus!

Und außerdem: Mag ja sein, dass Teenager nicht Frau genug sind, in einer Beziehung/mit einer sexuellen Bekanntschaft Tacheles zu reden oder es in die Hand zu nehmen, den Gummi und den dafür bestimmten Körperteil – und leise dann die Pille schlucken, zwecks weniger Umständ'. Aber: Fehlt's schon daran, fehlt's an Selbstbewusstein, fehlt's an Reife. Und gutem Sex, vor allem auf der weiblichen Seite.

Gummi-Übungen und den Körper so funktionieren lassen, wie er nun Mal funktioniert, ihn und seinen den Zyklus dabei kennenzulernen, sind alle Mal besser als die Pillenschluckerei, die eine letztlich auch nicht schützt vor schlimmeren Dingen als einer befruchteten Eizelle: HIV zum Beispiel. (mag/dieStandard.at, 8.6.2010)

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    Als Befreiung der Frau gefeiert oder als "Teufelswerk" geschmäht - vor 50 Jahren wurde in den USA die erste Antibabypille zugelassen. Im Bild: Eine Frau mit einem Antibabypillen-Spender mit Wochentagsanzeige aus dem Jahr 1974.

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