Hufschmiedin im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

6. Juni 2010, 10:30
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In der Salzburger Heimat wurde Carolina Haus Berufswunsch nicht ernst genommen: In Kansas lebt sie seit 24 Jahren ihren Traumberuf

Salzburg - Hufe raspeln, ausschneiden und beschlagen: Für die Pediküre ihrer 220 Klienten tourt Carolina Hau (43) jährlich 45.000 Kilometer kreuz und quer durch Kansas. Ein Traum wurde für die Salzburgerin Wirklichkeit, als sie mit 19 Jahren in die USA auswanderte und die "Oklahoma Horseshoeing School" absolvierte. Seit 24 Jahren übt sie nun schon den für Europäerinnen ungewöhnlichen Beruf einer Hufschmiedin aus. Wegen ihrer einfühlsamen Arbeitsweise wird sie häufig von Pferdebesitzerinnen gebucht.

Bauchmuskeltraining gegen Tritte

Gleich nach ihrer Ankunft in der alten Heimat in Salzburg-Aigen radelte die passionierte Westernreiterin zum nächsten Lebensmittelgeschäft und kaufte sich eine Leberkäsesemmel, die es "drüben ja nicht gibt". Der erste Biss nach achtjähriger Abstinenz war ein großer Genuss. "Die Leute klatschten mir zu", erzählte sie. Angst wegen zu vieler Kalorien hat die kleine, durchtrainierte Frau nicht. Nach dem zweiwöchigen Urlaub braucht sie wieder Kraft zum Beschlagen. "Ich mache täglich Situps, um meine Bauchmuskeln zu trainieren. Sie schützen mich vor Verletzungen - wenn ein Pferd gegen den Unterleib tritt."

Geschätzte Geduld

Ihren Job empfindet sie "schon als sehr anstrengend". Dass die körperliche Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter nachlässt, merkt sie bereits. "Voriges Jahr war der Rekord 15 Pferde am Tag, jetzt sind es fünf." Dafür bringt sie für schwierige Pferde viel Geduld auf - was deren "Mütter", wie Hau die Pferdebesitzerinnen nennt, sehr schätzen. Diese Geduld und Nervenstärke unterscheide sie auch von den männlichen Kollegen. "Ich habe einen anderen Zugang zu Pferden."

Verhätschelte Vierbeiner

In Kansas gebe es genug Frauen, die Pferde, Zwergponys und Eseln im Garten halten. Beinah 60 Prozent ihrer Arbeitszeit wendet sie für die fachkundige Beratung der Tierliebhaberinnen auf. Denn deren "Gartenornamente" würden häufig unter falscher Ernährung, Bewegungsmangel, Hufkrankheiten und Fehlstellungen leiden. Viele Vierbeiner "sind verhätschelt und verzogen." Manche lassen nur Frauen an sich heran, weil sie durch die brutale Arbeitsweise eines Hufschmiedes traumatisiert worden sind.

Zweites Standbein

Ihren KundInnenstamm wird die 43-Jährige jetzt auf 150 reduzieren. Wegen der Anstrengung und der Verletzungsgefahr werfen HufschmiedInnen in Amerika im Schnitt schon "nach fünf bis sieben Arbeitsjahren" das Handtuch, erzählte sie. Vor kurzem begann die Hufschmiedin ein Studium zur Umweltberaterin an der "Washburn-University" in Topeka. Nach ihrem Abschluss will sie mit ihrem Ehemann "Stoney" - ein exzellenter Reiter, der früher auf der Ranch von Schauspieler John Wayne gearbeitet hat - nach Colorado oder New Mexiko ziehen und dort als Konsulentin ihr Geld verdienen.

Mut machen, Träume zu leben

Hau maturierte 1984 am Bundesgymnasium II in Salzburg-Lehen (jetzt "Christian-Doppler-Gymnasium", Anm.). In der Heimat wurde ihr Berufswunsch nicht ernst genommen. Jetzt ist die Besitzerin von fünf Pferden und zwei Hunden stolz, dass sie es geschafft hat. Sie möchte anderen Mut machen, ihre Träume zu verwirklichen. In Salzburg gibt es 17 HufschmiedInnen, davon mittlerweile eine Frau. (APA)

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    Ihren Job empfindet Carolina Hau "schon als sehr anstrengend". Dafür bringt sie für schwierige Pferde viel Geduld auf - was deren "Mütter", wie Hau die Pferdebesitzerinnen nennt, sehr schätzen.

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