Diskussionsreihe "Kultur?"

"Kunst muss möglich sein"

Isabel Russ, 4. Juni 2010, 12:06
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    Moderation führten Rosa Winkler-Hermaden (derStandard.at) und Caroline Krupp (IG Kultur Wien, Vorstand).

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    Franz Ferdinand Wolf beantwortete im Rahmen der Diskussionreihe Kultur? Fragen.

Wiener ÖVP-Kultursprecher Wolf über mangelnde Transparenz bei Subventionsvergabe und warum Kulturpolitik nicht mehr mehrheitstauglich sei

Wenn die ÖVP Gestaltungsmöglichkeiten hätte, dann würde sie sich viel mehr der Förderung von Kunst und Kultur widmen, so ÖVP-Kultursprecher Franz Ferdinand Wolf. Am Mittwoch stellte sich Wolf Fragen zur Wiener Kulturpolitik im Depot unter der Moderation von Rosa Winkler-Hermaden (derStandard.at) und Caroline Krupp (IG Kultur Wien, Vorstand).

Bereits am Anfang der Diskussionsrunde macht Wolf darauf aufmerksam, dass er den Begriff 'Investition‘ gegenüber 'Subvention‘ bevorzugt. "Kunst muss möglich sein", so Wolf. Und auch wenn er nicht glaubt, so wie er sagt, dass eine Statue am Karlsplatz gegen das dortige Drogenproblem helfen wird, so hält er Kunst trotzdem für eine für alle lebensbereichernde Anschaffung.

Kritik am amtierenden Kulturstadtrat

Auf die Frage hin, welchen Vorwurf er dem Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) machen kann, antwortet Wolf zuerst zögerlich, dass Mailath-Pokorny mehr verwalte als gestalte. Dann aber weist er noch darauf hin, dass der Kulturstadtrat einen großen Erklärungszwang gegenüber der SPÖ habe, wohl wegen seiner bürgerlichen Herkunft, so Wolf.

Ein wichtiger Punkt, der laut Wolf von den Zuständigen nicht stark genug beachtet wird, ist die Digitalisierung. Diese sei in unserem Jahrhundert essentiell für den Künstler, um an die Öffentlichkeit zu kommen. Er "kenne keinen Künstler, der nicht an die Öffentlichkeit will", fügt er hinzu.

"In einigen Punkten durchaus neue Akzente setzen"

Ein großer Kritikpunkt an der SPÖ ist für den ÖVP-Kultursprecher die Intransparenz der Budgetvergabe. Ein Teil der Anträge würde schon bei den zuständigen Gremien landen, ein großer Anteil würde aber gleich von Beamten abgeschmettert; man habe kein Geld. Es sei doch nicht möglich, dass bereits am 15. Jänner das Budget vergeben sei, so Wolf. Er glaubt, dass es sich dabei um widmungswidrige Vergabe handelt.

Wolf würde "in einigen Punkten durchaus neue Akzente setzen" und nimmt als Beispiel die Wiener Symphoniker. Sie bräuchten jedes Jahr noch mehr Geld und anstatt die Organisation zu verändern - als Vorschlag bringt er die Zusammenlegung des Managements des Radio-Symphonieorchesters Wien und der Wiener Symphoniker - würde man ihnen noch mehr Subvention geben.

Einen weiterer Problemaspekt für Wolf ist die Rentabilität von großen Häusern, wie beispielweise der Vereinigten Bühnen Wien. Diese großen Häuser sind, so der ÖVP-Kultursprecher, "schweinsteuer" und es sei fraglich, ob man die knappen Mittel wirklich dafür verwenden sollte. Obwohl er die Neue Oper Wien nicht antasten möchte, kritisiert er das Ronacher. Überall auf der Welt wären Musicals gewinneinbringend, "warum Musical hier (Anm.: in Wien) subventioniert wird, konnte mir noch niemand erklären".

"Wir brauchen nicht mehr Bürokratie"

Um der widmungswidrigen Budgetvergabe entgegen zu wirken, braucht es laut Wolf nur drei Aspekte: eine höhere Transparenz, eine bessere Evaluierung der Projekte und eine begleitende Kontrolle, die sicher geht, dass die Mittel auch richtig verwendet werden.

"Das schönste wäre, wenn man mechanische Kriterien dafür schaffen könnte". Wolf ist zwar klar, dass das nicht geht, er würde aber gerne mehr Objektivität bei der Auswahl der Projekte sehen. Niemand sollte inhaltlich Stellung beziehen bzw. seinen eigenen Kunstgeschmack einfließen lassen. Eine Möglichkeit für Objektivität sieht Wolf in Wettbewerben, ähnlich wie Architektur-Ausschreibungen: Ein Thema solle ausgewählt werden und Künstler dann Beiträge dazu liefern. Ein Herr aus dem Publikum kritisierte dann, ob man Kunst und Bauwesen wirklich so vergleichen könne, worauf Wolf nicht viel zu antworten wusste.

Konzept für autonome Kunst

Um autonomen Künstler Freiflächen zu bieten, würde Wolf gerne leer stehende Verkaufsflächen als Ausstellungsflächen nutzen. Wenn das Flächen im Stadt-Besitz wären, wäre das laut Wolf "wirklich leicht". Er sieht auch die Möglichkeit eines Fonds, um privaten Eigentümern eine kleine Entschädigung für die Vermietung zu geben.

Kunst und Kultur in der Gesellschaft

 Festgeschriebe Kulturförderungen, so wie in anderen Bundesländern, sieht der ÖVP-Kultursprecher eher schwierig. Denn man spare an Kultur immer als erstes, deswegen sei der gleiche Betrag nicht dauerhaft einzuhalten.

Warum bei den 15 Themenschwerpunkten auf der ÖVP-Homepage eigentlich die Kultur nicht dabei wäre, fragte eine der Moderatorinnen, Caroline Krupp. Darauf entgegnete Wolf, dass Kunst und Kultur in der heutigen Gesellschaft nicht mehr mehrheitstauglich sei - was im Publikum auf breite Ablehnung stieß. Auch wenn Kunst sehr wichtig sei, so sei sie trotzdem nicht mehrheitsfähig, blieb Wolf jedoch bei seiner Ansicht.

Die Frage, wen er gerne in der Position des nächsten Kulturstadtrats hätte, antwortete Franz Ferdinand Wolf mit einem vagen "mir ist jeder recht, der etwas weiterbringt". Klar ist ihm aber: "Der nächste Kulturstadtrat hat bestimmt viel zu tun."

Die Diskussionrunde mit dem ÖVP-Kultursprecher fand im Rahmen der "Diskussionsreihe Kultur?" der IG Kultur Wien statt. Die nächsten Termine sind am 08. Juni, Ernst Woller von der SPÖ, und am 14. Juni, Marco Schreuder (Die Grünen).

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17 Postings
A.B. Artig
 
10

Haben die kein weiteres Programm,als alles SPÖ-geführte mal als Scheixsse hinzustellen und sich über Dinge aufzuregen, die sie vermutlich noch übler gestalten würden? Null Konzept aber volle Kanonade...

systemfehler1
10
Unerträglich larmoyantes Gewäsch

eines pathologisch sich selbst Bedauernden.

Fritz Meyer
11
Die Schwarzen sind leider immer nur auf's Geld fixiert.


Deshalb wird's auch nie was mit dem "Kunstverständnis" in den Gremien, solange es sich nicht in materiellen Werten - Euro und Cent - ausdrücken lässt.

Dummerweise sind Kunst und Kultur genauso "vage" monetär definierbar wie z.B. das Gemeinwohl.

Und darum hat die ÖVP (und andere Konserven) damit auch genauso ein Problem.

Fritz Meyer.

Weltenbürger Demosthenes
01
Erbärmlich

F. F. Wolf war einst ein erträglicher KURIER-Chef, rechtsliberal, ÖVP-affin und von Kultur völlig unbeleckt. Er hat in der Josefstadt Sonntags-Vormittag-Matineen moderiert, das war es auch schon.

Dass dieser Typ ÖVP-Gemeinderat und deren Kultursprecher wurde, das ist siginfikant für das kleinbürgerlich-inkompetente Kultur(un)verständnis der Wiener Stadtschwarzen.

Dabei hätten sie den schwächst-denkbaren roten Kulturstadtrat als Gegenspieler, bürokratisch, ungelenk, ideenlos und erbarmungswürdig in seiner Ahnungslosigkeit.

Dass Wolf bei Mailath nur dessen keinadelige Familienhistorie als Schwäche innert der SPÖ anführt, das ist in seiner Hilflosigkeit schon bizarr.

Eine Tragödie: Wiens Kultur ist auf den Mailath und den Wolf gekommen.

Keine Ahnung
00
nicht dass ich Fan wäre,

aber im Vergleich zur Pasterk ist mir Herr Mailath-P, deutlich lieber.

Weltenbürger Demosthenes
00
Benehmen

Mailath kann sich zivil benehmen, das ist richtig.

Das macht aber keinen Kunst-Kultur-Stadtrat aus, das sind Basiswerte der Umweltverträglichkeit.

Queen of Sheba
 
01
Sie vergessen die tragödische Rolle Wolfs beim Privatradio RPN.

cooper the Bloom
 
00
Aber, um eines Klarzustellen:

Die erwiesene Unfähigkeit der ÖVP in Kunstfragen bedeutet nicht, daß es in Wien endlich Politiker und Beamte braucht, die fähig sind, intelligente Projekte umzusetzen und nicht über Jahre zu verschleppen! Wir haben eine langsame, zerstörerische Kulturpolitik, die die heimischen Künstler zermürbt! DAS gehört geändert! Es bewegt sich zu wenig und viel zu langsam! Effizienz!!! Ein schwieriger Begriff für Beamte...

cooper the Bloom
 
01
Wir erinnern uns alle noch mit Schrecken an die Ära Morak!

Eine geist- und kopflose Förderpolitik, eine desaströse Künstlersozialversicherungsregelung, die bis heute nicht repariert ist - und im Augenblick sogar zu einem versicherungslosen Zustand sämtlicher zwangsversicherter Künstler geführt hat! Ein Beispiel mißlungener Politik! Hier wurden die schwarzen Versicherungskonzerne auf Kosten der wehrlosen Künstler gefördert... jetzt solen es eben die Hauseigentümer sein, die von der "Kulturpolitik" profitieren! Außerdem verwechselt dieser herr offenbar das "Theater an der Wien" mit der "Neuen Oper Wien", die eine Freie Gruppe ist... mama mia... Hilfe!

hulkjr
00
ah, danke für die aufklärung

ich hat auch gewundert warum er hier die "neue oper wien" erwähnt...

fipps
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Kunstometer

das wäre ein Messer für qualitativ und quantitativ gute Kunst: Wieviel Knackwürschtel werden mehr verkauft! Alles andere zählt doch nicht.

Es ist erstaunlich, dass hiezulande noch immer nicht alles tot ist was nach Kunst riecht.

4321
00

ihren zugang zu kunst + kultur hat diese partei hinlänglich bewiesen. was nicht modert und verstaubt, gehört weg - wer aufmuckt, dem wird die förderung entzogen. in den bereichen steuern, abgaben, versicherung, totale funkstille. "leerstehende gschäftslokale sollen haus- verwaltungen abgegolten werden?" hurra! die uniqua hat sicher ein angebot fürs inventar. soviel kompetenz auf einmal und das ende absehbar: fh kunst, networking-preisauschreiben der wko inkl. 50 euro jungunternehmer gutschein bei kosten von 10.000,- lass mal ...

hulkjr
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ja, ist wirklich lustig wie er reflexartig

sofort an die abgeltung der hausbesitzer denkt. haha, das zeigt so eindeutig die gesinnung dieses dreckvereins öhfaubeh

shaki1
03
Erlaubent, Schas, sehr heiß!


Bitte nicht!

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01

die idee mit der ausschreibung von themen ist grösste stuss, den ich seit langem gelesen hab. dieses jahr liebe künstler ist das thema "krise". schreibt einen aufsatz darüber und wenn er uns gefällt bekommt ihr geld.
und dass wettbewerbe objektiv sind glaubt auch niemand.
aaaaaaaaaaaaaahhh!

hulkjr
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die ÖVP ist prinzipiell untauglich für Kunstfragen

in einem Punkt muss man Wolfi recht geben: Intransparenz bei Förderungen.
Wettbewerbe als Hausaufgaben sind sinnlos und kontraproduktiv. Ein gutes Kunstwerk reift oft über lange Zeit und braucht einen Geburtshelfer, eine Unterstützung durch ein Stipendium um mal nicht jobben zu müssen oder eine Projektförderung. Viele Dinge sind nicht gut verbalisierbar: Musik, Malerei, Avantgardefilm. Ob ein Antrag gut klingt heisst nicht dass das Werk was wird.
Mit Hausaufgaben von der ÖVP wird auf jeden Fall nichts sinnvolles entstehen. Seltsam dass diese Partei noch kulturferner als andere ist. Man erinnere sich an Morak der meinte: Wer von der Kunst nicht leben kann ist eben kein Künstler. Aber mitmischen wollen sie trotzdem immer wieder.

Hu Ha Jetzt wirds haß
 
01
Kunst ist nicht mehrheitsfähig...

...eine Kapitulationserklärung eines Politikers, der sich für Kunst und Kultur einsetzen sollte. Nona ist jedem vor allem in Zeiten von Wirtschaftskrisen das eigene Hemd näher, doch anhand von Milchmädchenrechnungen - Zusammenlegung von Organisationen und Managements, seltsame Vergleiche etc. - wird keine lebendige Kunst und Kultur wirklich ermöglicht. Aber warum sollte gerade in einer Stadt, die mit Kultur und Musik(theater) auch touristisch wirbt, dieser Aspekt nicht mehrheitsfähig sein, wenn man schlüssige Konzepte vorweisen kann? Man darf nicht vergessen, dass der erweiterte Bereich der sog. "Creative Industries" der drittstärkste Arbeitsgeber aller Wirtschaftsbereiche ist.

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