Eine Frage der Fettverteilung

6. Juni 2010, 09:28
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Leichtes Übergewicht ist manchmal von Vorteil - Fettverteilungsmuster entscheidend

Leipzig - Leichtes Übergewicht kann in bestimmten Situationen von Vorteil sein. Bei schweren Erkrankungen haben diese Patienten höhere Überlebenschancen als weniger beleibte Menschen, wie das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum Adipositas-Erkrankungen Leipzig berichtete. Die Forscher verwiesen auf entsprechende Studien, wonach etwas dickere Menschen auf mehr Reserven zurückgreifen könnten. Allerdings könne man nicht pauschal sagen, dass ein paar Kilo zu viel gar nicht so schlimm seien.

"Es ist vor allem eine Frage der Fettverteilung", erklärte der Leiter der Einrichtung, Mathias Faßhauer. Sitze das Fett am Hintern oder an den Oberschenkeln, sei es wahrscheinlich, dass auch einige Kilos über Normalgewicht keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach sich zögen. Sitze es hingegen am Bauch oder in den Organen, könnten schon wenige Kilos zu erheblichen Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck führen.

Umstrittener BMI

Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes waren 2009 nach dem sogenannten Body-Mass-Index (BMI) 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen in Deutschland zu dick. Zehn Jahre zuvor waren es noch 56 Prozent der männlichen Bevölkerung und 40 Prozent der weiblichen.

Der Index ist unter Experten allerdings umstritten. Faßhauer betonte, er könne ein erster Anhaltspunkt sein. Ein Index über 30 kombiniert mit einem Verhältnis des Taillenumfangs zum Hüftumfang bei Frauen über 0,85 Meter und bei Männern über einem Meter sei ein Warnzeichen. Kämen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Atembeschwerden hinzu, sei dies ein deutlicher Hinweis auf krankhaftes Übergewicht.

Warum die Deutschen immer dicker werden, gibt auch den Forschern weiter Rätsel auf. "Auch wenn wir schon seit einigen Jahren über Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, forschen, stehen wir bei vielen Fragen immer noch am Anfang", erklärte Faßhauer. Es sei klar, dass die Menschen weniger essen und sich mehr bewegen müssten. Warum einige das schaffen und andere nicht, wisse man aber nach wie vor nicht genau. Die Psyche spiele eine große Rolle. Es gebe aber viele mögliche Ursachen. (APA)

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