Orange und Sunrise lassen Fusion in der Schweiz fallen

4. Juni 2010, 09:16
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Nach Nein der Wettbewerbskommission

Nachdem die Telekomunternehmen Orange und Sunrise ihre angestrebte Fusion in der Schweiz definitiv fallen gelassen haben, werde der vor gut zwei Wochen beim Schweizer Bundesverwaltungsgericht eingereichte Rekurs gegen das Weko-Verbot ebenfalls zurückgezogen, teilten die Mutterhäuser France Telecom und die dänische TDC am Donnerstagabend mit. Die Schweizer Wettbewerbskommission geht nicht davon aus, dass die Mutterhäuser von Sunrise und Orange aus der Schweiz zurückziehen werden. Dafür seien die Investitionen zu groß, sagte Weko-Präsident Walter Stoffel der Nachrichtenagentur SDA. Zudem seien beide Unternehmen profitabel.

Markt verliere große Chance

"Wir bedauern es sehr, dass der geplante Zusammenschluss mit Sunrise derzeit nicht mehr möglich ist", äußerte sich Orange-Europa-Chef Olaf Swantee: Der Schweizer Markt verliere hier die große Chance, den Konsumenten einen echten Wettbewerb zu bieten. "Wir haben ein vernünftiges Fusionsprojekt vorangetrieben, das Vorteile für den Schweizer Konsumenten gebracht und den Wettbewerb verschärft hätte. Aber die Weko hat entschieden, dass das nicht genug war", sagte TDC-Chef Henrik Poulsen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. "Wir haben einige Verbesserungen vorgeschlagen, aber als die Wettbewerbshüter das Gesamtpaket gesehen haben, kamen sie zu dem Verbot." Was zu diesem Entschluss geführt habe, müsse man die Weko fragen.

Veto gegen Fusion

Die Wettbewerbskommission (Weko) hatte am 22. April ihr Veto gegen die Fusion eingelegt. Damit wollte sie ein Duopol in der Schweiz durch die fusionierte Sunrise/Orange und die Swisscom im Mobilfunkmarkt verhindern. Denn mit Sunrise würde ausgerechnet derjenige Anbieter verschwinden, der am meisten Bewegung in den Schweizer Mobilfunkmarkt gebracht habe, argumentierte die Weko.

Nur mehr zwei statt drei Player

"Haupthindernis für die Weko war offenbar, dass der Markt nur noch zwei statt drei Player gehabt hätte", sagte Poulsen. Normalerweise sollte man in einer solchen Situation tatsächlich vorsichtig sein, aber in diesem spezifischen Fall hätte die Fusion klare Vorteile für den Schweizer Markt gebracht. Die Liberalisierung des Telekommarktes in der Schweiz sei nicht weit genug gekommen. Die Swisscom habe eine sehr dominante Position, die in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen werde, sagte Poulsen.

Investitionen werden fortgesetzt

Nach dem definitiven Scheitern der Fusion betonen Sunrise und Orange, ihr bisheriges Geschäft in der Schweiz auch alleine weiterführen zu wollen. Die Investitionen würden fortgesetzt, hieß es von beiden Unternehmen. Ein Rückzug von Sunrise aus der Schweiz, sei kein Thema, betonte Poulsen: "Wir geben ein klares Bekenntnis für eine langfristige Präsenz im Schweizer Markt ab." Sunrise habe genug Kraft, um alleine zu bestehen. "Wir haben viel investiert in den letzten Jahren und werden das weiter tun. Wir erwarten, dass Sunrise weiter wächst", sagte Poulsen.

Börsengang kein Thema

Ein Börsengang von Sunrise sei kein Thema. Auch suche TDC jetzt keinen neuen Käufer für ihre Tochter. Zwar gebe es keine größeren operationellen Synergien zwischen TDC und Sunrise. Es sei aber nicht ungewöhnlich für Telekomkonzerne, Gesellschaften in verschiedenen Ländern zu haben, deren betriebliche Synergien nicht signifikant seien. (APA/sda)

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