Weichsel überflutete Stadt Sandomierz

6. Juni 2010, 10:57
13 Postings

Alarm für Warschau ausgesprochen - Premier Tusk gegen Ausrufung des Notstandes, weil das "nichts bringen" würde

Warschau - Die Lage in Polens Hochwassergebieten spitzt sich zu. Für die Hauptstadt Warschau wurde für Sonntagmittag erneut Alarm ausgerufen, da eine zweite Hochwasserwelle der Weichsel erwartet wurde. Die Bewohner der an den Fluss grenzenden Viertel wurden aufgerufen, sich für eine Evakuierung bereitzuhalten.

Im Süden und Südosten Polens wurden am Sonntag zehntausende Menschen vor Überschwemmungen in Sicherheit gebracht. "Die Feuerwehrleute habe insgesamt rund 30.000 Menschen in Sicherheit gebracht, Polizei und Armee nahmen weitere Evakuierungen vor", sagte Feuerwehrsprecher Pawel Fratczak. Die Zahl der Todesopfer sei inzwischen auf 22 angestiegen.

Am schwierigsten sei die Lage im Süden und Südosten Polens, sagte der Feuerwehrsprecher. An vielen Orten entlang der Weichsel seien Deiche gebrochen, das Hochwasser in den bereits überschwemmten Ufergebieten sei weiter angestiegen. Mehrere Straßen waren durch Erdrutsche verschüttet. Rund 17.000 Feuerwehrleute und 3000 Soldaten waren in den Hochwassergebieten im Einsatz.

Deich in Sandormiez gebrochen

Der Einsatz konzentrierte sich auf die 25.000-Einwohner-Stadt Sandomierz (Sandomir), die bereits durch das Weichsel-Hochwasser vor zwei Wochen schwer beschädigt worden war. Am Samstagabend war dort erneut ein Deich gebrochen.

Teile der Stadt am rechten Ufer wurden erneut überflutet. Feuerwehrleute und Soldaten, die bis zuletzt das Wasser zu stoppen versuchten, seien wegen Lebensgefahr abgezogen worden, berichtete die Nachrichtenagentur PAP. Nach Angaben des Bürgermeisters Jerzy Borowski sind jetzt eine Wohnsiedlung sowie die Glashütte, der größte Arbeitgeber in der Region, bedroht.

Die städtischen Behörden riefen rund 3.500 Einwohner auf, das besonders gefährdete Gebiet zu verlassen. Die meisten Menschen wollten jedoch in ihren Häusern bleiben. Sandomierz liegt rund 200 Kilometer südlich von Warschau. Die historische Altstadt liegt auf einer Anhöhe am linken Ufer und ist nicht gefährdet.

Am Morgen reiste Regierungschef Donald Tusk nach Sandomierz. "Die Situation hat sich verschärft", sagte der Politiker. Er sprach sich erneut gegen eine Ausrufung des Notstandes aus, weil dies "nichts bringen" würde.

Die Flut hatte bereits vor zwei Wochen einen Damm in Sandomierz durchbrochen. Seitdem stehen Stadtteile am rechten Ufer unter Wasser. Die Weichsel überflutete auch Teile von Tarnobrzeg rund 15 Kilometer südlich von Sandomierz. Dort sollten 4.000 Menschen ihre Häuser räumen. Auch sie weigerten sich aber, ihr Hab und Gut zu verlassen. (APA)

  • Das überflutete Dorf Wola Przemykowska im Süden des Landes.
    foto: epa/jacek bednarczyk

    Das überflutete Dorf Wola Przemykowska im Süden des Landes.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Feuerwehrmänner in Jaslo im Einsatz gegen die Fluten.

Share if you care.