Schlecht für die Bäder, gut für den Raps

3. Juni 2010, 19:31
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Der Dauerregen im Mai bescherte Wirtshäusern wie Freibädern beträchtliche Umsatzeinbußen - Einige Landwirte freut das miese Wetter wiederum

Die gute Nachricht: In den vergangenen Wochen war die Gefahr des Sonnenbrandes als Hautkrebsfaktor erfreulich gering. Die halbgute Nachricht: In den nächsten Tagen soll es endlich wärmer werden - für wie lange, wissen die Meteorologen allerdings nicht.

Bedanken für den Regen darf man sich quasi bei den Griechen. Denn ein Tief über Südosteuropa hat die warme Luft nach Mitteleuropa gedrückt, sagt Steffen Dietz, Meteorologe bei Ubimet. Hört sich gut an, dass Problem nur: Die Luft war auch feucht, was dann zu den Gewittern und Regenfällen geführt hat.

Ganz sicher schuldlos sind die Isländer. Deren Aschenvulkan Eyjafjallajökull habe keine Auswirkung auf die Witterung.

Über den ganzen Monat gesehen ist die geografische Schuldzuweisung schwieriger: Tiefdruckgebiete lagen im Norden, Osten und Westen. Die Folgen: Die dreifache Wassermenge des langjährigen Maiwetterdurchschnittes ließen die Wolken beispielsweise über dem Weinviertel und Wien aus.

Hollenthon in der Buckligen Welt durfte sich im Mai über einen zweifelhaften Rekord freuen: 271 Liter pro Quadratmeter wurden dort gemessen. Zum Vergleich: Eine Badewanne fasst zwischen 150 und gut 200 Liter Wasser. Wenn die Bewohner wissen wollen, warum ihre Felder unter Wasser stehen, müssen sie allerdings nicht weit gehen: Der 1048-Einwohner-Ort hat originellerweise einen Wetterlehrpfad zu bieten.

Warum es so viel regnet, ist den Gastronomen in Wien dagegen wohl ziemlich egal. Bei manchen steigt jedenfalls das wirtschaftliche Wasser langsam Richtung Hals, sagt Wilhelm Turecek, Obmann der Fachgruppe Gastronomie bei der Wirtschaftskammer Wien. "Die Mitglieder berichten mir von teilweise massiven Einbußen. Es sind nicht nur jene mit den Gastgärten, sondern vor allem die, die vom Sommergeschäft leben - auf der Donauinsel, in den Sommerbädern. Dort haben sie zeitweise Einbrüche von minus 90 Prozent zum Vorjahr gehabt", sagt er. "Von den Brauereien und den Eisproduzenten hör ich Ähnliches."

Heu in Gefahr 

Dass man in den Freibädern viel Platz hatte, um im künstlich aufbereiteten Nass zu plantschen, zeigen auch die Statistiken der zuständigen Wiener Magistratsabteilung 44. Zwei Drittel weniger Menschen besuchten im Mai die 17 Bäder. Das Verblüffende: Es waren trotzdem 97.100. "Das sind die Saisongäste, die kommen bei jedem Wetter", sagt Pressesprecher Martin Kostinsky. Und relativiert: "An einem schönen Sonntag im Sommer sind es allein an diesem Tag 100.000 Gäste." Die Landwirte, denen oft unterstellt wird, bei jedem Wetter zu jammern, sehen die Sache differenzierter. Während die Landwirtschaftskammer in Salzburg die Qualität des Heus in Gefahr sieht und Einkommenseinbußen für die Bauern befürchtet, ist Ferdinand Lembacher von der niederösterreichischen Kammer vorsichtiger.

"Auch wenn es lokal Hagelschläge und Überschwemmungen gegeben hat, für die breite Fläche war das Wetter nicht verheerend." Im Gegenteil, für die Getreidegebiete im Osten sei man sogar froh. "Dort haben wir normalerweise ein Problem mit zu wenig Niederschlag, heuer ist es feucht genug, allerdings etwas zu kühl. Für Ölsaaten wie Raps seien die Bedingungen ideal.

Bei den Wein- und Obstkulturen gibt es noch keine großen Probleme, der bäuerliche Wunsch deckt sich hier aber mit jenem der Allgemeinheit. "Wir würden uns da über zwei, drei warme Wochen freuen", meint Lembacher. Kleine Einschränkung: "Die Kombination Feucht und Warm ist natürlich gutes Schwammerlwetter - bedeutet aber auch größere Gefahr von Pilzbefall auf den Feldern." (Michael Möseneder, DER STANDARD; Printausgabe, 4.6.2010)

 

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    Nicht nur das Krapfenwaldlbad im 19. Bezirk blieb in den letzten Wochen oft leer, insgesamt kamen zwei Drittel weniger Menschen in die Wiener Bäder

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