Amokläufer tötete wegen Erbstreits

3. Juni 2010, 19:11
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Nach dem Amoklauf eines Taxifahrers, bei dem 13 Menschen starben, steht ganz Großbritannien unter Schock - Die Regierung will über eine Verschärfung der Waffengesetze nachdenken

Am Tag nach dem Amoklauf von Derrick Bird befindet sich Großbritannien immer noch im Schockzustand. Der 52-jährige Taxifahrer hatte am Mittwoch in der Grafschaft Cumbria zwölf Personen erschossen, bevor er sich selbst tötete. Die Queen sprach für das ganze Land, als sie den betroffenen Familien ihr Mitgefühl ausdrückte und ihre "tiefe Bestürzung" über "die Trauer und das Grauen" bekundete. Neben den Toten gehören zu Birds Opfern weitere elf Verletzte, von denen sich noch acht im Krankenhaus befinden.

Mittlerweile scheint sich ein Motiv für die Tat herauszuschälen. Der Mann, den viele seiner Bekannten übereinstimmend als "ruhig", "freundlich" und "anspruchslos" bezeichnen, versteckte hinter der Fassade einen Groll gegen Familienangehörige und Kollegen. Die erste Person, die Derrick Bird am Mittwochmorgen erschoss, war sein Zwillingsbruder David. Ein Streit über das Testament der schwerkranken Mutter, die der Täter versorgte, soll der Anlass gewesen sein. Das zweite Opfer war der Anwalt der Familie Kevin Commons. Zeugen berichten auch über einen Streit, den Bird am Vorabend der Tat mit anderen Taxifahrern hatte. Bird war wütend über Kollegen, die ihm Fuhren stahlen. Er soll sich von ihnen mit den Worten verabschiedet haben: "Morgen wird es einen Amoklauf geben."

Waffengesetz-Debatte

Die dritte Person, die am nächsten Tag sterben musste, war Darren Rewcastle, ein langjähriger Bekannter und Kollege von Bird. Weitere zwei Fahrer wurden ebenfalls an dem Taxistand in der Duke Street in der Küstenstadt Whitehaven beschossen. Danach flüchtete Bird in seinem Auto Richtung Süden und eröffnete auf seiner Fahrt scheinbar wahllos das Feuer auf unbeteiligte Personen. Garry Purdham, ein 31-jähriger Farmer, der in einem Feld gerade die Hecken stutzte, wurde aus nächster Nähe erschossen. In Seascale starben weitere zwei Menschen: die Rentnerin Jane Robinson, die gerade Kataloge auslieferte, und der 64-jährige Michael Pike, der von seinem Fahrrad geschossen wurde. In beiden Fällen soll Bird direkt ins Gesicht seiner Opfer gezielt haben.

Zumindest ein weiteres Opfer hat Bird gekannt. James Jackson hatte im Atomkraftwerk Sellafield gearbeitet und war damals der Boss von Derrick Bird. Jackson musste ihn entlassen, als herauskam, dass Bird stahl.

Derrick Bird hatte für beide Waffen, die er bei seinem Amoklauf benutzte, eine Lizenz. Jetzt beginnt in Großbritannien wieder eine Debatte darüber, ob die Waffengesetze verschärft werden sollen. Die Innenministerin Theresa May erklärte am Donnerstag, dass die Regierung "alle Optionen bedenken" werde. (Jochen Wittmann aus London, DER STANDARD; Printausgabe, 3.6.2010)

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    Zwei städtische Reinigungskräfte säubern einen der Tatorte in Egremont. Der 55-jährige Derrick Bird erschoss zwölf Menschen und verletzte weitere elf. Danach tötete er sich selbst.

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