Ein Ordnungsruf

3. Juni 2010, 18:41
6 Postings

Die burgenländischen Wähler haben gezeigt, dass die Bäume nicht automatisch in den Himmel wachsen

Die burgenländischen Wähler und Wählerinnen haben, das ist ihr Verfassungsauftrag, ein Machtwort gesprochen. Und das kommt einem Ordnungsruf gleich. Werner Faymann ist in den Nationalratswahlkampf 2008 mit den Worten "Genug gestritten" gegangen. Genau unter dieses Motto stellten nun die pannonischen Wähler ihr Stimmverhalten. Sie haben SPÖ und ÖVP zu weiteren fünf Jahren Zusammenarbeit verdammt. Und damit die regierungsinternen Streitereien und Wadlbeißereien als das entlarvt, was sie - nicht nur, aber halt auch - gewesen sind: kindische Spielchen.

Wie es ausschaut, haben die Parteispitzen den Ordnungsruf verstanden. Schon gab es erste persönliche Gespräche, Anfang nächster Woche geht es dann ans Eingemachte. Dessen Zentrum ist, so der SPÖ-Wunsch, ein mehrjähriges Budget, gar ein Finanzplan über die gesamte Periode bis 2015. Die ÖVP wird sich dem, bei etwas rotem Entgegenkommen, wohl nur schwer verschließen können.

Die burgenländischen Wähler haben gezeigt - vor allem der FPÖ -, dass die Bäume hier nicht automatisch in den Himmel wachsen. Auch die Grünen haben einen Auftrag mitbekommen: sich endlich umzustülpen und nach draußen zu schauen, dorthin, wo die Welt ist, nicht bloß das Gremium. Vielleicht sollten sie sich da ein wenig von der nun gleichstarken Liste Burgenland abschauen. Die bloß als "rechts" zu punzieren griffe nämlich deutlich zu kurz. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2010)

Share if you care.