Nur eine Minderheit der Firmen muss Gehälter offenlegen

3. Juni 2010, 18:37
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Keine Sanktionen für säumige Unternehmen

Wien - Enttäuschung und Erleichterung: Zwischen diesen beiden Polen schwanken die Reaktionen auf das Konzept, gemäß dem Unternehmen ab 2011 Gehälter von Männern und Frauen offenlegen sollen. Während die Opposition keinen "Meilenstein" erkennen kann, freut sich Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) über großzügige Ausnahmen.

Tatsächlich musste Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die das mit den Sozialpartnern vereinbarte Modell am Mittwoch gemeinsam mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (beide SPÖ) vorgestellt hat, Abstriche gegenüber ihren Plänen machen. Bei weitem nicht alle Unternehmen müssen künftig einen jährlichen Einkommensbericht erstellen, der die durchschnittlichen Löhne und Gehälter von Männern und Frauen auflistet. Im kommenden Jahr soll das Gebot erst für Betriebe ab 1000 Mitarbeitern gelten und damit 15 Prozent aller Arbeitnehmer betreffen. In der Folge soll die Pflicht stufenweise ausgedehnt werden. Ab 2012 gilt als Grenze 500 Mitarbeiter, ab 2013 250 Mitarbeiter, ab 2013 schließlich 150 Mitarbeiter, was 41 Prozent aller Arbeitnehmer entspräche.

Nach Geschlecht aufgelistet werden sollen in den Einkommensberichten die durchschnittlichen Gehälter in den verschiedenen Verwendungsgruppen. Die nackten Zahlen sind dabei um die Arbeitszeit zu bereinigen, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Auch Faktoren wie die Dauer der Betriebszugehörigkeit sollen in der Aufstellung berücksichtigt werden.

Keine Strafen vorgesehen

Die Unternehmen müssen den fertige Report schließlich der Belegschaftsvertretung vorlegen, in Unternehmen ohne Betriebsrat soll er den Mitarbeitern zugänglich sein. Die Daten werden anonymisiert veröffentlicht, Rückschlüsse auf die Gehälter der Einzelnen sollen unmöglich sein.

Sanktionen für säumige Firmen sind, anders als von Heinisch-Hosek gewünscht, nicht geplant. Für "zahnlos" hält die Frauenministerin die geplante Regelung, die der Nationalrat im Herbst per Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes beschließen soll, dennoch nicht. Sie hofft darauf, dass ein "Schneeballeffekt" auch kleinere Betriebe zum Mitmachen animieren werde. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2010)

 

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