"Glaubst, der kummt no näher?"

3. Juni 2010, 18:30
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Flugzeugfans begrüßen den größten Flieger der Welt

Wien - "28 Autos sollen auf seine Tragflächen passen" , erzählt ein Flughafenmitarbeiter in blauen Arbeitshosen seinem Kollegen und dreht an seiner Kamera. "Ist er größer als das Haus?" , fragt ein Kind seine Mutter und deutet auf den halbfertigen Skylink. Gemeinsam mit hunderten anderen Menschen sind sie am Mittwochvormittag in das Parkhaus 4 des Wiener Flughafens gekommen, um den Airbus 380 zu sehen, das größte Passagierflugzeug der Welt.

Auf den oberen Parkdecks drängen sich die Menschen an dem Geländer um einen Platz in der ersten Reihe. Von dort können Zuseher das Rollfeld überblicken. Um 10.35 Uhr ist es so weit: Der "380er" taucht aus dem dichten Regen auf. Wie über einen roten Teppich rollt die Maschine über die Piste und einige Sekunden lang genau auf das Parkhaus zu. Ein Raunen geht durch die Menge, Fotoapparate blitzen, Schaulustige laufen aufgeregt auf und ab, um den besten Winkel für ein Foto zu finden. "Jetzt drück ab!", schreit einer, "Glaubst, kummt der no näher?", fragt ein anderer.

Michael Heiden muss sich nicht um einen guten Platz streiten. Er sitzt in seinem Rollstuhl ganz vorn an der Brüstung, auf dem Kopf trägt er eine Lufthansa-Pilotenmütze mit goldenen Ansteckflugzeugen, auf seine Jacke sind zahlreiche Pilotenabzeichen genäht. "Alles, was fliegt, ist ein Wahnsinn für mich", sagt Heiden. Einmal die Woche kommt er hier heraus, auch in seine Freundin hat er sich hier verliebt. "Wir waren hier bei einem unserer ersten Dates, um die Privatmaschine von U2 anzuschauen. Sie wollte stundenlang bleiben, da wusste ich: Sie ist was Besonderes." Eigentlich ist er ein Boeing-Fan, der A380 fasziniert ihn trotzdem.

"Der schaut gar nicht so groß aus" , sagt Norbert Frühstück leicht enttäuscht. Er steht ganz still, um mit seiner Videokamera nicht zu wackeln. Freunde haben ihn gebeten, die Landung zu filmen. Als Kind wollte Frühstück Pilot werden, jetzt arbeitet er "in der IT-Branche" und kommt einmal im Monat hierher, um die Flugzeuge starten und landen zu sehen. "Aber den 380er sieht man nicht alle Tage", sagt er. "Es wäre super, wenn Schwechat ihn öfter holen könnte für Fernflüge."

Zweieinhalb Stunden steht der Flieger auf dem Rollfeld, um 13 Uhr hebt der 380er Richtung Dresden ab. Ob und wann Norbert Frühstücks Wunsch in Erfüllung geht, weiß noch keiner. (Tobias Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2010)

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    Parkhaus für Planespotter:Ehrengarde tritt für A380 inWien an.

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