Die Stippvisite des "unförmigen" Doppeldeckers

3. Juni 2010, 18:24
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Vielleicht um der AUA vorzuführen, wie weit sie vom Turnaround noch entfernt ist, schickt Konzernmutter Lufthansa ihren Riesenjumbo A380 auf Kurzbesuch nach Wien

Vielleicht um der AUA vorzuführen, wie weit sie vom Turnaround noch entfernt ist, schickt Konzernmutter Lufthansa ihren stolzen Riesenjumbo A380 auf Kurzbesuch zum Anschauen nach Wien.

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Wien - Es sind nicht gerade schmeichelhafte Worte, die AUA-Vorstand Andreas Bierwirth für den exklusiven Gast bereit hat: "groß, dick, ein wenig erdrückend" , mit "einer gewissen Unförmigkeit" ausgestattet. Aber nicht Abneigung, sondern Sorge um das noch ungeklärte Geschlecht der oder des A380 bewegt Bierwirth. Denn noch sei ungeklärt, ob der größte Flieger der zivilen Luftfahrt weiblich oder männlich sei, wie die anderen Typen der Familie. Und eben ausgerechnet den A380 zur Frau zu küren sei, der Form wegen, unfair.

Ob dick oder unförmig: Mittwoch stattete der imposante Flieger Wien jedenfalls einen Besuch ab, den ersten und wahrscheinlich für viele Jahre letzten, da Wien nicht genug Aufkommen für eine Maschine hat, die über 800 Passagiere fassen kann. Die Lufthansa brachte voller Stolz ihre (ihren?) erste A380 "Frankfurt am Main" im Zuge ihrer Trainingsflüge nach Schwechat. Der Regen, der Zuschauern den Spaß ein wenig verdarb, kam Lufthansa-Chefpilot Jürgen Raps im Pilotensitz gerade recht, da die nötigen Lizenzierungen für den neuen Flugzeugtyp nicht nur bei Schönwetter erfolgen sollen.

Und sie fliegt, "wie ein Ferrari fährt" , beantwortet Raps, nach eigener Einschätzung "zum 387. Mal" , die Frage im papierlosen Cockpit mit seinen zahllosen Displays. Vier A380 übernimmt die Lufthansa noch heuer, 15 bis 2015. Bis Herbst werden 120 Piloten qualifiziert sein, darunter eine Pilotin. Die ersten Strecken führen nach Tokio (ab 11. Juni), Peking und Johannesburg.

Die vitalen Statistiken: 73 Meter lang, 80 Meter Spannweite, maximale 569 Tonnen. Mit 3,4 Liter pro Passagier pro 100 Kilometer ist der Superjumbo das spritsparendste (und leiseste) unter den Großraumfliegern. 526 Passagiere, 21 Flugbegleiterinnen und Begleiter sowie zwei bis drei Pilotinnen und Piloten finden in der Ausstattung der Lufthansa an Bord Platz. Fein säuberlich getrennt: Die Oberklasse im erste Stock, Eco zu ebener Erd', soweit man in einem Flieger davon sprechen kann.

Acht Gästen in der First stehen, nebst Bett in semiprivaten Verschlägen, zwei richtige Badezimmer, allerdings ohne Dusche zur Verfügung: Das wäre - im Hinblick auf die nötige Zeit zum Duschen - zu schwierig. Mit 98 Plätzen hat die A380 die größte Business-Class irgendeines Lufthansa-Jets. Das halten zwar, nach dem Einbruch des Premium-Segments während der Krise 2008/09, manche für gewagt. Aber die Entwicklung scheint der Lufthansa recht zu geben: Das Wachstum bei First- und Business-Passagieren hat jenes der Eco überholt (siehe Grafik). (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2010)

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    Badezimmer für die Oberklasse: A380 auf Besuch in Wien. Mit der größten Businessklasse aller Zeiten setzt Lufthansa auf das Comeback der Premiumgäste.

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