Mordversuch an Kindern - 14 Jahre Haft für Vater

2. Juni 2010, 18:26
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Architekt hatte Angst verlassen zu werden - Eskalation nach Streit

Salzburg - Im Prozess um ein Familiendrama am 18. Dezember 2009 nahe Salzburg ist heute, Mittwoch, ein 40-jähriger Familienvater zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt worden. Ein Geschworenengericht lastete dem Architekten an, er habe versucht, drei seiner vier Kinder zu töten. Zudem habe er seine fünfjährige Tochter mit einem Messer schwer verletzt. Der Angeklagte hatte in der zweitägigen Verhandlung beteuert, er wollte niemanden umbringen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigung meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Der Strafrahmen bei Mordversuch beträgt zehn bis 20 Jahre Haft oder lebenslänglich.

Frau wollte ihn verlassen

Eifersucht und Verlassensängste dürften zu der Verzweiflungstat geführt haben. Das Ehepaar hat am Tag vor der Schreckensnacht die zweite Paartherapie begonnen. Der Architekt war nach einer Weihnachtsfeier mit 1,3 Promille Alkohol im Blut heimgekehrt. Es kam zum Streit mit seiner Frau. "Sie warf mir meine Alkoholisierung vor und sagte, nun ist es endgültig aus", erzählte der bisher unbescholtene Beschuldigte den Geschworenen." Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ich hatte Angst, dass sie mich für immer verlässt." Denn zuvor habe seine Frau ihm gestanden, dass sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann eingegangen sei. Doch töten habe er niemanden wollen, nur sich selbst.

Der Angeklagte brach den Schlüssel im Zylinder der Wohnungstüre ab. "Damit niemand mehr flüchten konnte", erläuterte Staatsanwältin Herta Stix. Zu diesem Zeitpunkt habe er bereits den Plan gefasst, sich und die Kinder im Alter von drei, fünf, acht und zwölf Jahren zu töten und nur die Frau am Leben zu lassen, damit sie immer mit dieser schrecklichen Erinnerung leben müsse.

Fünfjährige lief auf ihren Vater zu

Der völlig aufgelöste Mann übergoss dann Familienfotos mit Spiritus und zündete sie an. Durch den Lärm in der Wohnung wachte seine fünfjährige Tochter auf. Sie lief auf ihn zu. Er hatte das Klappmesser in der Hand, weil er vorhatte sich die Pulsadern auf zu schneiden. "Er hat mehrmals auf ihren Oberkörper gestochen", sagte die Staatsanwältin. Doch Verteidiger Karl Wampl meinte, die Fünfjährige dürfte ihm ins Messer gegriffen haben, "um zu verhindern, dass der Papa an sich herum schneidet. Das Mädchen erlitt keine Stich-, sondern nur Schnittwunden. Es bestand keine Tötungsabsicht." In diesem Fall schlossen sich die Geschworenen der Meinung des Verteidigers an. Sie nahmen einen "freiwilligen Rücktritt" vom Mordversuch an.

Übergab Tochter dem Feuerwehrmann

Doch das Martyrium war für die geschockte Familie damals noch nicht zu Ende. Der Vater versuchte, in das Zimmer zu gelangen, in dem sich die Frau mit drei Kindern verschanzt hatte. "Er rammte dabei auch das Messer in die Tür, kam aber nicht hinein", schilderte die Staatsanwältin. Danach schnitt er sich in den rechten Unterarm. Als seine Tochter schrie, "Papa, ich blute", brachte er sie auf die Terrasse und übergab sie einem Feuerwehrmann. Die Nachbarn hatten bereits die Einsatzkräfte alarmiert, alle wurden gerettet.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Während der krisengeschüttelten Ehe soll der Mann schon öfters mit dem Umbringen gedroht haben. Ein neuropsychiatrisches Gutachten attestierte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, die sich wiederholt in Form von extremer Eifersucht offenbarte.

Für den Verteidiger kam nur eine schwere Nötigung und fahrlässige Körperverletzung infrage, deshalb meldete er volle Berufung an. Bei der Drohung mit dem Umbringen handle es sich um ein Nötigungsmittel, dass der 40-Jährige immer wieder angewendet habe,"um zu erreichen, was er will: Eine harmonische Familie", betonte Wampl.

Paar geschieden

Der Architekt wurde vor einem Monat während seiner U-Haft geschieden.(APA)

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