Manche Sauropoden kriegten ihn doch hoch

6. Juni 2010, 17:10
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... den Hals natürlich - deutscher Forscher widerspricht Interpretationen aus jüngster Zeit

Flensburg - Es ist eine seit langem geführte Diskussion im Zusammenhang mit den Sauropoden: Nicht ob die riesigen Pflanzenfresser womöglich Rüssel besaßen - eine vor Jahrzehnten aufgekommene Spekulation, die von Paläontologen aber längst verworfen wurde (immerhin hat sie zu sehenswerten Bildmontagen geführt: siehe hier). Sondern ob sie ihre bis zu zehn Meter langen Hälse hochrecken konnten, um in Bäumen zu weiden, oder nicht.

In jüngster Zeit wurde dies mehrheitlich verneint. Die wichtigste Argumentation: Ein in die Höhe gestreckter Hals führe zu einem erheblichen Blutdruck, der Körper der Dinosaurier müsse viel Energie aufwenden, um mit diesem Blutdruck fertig zu werden. Und zwar so viel Energie, dass sich das Fressen in der Höhe nicht mehr lohnt. Statt dessen hätten die Sauropoden ihre Hälse waagerecht gehalten, um vom Boden zu äsen, und sie dabei wie Schwenkkräne eingesetzt, mit denen eine möglichst große Fläche abgegrast werden kann, ohne dass der enorme Körper selbst bewegt werden muss.

Gegenmeinung

Andreas Christian vom Institut für Biologie und ihre Didaktik an der Universität Flensburg widerspricht dieser Ansicht und berichtet über seine Erkenntnisse in der Fachzeitschrift "Biology Letters". Seine physiologischen Modellrechungen würden zeigen, dass sich das Fressen in der Höhe durchaus für die Sauropoden rechnete, wenn die Nahrung spärlich verteilt war. Dazu verglich er den Energieaufwand für das Fressen in großer Höhe mit den Energiekosten für das Gehen über bestimmte Distanzen. Als Modellorganismen wurden der 15 Meter lange Euhelopus zdanskyi und der wesentlich größere Brachiosaurus, ein entfernter Verwandter, herangezogen.

Es zeigt sich, dass einige Minuten Fressen in großer Höhe energiegünstiger waren, als eine Strecke von mehreren Körperlängen zu laufen. Mit anderen Worten: Wenn die Nahrung aus weit verteilten Bäumen bestand, war es vorteilhafter einen Baum bis in die erreichbare Höhe abzuweiden, als zum nächsten Baum zu laufen. Laut Christian werfen diese Berechnungen ein neues Licht auf die Bedingungen, unter denen die extrem langen Hälse der Sauropoden entstanden sein könnten. Frühere biomechanische Berechnungen des Biologen hätten überdies gezeigt, dass das Knochengerüst der Sauropoden stark genug gewesen sei, dass sie ihren Hals nach oben strecken konnten. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Brachiosaurus wird gerne mit hoch erhobenem Kopf dargestellt - möglicherweise doch zu Recht.

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