"Den Politikern sind wir doch eh egal"

2. Juni 2010, 15:15
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Sinneswandel beim Jugendparlament: Kärntner Schüler erlebten die politische Arbeit am eigenen Leib

Wien - Letzten Freitag war es wieder soweit: Drei Schulklassen, diesmal aus Kärnten, kamen nach Wien, um in die Rolle von Parlamentsabgeordneten zu schlüpfen. Während der gesamten Zeit, welche die 73 Jugendlichen im Hohen Haus verbrachten, konnte man einen geistigen Wandel in ihnen bemerken. Ihre Einstellungen waren nämlich nicht die günstigsten, um ein Jugendparlament abzuhalten. Aussagen wie: "Die Politiker tun sowieso nichts" oder "denen sind wir eh egal", prägten die Grundstimmung der angereisten Teilnehmer. Umso spannender war es, dem enormen Sinneswandel beizuwohnen. Es war ein geistiges "Learning by Doing", wobei das Jugendparlament den "Abgeordneten" viele neue, demokratische Aspekte aufzeigte.

Meinungen wie diese würden die Existenz des Jugendparlaments noch wichtiger machen, meinte meine Mentorin an diesem Tag, die Parlamentsmitarbeiterin Maria-Luise Janota: "Das Einfühlen in fremde, unbekannte Gedankengänge ist ein sehr wichtiger Lernprozess", kommentierte sie.

Debatten zum Drogengesetz

All das änderte aber nichts an der Tagesordnung. Pünktlich um halb neun begrüßte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer die Teilnehmer. Die vier Klubs - Gelb, Türkis, Weiß und Lila - wurden eingeteilt, und man begab sich zu den Sitzungen, wo das Suchtgiftmittelgesetz diskutiert wurde. Als Hilfe standen den jungen Parlamentariern einige "echte" Abgeordnete zur Verfügung. Auch den Rat von Drogenexperten sowie die nötige juristische Unterstützung konnte man nach Bedarf einholen.

In der ersten Sitzung wählte jeder Klub seinen Obmann, die Ausschussmitglieder und -beobachter und die Pressesprecher. Anschließend startete man in den Ausschuss. Bereits am Anfang war man sich einig, dass weitere Maßnahmen zum Schutz der Jugendlichen vor Drogen nötig seien.

"Es hilft nichts, wenn wir die abhängigen Jugendlichen bestrafen. Wir müssen Gefahren aufzeigen und ihnen helfen", meinte der 15-jährige Lorenz Frühwirt von den Weißen. "Es ist wichtig, dass wir früh mit der Prävention beginnen", ergänzte Sarah Holzer vom gelben Klub. Von einer jährlichen ärztlichen Kontrolle über Workshops und Vorträge durch Betroffene bis zu regelmäßigen Hausbesuchen des Psychiaters wurden alle Vorschläge diskutiert.

Beim Mittagessen bemühte man sich, Kompromissmöglichkeiten zu besprechen. Nach etwas Bedenkzeit wurden einige Möglichkeiten zur Kooperation aber abgelehnt. Am Nachmittag brachten die Gelben einen Abänderungsantrag ein, der von der Mehrheit angenommen wurde. Dieser sieht ein jährliches Gespräch mit einem Psychiater vor. "Dadurch sollen Abhängigkeiten früh erkannt werden", argumentierte Holzer. "Dies ist ein überflüssiger Einschnitt in die Privatsphäre", entgegnete Klaudia von den Violetten.

Trotz aller Debatten wurde der Abänderungsantrag am Ende der Tagesordnung nicht durchgesetzt. So blieb das Suchtmittelgesetz unverändert. Die Entschließungsanträge hingegen wurden mit großer Mehrheit angenommen.

Nach den Ausschusssitzungen konnte man den Sinneswandel der Jugendlichen in punkto politischer Arbeit miterleben: "Ich habe mir früher immer gedacht, dass die eh nichts tun, aber jetzt weiß ich, dass es nicht so ist", sagte Lukas (15) erstaunt. Und auch Julia aus Villach zeigte sich begeistert: "Irgendwie bin ich froh, dass ich jetzt weiß, wie die Politik läuft."

Das parlamentarischen Geschehen brachte einen Lerneffekt für die Teilnehmer, den sie mit nach Hause nehmen. Obwohl zu Beginn des Jugendparlaments populistische Einstellungen vorherrschten, hatten im Nachhinein Verwunderung und Freude die Oberhand. Die Bereicherung aller Beteiligten wird fortwirken.

Autor Clemens Öllinger (14) vom Borg Mittersill ist der erste Österreicher im Weltjugendparlament.

Webtipp: www.reininsparlament.at

  • "Ich bin froh, dass ich jetzt weiß, wie die Politik läuft", meint Julia. Auch die anderen Kärntner Schüler zeigten Begeisterung beim Jugendparlament.
    foto: standard/newald

    "Ich bin froh, dass ich jetzt weiß, wie die Politik läuft", meint Julia. Auch die anderen Kärntner Schüler zeigten Begeisterung beim Jugendparlament.

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