Dokumentarfilm über Otto Muehl uraufgeführt

2. Juni 2010, 14:11
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Großbild "Apokalypse/Keinen Keks Heute" wird nach EGH-Urteil und Adaptionen wieder präsentiert

Wien - Eine Vorboten auf den kommenden 85. Geburtstag des umstrittenen Künstlers Otto Muehl (auch: Mühl) am 16. Juni hat es Dienstagabend im Wiener MAK gegeben: Der Dokumentarfilm "Becoming Otto" des Schweizer Kunsthistorikers und Regisseurs Vincent Juillerat feierte seine Uraufführung.

Danach wurde Muehls neunteiliges Großbild "Apokalypse/Keinen Keks Heute" in adaptierter Form präsentiert. "Apokalypse/Keinen Keks Heute", auf das 1998 in der Secession ein Farbanschlag verübt worden und das zwischenzeitlich mit einem gerichtlichen Ausstellungsverbot belegt war, wird bis 1. August in der großen MAK-Ausstellungshalle zu sehen sein.

"Pornojäger" Martin Humer hatte 1998 in der Secession die Bild-Collage, auf der 33 öffentlich bekannte Personen in teilweise obszönen Situationen dargestellt sind, durch einen Farbbeutel-Wurf beschädigt. Nach mehreren Prozessen war Humer in letzter Instanz schließlich vom Vorwurf der Sachbeschädigung freigesprochen worden, dafür hatte das Oberlandesgericht Wien im Jahr 2000 nach einer Klage des (ebenfalls auf dem Bild dargestellten) früheren FPÖ-Generalsekretärs Walter Meischberger ein Ausstellungsverbot verhängt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hob 2007 dieses Ausstellungsverbot als "nicht angemessen" auf.

Die Verurteilung des Kommunengründers 1991 wegen einer Reihe von Sittlichkeitsdelikten, allen voran Unzucht mit Unmündigen, sowie Verstößen gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft (von denen er sechseinhalb verbüßte), wird im Film thematisiert. Dass Muehl dabei wohl nicht nur staatlich vorgegebene Normen, sondern auch die persönliche Integrität von Mitmenschen verletzt hat, ist heute unstrittig. "Ich glaube, dass Otto Muehl in vielen Bereichen gescheitert ist, und dass er es weiß", sagte die Muehl-Vertraute Roussel in der Diskussion. (APA)

 

Kommende Ausstellungen

Ab 11. Juni zeigt das Leopold Museum eine Auswahl von rund 80 Werken des Künstlers aus der "Sammlung Leopold II", der privaten Kollektion des Sammlers. Im Mittelpunkt stehe "die radikal-expressive Malerei Otto Muehls, ein unkonventionelles Oeuvre von hoher künstlerischer Qualität", heißt es in einer Ankündigung. Die Schau gebe "Einblick in einzelne Werkkomplexe von den programmatischen Arbeiten der späten 60er über Köpfe und Porträts der 80er bis zur Vincent-Serie nach Van Gogh, den Gefängnisbildern und 'Farblandschaften' der späten 90er Jahre". Im Kontakt zu einer Gruppe ehemaliger Muehl-Kommunen-Mitglieder habe man sich entschlossen, keine Bilder auszustellen oder im Katalog abzubilden, "auf denen dem heutigen Wissensstand nach die missbrauchten Minderjährigen zu sehen sind".

Am 17. Juni findet in der Wiener Galerie Konzett die Vernissage zu der von Danièle Roussel kuratierten Ausstellung "Otto Muehl - Excess Art" mit Bildern aus den Jahren 2000 bis 2007 statt. Im Mittelpunkt stehen Werkteile des von Muehl ab 2001 entwickeltem "Electric Painting", elektronisch gemalter Collagen, bei denen Einzelfotos von Aktionen am Computer weiterentwickelt, die Zwischenphasen abgespeichert und teilweise zu Filmen zusammengefügt werden. Bei ebenfalls gezeigten "Excess Art"-Objekten findet die Malerei über den Umweg der Beschäftigung mit dem Computers wieder aus der Tube auf die Leinwand.

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Apokalypse/Keinen Keks Heute" unmittelbar nach der Farbattacke. Das Bild wurde vor seiner nun erfolgten erstmaligen Wiederpräsentation nicht restauriert, doch vom Künstler adaptiert: Die roten Farbspuren sind weiterhin zu sehen. Dafür prangt nun das Konterfei von MAK-Direktor Peter Noever auf einer der zentralen Figuren. Noever zeigte sich am Dienstag "überrascht".

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