"Beipackzettel" für Psychotherapie

2. Juni 2010, 13:15
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Wissenschafter untersuchten Wirkung und Nebenwirkung der Psychotherapie - Hauptwirkfaktor ist die Beziehung zwischen Psychotherapeut und Patient

Krems - Die Nebenwirkungen der Psychotherapie hat ein Forscherteam der Donau-Universität Krems untersucht und, daraus resultierend, Anregungen für einen "Beipackzettel" für die psychotherapeutische Behandlung erstellt. Diese "Gebrauchsinformation" soll künftig in Arztpraxen, Institutionen und Beratungsstellen österreichweit aufliegen.

Beziehung zwischen Therapeut und Patient wichtig

Ergebnis der dreijährigen Studie, für die 42 anonymisierte Beschwerden analysiert, sieben Gruppendiskussionen mit Experten abgehalten und über die NÖ Gebietskrankenkasse an 1.676 Patienten in Niederösterreich elf Seiten starke Fragebögen verschickt wurden: Hauptwirkfaktor ist die zwischenmenschliche, wenn auch professionelle Beziehung zwischen Psychotherapeut und Patient und nicht die Art des therapeutischen Verfahrens, erläuterten Anton Leitner, Leiter des Departments für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie, und sein Team bei einer Pressekonferenz in Krems. Bis dato gebe es keine empirischen Daten über die Nebenwirkungen der Psychotherapie, die Erkenntnisse sollen auch Eingang in die Lehrpläne für Psychotherapie-Ausbildungen finden.

88 Prozent der Befragten - der Rücklauf betrug 33,5 Prozent, 552 Fragebögen wurden ausgewertet - fühlten sich vom Therapeuten verstanden. Niemand gab an, eine schlechte Beziehung zu haben. Daraus lässt sich laut den Forschern schließen, dass die Wirkung gut ist. Da jede Wirkung aber auch - positive oder negative - Nebenwirkungen habe, wurden diese abgefragt: 71 Prozent hatten wenig Nebenwirkungen, 25 Prozent "eher wenig", 0,6 Prozent oder drei Personen verspürten viele unerwünschte Nebenwirkungen. Zusätzlich wurde die Befragung ein halbes Jahr lang online gestellt - diese 2.000 Antworten seien noch in Ausarbeitung.

Deutlich wurde weiters, dass für die Wahl des Therapeuten auch die örtliche Nähe ausschlaggebend ist. Die Wissenschafter empfahlen, sich vor Beginn einer Behandlung genau zu informieren, auch über die mögliche Länge und die etwaige finanzielle Belastung.

Beschreibung von Nebenwirkungen

Die "Gebrauchsinformation" geht neben allgemeiner Beschreibung der Psychotherapie auf die Nebenwirkungen ein: Es können u.a. Phasen der Symptomverschlechterung, von Selbstüberschätzung oder -zweifel oder Veränderungen der familiären und freundschaftlichen Beziehungen eintreten. Negative Verläufe der Behandlung sollte der Patient ansprechen und bei mangelnder Reaktion des Therapeuten einen Wechsel oder eine nochmalige medizinische Abklärung in Betracht ziehen. Für Fragen stehen die jeweiligen Landesverbände des Bundesverbands für Psychotherapie (www.psychotherapie.at) zur Verfügung. (APA)

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    Hauptwirkfaktor bei einer Psychotherapie ist die zwischenmenschliche, wenn auch professionelle Beziehung zwischen Psychotherapeut und Patient.

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