Deutschland

Drei Tote bei Explosion von Weltkriegs-Bombe

01. Juni 2010 23:49

Experten waren in Göttingen gerade bei Entschärfungs-Vorbereitungen

Göttingen - Bei der Entschärfung eines 65 Jahre alten Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg sind am Dienstagabend im norddeutschen Göttingen drei Mitarbeiter des Kampfräumdienstes ums Leben gekommen. Zwei weitere wurden schwer und vier leicht verletzt, wie Stadt und Feuerwehr mitteilten. Die Experten hatten den Angaben zufolge Vorbereitungen für die Entschärfung der 500-Kilo-Bombe getroffen. Eine großangelegte Evakuierung der Bevölkerung lief während der Explosion noch.

Die Schwerverletzten schwebten nach Angaben der Uniklinik Göttingen nicht in Lebensgefahr, die Leichtverletzten wurden an Ort und Stelle versorgt. Der Sprengkörper detonierte nach unterschiedlichen Angaben zwischen 21.30 und 21.45 Uhr, Zeugen zufolge war der Knall im Umkreis von mehreren Kilometern zu hören. Die Explosion ereignete sich auf dem Schützenplatz der niedersächsischen Universitätsstadt, auf dem derzeit eine Sportarena gebaut wird. Die Bombe war bei den Bauarbeiten in sieben Meter Tiefe entdeckt worden.

Die Bombe hätte nach einer Evakuierung der Anrainer am Abend entschärft werden sollen. Die Evakuierung wurde um 19.00 Uhr eingeleitet. Nach den Plänen der Stadt sollten rund 7.200 Menschen in einem Umkreis von 1.000 Metern rund um den Fundort evakuiert werden; es war bereits der zweite Fund einer Bombe binnen weniger Tage in dem Stadtgebiet. Die Bombe sollte den Plänen zufolge gegen 22.30 Uhr entschärft werden, nachdem der letzte ICE-Hochgeschwindigkeitszug auf der nahe liegenden Trasse vorbeigefahren wäre.

Robotersollte Bombe entschärfen

Stadtsprecher Detlef Johannson sagte, die Evakuierung durch Hunderte Einsatzkräfte sei noch im Gang gewesen, als die Bombe explodierte. Die Kampfmittel-Experten hätten aber erst Vorarbeiten zur Abtrennung des Zünders eingeleitet und noch nicht an der Bombe selbst gearbeitet. Der Blindgänger sollte mit einem neuartigen ferngesteuerten Roboter entschärft werden. Er war beim Bombenfund vor wenigen Tagen zum ersten Mal im Einsatz gewesen.

Gasleitung war nicht Auslöser

Um die Ursache für die Explosion zu finden, untersuchten Polizei- und Feuerwehr-Experten den Unglücksort. Johannson dementierte Gerüchte, eine Gasleitung sei explodiert. Zwar verlaufe in der Nähe des Bombenfundorts eine größere Gasleitung. Nach Angaben der Stadtwerke gab es aber keinen Druckabfall, so dass eine Gasexplosion auszuschließen sei.

Auf dem Schützenplatz in Göttingen war bereits in der Nacht auf Freitag ein 500-Kilo-Bombe (zehn Zentner) entschärft worden.Auch der Göttinger Hauptbahnhof wurde für die Entschärfung am vergangenen Donnerstagabend geräumt. Die Entschärfung verlief dann planmäßig.(APA)

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24 Postings
Schrumpfschlauch
03.06.2010 11:34
Sollte es nicht:


"drei MitarbeiterInnen des Kampfräumdienstes ums Leben gekommen" heißen?

Scrotie McBoogerballs
03.06.2010 01:39
Frage:

Könnte man nicht versuchen statt den Zünder abzusägen, die Bombe (zumindest teilweise) auszubrennen und dann den Zünder kontrolliert sprengen?

Bei Minen funktioniert das Ausbrennen recht gut:

http://www.disarmco.com/pyrotechnics.asp

Tobias Kritifax
02.06.2010 17:20
schauerlich

wohne selbst in Göttingen. Es herrschte wahrhaft "Kriegsstimmung" in der Stadt: Evakuierungen, Absperrungen, kreisende Hubschrauben, Lautsprecherdurchsagen, Sirenen, Polizei, Feuerwehr...und dann der laute Knall, der alle in Schrecken versetzte. Familien verloren liebe Angehörige...als späte Opfer eines sinnlosen Krieges.

Herr Plumm
02.06.2010 15:28

mich gruselt es immer wenn ich sowas lese. als kinder haben wir damals dutzende sprengkörper, sogar auch mal eine panzerfaust aus dem hallstättersee direkt an der steegbrücke aus dem schlamm gefischt...einmal ist sogar phosphor aus einer granate ausgetreten...würde man dort mit einem großen rechen durch den schlamm schürfen würde wohl heute noch so einiges ans tageslicht kommen....allerdings laichen dort die fische.

widiwutsch
02.06.2010 12:22
Die Säurezünder waren an sich schon eine Sauerei...

Und bei entsprechender Lage des Blindgängers auch nach Jahrzehnten noch sehr gefährlich. Schade, dass dieses Risiko wiedermal so deutlich in Erinnerung gerufen werden musste.

Miss Deutung
02.06.2010 14:37

Was mich wundert: dass man offenbar die übliche Karenzzeit nicht abgewartet hat - oder wurde der Verzögerungszünder nicht erkannt?

widiwutsch
02.06.2010 16:03
Ich denke schon - sie muss aus heiterem Himmel explodiert sein.

Ich weiß nicht warum, aber das interessante Posting von Roman Fuchs ist nicht durchgekommen, also, hier nochmal zum Lesen:

Normalerweise keine "Säurezünder"!

Bei den Langzeit- resp. Verzögerungszündern kam meines Wissens nicht Säure zum Einsatz sondern eine Kombination aus Zelluloidblättchen (welche den Zündmechanismus blockieren) und Aceton. Auch wenn das Aceton inzwischen schon längst entwichen ist, so altert die Nitrocellulose von alleine und wird mit der Zeit einfach brüchig.

Hier geschildert anhand einer wirklich großen Bombe:
http://www.wsv.de/wsd-sw/wi... undung.pdf

Linksfahrer sind sichtbarer
02.06.2010 16:43

Wie können sie ein Posting kennen, wenn es nicht durchgekommen sein soll ?

widiwutsch
02.06.2010 16:48
Weil ich es E-Mail gekriegt habe.

Aktivierbar mit erster oder zweiter Klickbox. Natürlich macht es sich toll, wenn das fragliche Posting just dann, nach 4 Stunden aus der Mottenkiste geholt wird...

Roman Fuchs
02.06.2010 14:14
Normalerweise keine "Säurezünder"!

Bei den Langzeit- resp. Verzögerungszündern kam meines Wissens nicht Säure zum Einsatz sondern eine Kombination aus Zelluloidblättchen (welche den Zündmechanismus blockieren) und Aceton. Auch wenn das Aceton inzwischen schon längst entwichen ist, so altert die Nitrocellulose von alleine und wird mit der Zeit einfach brüchig.

Hier geschildert anhand einer wirklich großen Bombe:
http://www.wsv.de/wsd-sw/wi... undung.pdf

Scrotie McBoogerballs
03.06.2010 01:09
Bösartiger Zünder!

Wenn die gealterten Zelluloidscheiben Aufgrund einer Erschütterung brechen, geht das Ding hoch.

Hinterher ist man immer klüger, aber wäre es nicht besser so eine Bombe von vornhinein kontrolliert zu sprengen?

Oder ist es so, dass nicht immer im selben Bombentyp die gleichen Zünder verbaut wurden?

Roman Fuchs
03.06.2010 14:05

In Österreich ist das nach dem tödlichen Zwischenfall in Salzburg (2003 in der Nähe des HBf) scheinbar inzwischen Usus. So wie bei folgender "Entschärfung" 2006:
http://oesterreich.orf.at/salzburg/... es/148118/

l'apathie de la bourgeoisie
02.06.2010 10:49

Ganz blöde Frage, aber: Zählen die Toten dann eigentlich noch als Opfer des Zweiten Weltkriegs..?

phaidros
02.06.2010 20:40

na klar, genauso wie die doch nicht gezeugten und ungeborenen kinder und kindeskinder all derer, die im krieg gefallen sind. die opferzahlen steigen also noch immer exponentiell an. wir leben schliesslich in einer komplexen und vernetzten welt.

LCD
02.06.2010 19:15

Wenn einem im Museum der Saurierknochen auf den Schädel knallt, ist der auch ein Opfer der Dinosaurier?

cut back
02.06.2010 07:04

Wenn ein gewisses Risiko besteht, dass diese Bomben vor/bei der Entschaerfung explodieren koennen warum laesst man dann noch Leute ran und sprengt das Teil nicht einfach aus der Entfernung. Bzw arbeitet mit Robotern.

büro-krater
02.06.2010 11:51

haben sie den artikel überhaupt gelesen?

cut back
02.06.2010 15:46

haben sie die Folgen bemerkt?

Toni Blaher
 
02.06.2010 11:25

Dazu muss man mal hin. Die Bombe haben sie ja nicht angefasst... Mal davon abgesehen ist eine Sprengung von paar 100kg Sprengstoff in Wohngebieten generell blöd.

politisch verfolgt
02.06.2010 15:23
der vorstand

der örtlichen glaser-innung wird ihnen hier möglicherweise widersprechen.

biggi729
02.06.2010 10:35

"...Die Kampfmittel-Experten hätten aber erst Vorarbeiten zur Abtrennung des Zünders eingeleitet und noch nicht an der Bombe selbst gearbeitet. Der Blindgänger sollte mit einem neuartigen ferngesteuerten Roboter entschärft werden"

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
02.06.2010 14:12

Wenn die während der Evakuierung in der Vorarbeitsphase was machen, was eine Detonation auslösen kann, dann ist entweder ein grober Fehler passiert (Unsicherheitsfaktor neue Technologie?) oder es gehört das Prozedere überarbeitet.

Auch wenn die Frage ungeschickt gestellt ist, aus dem Artikel lässt sie sich auch nicht schließen, was da wirklich schief gelaufen ist.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
02.06.2010 19:45
Ganz explizit

"... und noch nicht an der Bombe selbst gearbeitet."

Die habe vielleicht rund herum den Müll weggeräumt, damit der Roboter dann hinkommt, oder ähnliches.

In dem Artikel steht nicht drinnen, was da schief gelaufen ist, weil - wieder explizit - drinnen steht, daß keiner weiß, was schief gelaufen ist.

Def. Izit
02.06.2010 11:08
Ja, genau das ist der heikelste Punkt


- ist der Zünder einmal weg, sind alle Beteiligten entspannter.

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