Warum Seifenschaum immer weiß ist

1. Juni 2010, 21:07
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Die Kinderuni Steyr ist mittlerweile die zweitgrößte nach Wien - obwohl die Stadt keine Universität hat

Etwa 1500 Kinder haben im vergangenen Jahr teilgenommen und Alltagsphänomene untersucht.

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Jakob weiß es gar nicht mehr so genau. Hat er schon drei- oder viermal an der Kinderuni Steyr inskribiert? Chemie und Physik interessieren den Zwölfjährigen besonders. Warum der Seifenschaum immer weiß ist, das konnte er voriges Jahr in einem Experiment selbst herausfinden. "Weil sich dauernd das Licht bricht, wie bei einer zerbrochenen Glasscheibe." Beim Seminar "Feuer und Metall" habe er sogar schweißen dürfen, und am Lagerfeuer wurde Brot gegrillt.

Seit 2004 veranstaltet das Institut für angewandte Umweltbildung (IFAU) in Steyr gemeinsam mit der dortigen Fachhochschule, dem Museum Arbeitswelt und dem Kinderschutzzentrum Wigwam in der letzten Augustwoche die vom Wissenschaftsministerium geförderte Kinderuni. Da die oberösterreichische Stadt kein Uni-Standort ist, "müssen wir uns ein Angebot zusammensuchen", erklärt IFAU-Leiter Andreas Bramberger. "Wir laden Wissenschafter, Forscher, Experten von Unis, Fachhochschulen und außeruniversitären Einrichtungen aus ganz Österreich zu uns ein." Bei den anderen Kinderunis in Österreich hingegen gestalten einzig die jeweils ortsansässigen Hochschulen mit ihren Dozenten das Angebot.

Das inhaltliche Konzept sowie das Programm der Steyrer Kinderuni wird von IFAU-Projektleiterin Sylvia Zierer kuratiert. In diesem Jahr lautet das Motto "Vielfalt". Außer interaktiven Vorlesungen, Workshops und Seminaren, die alle auf dem Campus der FH Steyr stattfinden, gibt es auch die Schlaufuchs-Akademien. "Im Zentrum steht hier nicht nur die Vermittlung von Wissenschaft und Forschung, sondern vor allem die Anwendung in der Praxis durch den direkten Austausch zwischen Experten und Kindern", sagt Bramberger. Drei Tage lang gehen bei diesen Vertiefungsprojekten "Studenten" zwischen zehn und 15 Jahren bestimmten Themen auf den Grund. Diese Schlaufuchs-Akademien finden bereits vor der eigentlichen Kinderuni (30. August bis 2. September) im Juli und an vier verschiedenen Standorten in Oberösterreich statt. Zum zweiten Mal machen heuer auch die Johannes-Kepler-Uni und alle anderen universitären Einrichtungen in Linz bei den Sommerakademien mit.

Mittlerweile ist die Kinderuni Steyr nach Wien (dieses Jahr vom 12. bis 24. 7.) die zweitgrößte in Österreich. 1500 Kinder haben im vorigen Jahr daran teilgenommen. Erstmals wurde auch ein Programm namens "Mini-Forscher" für Fünf- bis Siebenjährige sowie eines für 15- bis 17-Jährige angeboten. Bei den Kleinen sei die Nachfrage enorm gewesen, weshalb Zierer für dieses Jahr das Programm erweitert hat. Bei den Großen weniger, die man, sagt Bramberger, "mit Wissenschaft nicht mehr emotional packen kann". Volksschüler hingegen könnten sich noch für Vorlesungen wie "Mathematik der Natur - wieso Bienen Mathematik können" begeistern. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Printausgabe, 02.06.2010)

 

  • ... sie sollten vor allem mehr Mädchen als bisher in die Forschung bringen und ihnen eine Ahnung von Chancengleichheit mitgeben.
    grafik: aydogdu

    ... sie sollten vor allem mehr Mädchen als bisher in die Forschung bringen und ihnen eine Ahnung von Chancengleichheit mitgeben.

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