Im Zerrraum der Grenzen

1. Juni 2010, 21:01
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Ein Projekt des Science-Center-Netzwerks

Wenn man vor der Zeit der Computergrafik Gullivers Reisen verfilmen wollte, musste man für optische Tricks die entsprechenden Kulissen bauen: Ein sogenannter Zerrraum erscheint von einem bestimmten Punkt aus wie ein gewöhnliches Zimmer. Doch seine Kanten sind so schief gebaut, dass aus zwei gleich großen Menschen auf der einen Seite des Raums ein Riese und auf der anderen ein Zwerg wird. Im Zerrraum verschwimmt die Grenze zwischen Wahrnehmung und Realität.

Mit allen Arten von Grenzen, ihrem Zerrinnen und Überschreiten sowie ihrer Bedeutung in Wissenschaft und Technik befasst sich die aktuelle Schau "Grenzgenial" im Technischen Museum Wien (bis 4. 7.). Dort kann man nicht nur zum Zwerg oder Riesen werden. Ein an der Wand aufgemalter Stuhl gleicht einem davorstehenden echten Sessel - so lange, bis die Perspektive der Kamera verändert wird und die Täuschung auffliegt.

Vor einem sogenannten Green Screen können sich Ausstellungsbesucher vor verschiedene Bildschirmhintergründe versetzen lassen; immer weiter halbierte Holzteile zeigen, dass man sich mathematischen Grenzwerten bestenfalls annähern kann, und beim spielhaften Steuern des Teilchenbeschleunigers erfährt man, dass selbst dessen Teilchen aufgrund einer absoluten physischen Grenze nicht schneller als mit Lichtgeschwindigkeit fliegen.

Die Ausstellung ist Teil eines Projekts des Science-Center-Netzwerkes, das die Neugier auf Wissenschaften vor allem bei Kindern und Jugendlichen wecken soll. 90 Institutionen aus Bildung, Wissenschaft, Ausstellungsdesign, Kunst, Medien und Wirtschaft befassen sich mit Wissensvermittlung. So gibt es neben der Ausstellung im Technischen Museum Wien auch weitere Zonen zum Austoben und Experimentieren: Sie befinden sich in Museen, an Unis oder im öffentlichen Raum, wo an bestimmten Tagen wissenschaftlich-technische Grenzen erkundet werden können.

Bei einem Forschungsspiel auf der Webseite des Projekts kann man Punkte sammeln und Preise gewinnen. Das Ganze funktioniert ein bisschen wie Facebook: Man registriert sich, kann ein Benutzerbild hochladen und Freunde finden. In diesem Netzwerk kann aber auch jeder Forschungsaufgaben erstellen. Ausgehend von einer Beobachtung entwickelt man Forschungsfragen, dann geht es weiter zur Hypothese, zum Experiment und zur Interpretation. (Mark Hammer /DER STANDARD, Printausgabe, 02.06.2010)

 

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