Schwere Zeiten für Freunde Israels

01. Juni 2010 19:02

Langjährigen Freunden Israels fällt es zunehmend schwer, die Exzesse der israelischen Militärpolitik zu akzeptieren

Spätestens seit dem letzten Libanon-und Gaza-Krieg musste die Effizienz, Disziplin und Präzision, für die die israelische Armee berühmt war, stark in Zweifel gezogen werden. Berichte über unangemessene Gewaltanwendung gegen Zivilisten, über ungerechtfertigte Tötungen und sogar über Plünderungen untergruben die moralische Autorität des Vorgehens gegen die Terroristen von Hizbollah und Hamas.

Nun scheint es wieder zu einem unkontrollierten Drauflosknallen gekommen zu sein, bei dem mindestens neun NGO-Aktivisten, meist türkischer Herkunft, getötet wurden. So etwas erwartet man von der schießwütigen Soldateska einer Bananenrepublik - oder, leider, von brutalisierten amerikanischen Berufssoldaten im Irak oder Afghanistan - aber nicht von der hochprofessionellen Armee eines Staates, dessen internationale Glaubwürdigkeit davon abhängt, dass ihm legitime Selbstverteidigung abgenommen wird.

Die Wahrheit ist, dass es vielen langjährigen Freunden Israels zunehmend schwerfällt, die Exzesse der israelischen Militärpolitik zu akzeptieren. Die noch unangenehmere Wahrheit ist es, dass besonders unter jüngeren und gebildeteren Menschen, die im politischen Leben Europas gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und NS-Verharmlosung kämpfen, Israel schon längst keinen moralischen Bonus mehr hat, sondern dass im Gegenteil Israel als Aggressor und rücksichtslose Besatzungsmacht über gut fünf Millionen Palästinenser empfunden wird. Und zwar nicht nur von Antisemiten.

Ein Blick in die Internetforen genügt, um zu erkennen, dass die Sympathie , die Israel gerade auch unter jungen Eliten entgegengebracht wurde, so gut wie weg ist. Das ist eine verheerende Entwicklung, vor allem in Deutschland und Österreich, wo eine Verantwortung der Heutigen besteht, die furchtbaren Verbrechen der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Trotzdem müssen sich gerade die Freunde Israels schon seit längerem ein realistisches Bild von der israelischen Politik machen. Besonders die jetzige Regierung ist an einem echten "Friedensprozess" in Wirklichkeit nicht interessiert. Sie glaubt, den Status quo aufrechterhalten zu können. Das bedeutet: die Besatzung über die Palästinenser in der Westbank mehr oder minder unbegrenzt aufrechtzuerhalten; die Siedlungen, vor allem rund um Ostjerusalem ausbauen, andere Siedlungen mitten im Palästinensergebiet zumindest nicht signifikant abbauen; die Palästinenser und die Hamas in Gaza sowie die Hizbollah im Südlibanon militärisch in Schach halten. Die Sicherheitslage ist so tolerierbar, es gibt schon lange keine Selbstmordattentate mehr. So kann man auf Sicht weiterleben. Diesen komischen neuen Präsidenten in Washington muss man einfach aussitzen, der wird ohnehin nur eine Amtszeit haben.

Aus dieser Haltung, die von der Mehrheit der israelischen Bevölkerung vielleicht nicht geteilt , aber toleriert wird, ergibt sich aggressiv getönter Stillstand. Das ist nicht gut für Israels Freunde, aber noch weniger gut für Israel selbst. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 2./3. Juni 2010)

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Daniil Charms
10.06.2010 09:44

ich seh mich zB als lackmustest für die Richtigkeit von Rauschers Behauptung. Auch bei unvoreingenommener Betrachtungsweise fällt es schwer, auch nur irgendeine Rechtfertigung für Israel zu finden. Ich hatte vor 10 Jahren Verständnis und Sympathie für die besondere Situation Israels, aber seitdem sich die Falken dort so bedingungslos durchgesetzt haben, bin ich der Ansicht, dass die israelische Führung, wäre die Welt gerecht, vor ein Kriegsgericht gestellt und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit abgeurteilt werden sollten.

d_parker
08.06.2010 10:31
Rauscher konstatiert umgehend nach dem Vorfall auf der Mavi Marmara ohne Ansehens näherer Fakten "Exzesse der israelischen Militärpolitik" und stimmt damit den Chor der selbsternannten und vorgeblichen "langjährigen Freunde Israels" an, die Israel

als Projektionsfläche für ihr moral. mindf*cking nutzen. Dann doch lieber keine Freunde, sondern distanzierte Beobachter, die mit der Be- und Verurteilung warten bis die relevanten Fakten auf dem Tisch liegen.

Die von Rauscher herbeifantasierte "Sympathie , die Israel gerade auch unter jungen Eliten entgegengebracht wurde" ist bestenfalls als zeitgeschichtliche Beobachtung gültig; denn seit dem Sechs-Tage-Krieg ist die europ. pseudo-intellektuelle Linke regelmäßig außer sich darüber, dass sich der jüd. Staat gegen Aggressione wehrt.

http://www.ynetnews.com/articles/... 96,00.html

http://idfspokesperson.com/2010/06/0... june-2010/

Hans Klade2
08.06.2010 18:37

Israel wurde nur auf Kosten der Palästinenser gegründet. Das war und ist Unrecht . Israel hat den Palästinensern das Land genommen und denkt nicht daran, ihnen dieses Land oder Teile davon zurückzugeben. Deshalb kann es in diesem Gebiet niemals Frieden geben. Wäre ich ein junger Israeli, ich würde aus diesem Land, das sich in ständigem Kriegszustand mit allen seinen Nachbarn befindet, wegziehen.

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07.06.2010 08:29

Noch etwas:
Militärstrategisch ist die Besetzung der Westbank(sowie des Golan) für Israel wichtig.
Denn ein flächenmässig kleines Land ist schwerer zu verteidigen, wegen der geringeren vorwarnzeit.
Ein Land das von seinen Nachbarn bedroht wird, "MUSS" vernünftigerweise solche Überlegungen miteinbeziehen.
Es ist ja keineswegs so das sich nur die Hamas das Ende Israels wünscht. Solche Kräfte gibt es auch in den Nachbarländern und sie könnten dort in ein paar Jahren den Ton angeben.
Einen Europäer interessiert das nicht, betrifft ihn ja nicht.
Die Israelis muss das sehr wohl interessieren, daher brauchen sie umfassende Sicherheitsgarantien, sollten sie die Westbank und Golan tatsächlich aufgeben.

more more
07.06.2010 08:23
Vielleicht liegt es auch am falschen Weltbild der friedensverwöhnten Europäer

Als Begleiterscheinung des langen Friedens verdrängt man in Europa zunehmend, dass Freiheit und Sicherheit u. U. auch militärisch verteidigt werden müssen.
Aber wie soll das jemand verstehen, der glaubt, dass politisch korrekte Sprechweisen "der" Mittelpunkt der Politik sind?
Jemand, der die Bedeutung der Demographie leugnet und glaubt das Multikulti "immer" super ist, der versteht natürlich auch nicht, warum die Rückkehr der Palästinenser für Israel unannehmbar ist.

Und das sind die beiden Welten, die aufeinander prallen:
Die einen, die sich aufgrund der bequemen Sicherheit Realitätsleugnung und Träumereien leisten können, und die anderen, die sich aufgrund der realen Bedrohung solche Realitätsflucht nicht leisten können und wollen.

vogel von der walterweide
04.06.2010 13:17
zusatz, herr rauscher:

die taz über die ihh (die organisation des "hilftransports"): http://www.taz.de/1/politik... r-an-bord/

"Bereits vor einigen Jahren hatten deutsche Staatsanwälte der IHH vorgeworfen, Spendengelder nicht zu humanitären Zwecken, sondern zum Kauf von Waffen für Glaubensbrüder in Bosnien und Tschetschenien zu verwenden."

vogel von der walterweide
04.06.2010 10:54
herr rauscher, hier ihre ach so friedensliebende schiffsbesatzung: http://www.hagalil.com/archiv/20... nachspiel/

"Gruppen von etwa 40 bis 100 Türken mit keramischen schusssicheren Jacken, Gasmasken und Nachtsichtgeräten über Deck verteilt waren, jeweils mit einem Befehlshaber und bewaffnet, um die Soldaten anzugreifen. Die meisten Toten und Verletzten auf dem Schiff waren angeblich Mitglieder dieser militanten „Schlägertrupps“. Bei den Toten fanden die Israelis „Tausende Dollar in den Taschen“. Ein israelischer Reporter bezeichnete sie „bezahlte Söldner“. Insgesamt hätten die „Friedensaktivisten“ etwa eine Million Dollar mitgeführt, die angeblich der Hamas-Organisation im Gazastreifen übergeben werden sollte."

das schiff führte zudem waren mit die 20 sattelschlepper füllten, 100 transporter überqueren täglich die grenze nach gaza..

nemo sander
04.06.2010 02:08
und hoffentlich sehen sie anhand der postings, was selbst mit langjährigen

freunden passiert: einmal etwas kritik - und das ist nur die kritik die ausnahmslos ALLE staaten, sogar die USA üben - schon hämmern ihre ehemaligen freunde aus sie ein.
sie haben sogar die antiislam-linie mitgetragen (und tun es noch) aber am ende zählt das alles nichts. grigat und co. posten eifrig.

Michael Food
04.06.2010 11:43

Nachdem zwischenzeitlich public geworden ist, dass es sich bei den Free-Gaza-Aktivisten mehrheitlich um Angehörige des islamistischen Flügels der "Grauen Wölfe" handelte, eine gewaltbereite ultranationalistische Organisation, sollte das auf Unkenntnis der Lage beruhende weltweite Geheul eigentlich bald verstummen. Dass einige - zB die arabische Liga und die Türkei - weiterheulen werden, das ist klar.

1116er
03.06.2010 20:26
sorry, hr. rauscher, SIE möchte ich NICHT als freund!

ein freund macht mich nämlich rechtzeitig darauf aufmerksam, wenn mein benehmen eine erträgliche grenze überschreitet.
und (hoffentlich) haut er mir auch eine rechte grade auf die nase, wenn ich darauf nicht reagiere!

der mieseste freundschaftsdienst (den sie zwischen den zeilen propagieren!) hingegen ist das wegschauen und tolerieren von idiotien, die ein freund zuwege bringt.

ein echter freund der israelis hätte diesen schon in den 70ern unmissverständlich klar gemacht, dass ein apartheid-like-verhalten nicht tolerabel ist, und hätte bei nicht-reagieren diesem staat und diesen 'freunden' die lange nase gezeigt!

epep
04.06.2010 11:11
das sie kein freund israels sind merkt man.

apartheid könnens nicht schreiben, weils keine ist, aber unterbringen wollen sie den vorwurf trotzdem, so schreiben sie "apartheid-like-verhalten".

und nach der besetzung der westbank und des gazastreifen war es israel - und nicht vorher jordanien und ägypten! - die erstmals palästinensiche verwaltungsbeamte einsetzte! (das änderte sich erst wieder mit der 1. intifada). ägypten und jordanien, hatten niemals palästinenserInnen eingesetzt.

soviel zu ihrem "apartheid-like-verhalten"..

raymond a
03.06.2010 17:52

Auch Hans Rauscher hat sich dem „Blödsinn als Mainstream“, vor dem er immer wieder selbst gewarnt hatte, der aber in seiner Zeitung mittlerweile längst den Ton angibt, angepasst.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/06/0... ainstream/

Sushi-Fraß Fresser
04.06.2010 00:28

Ich frage mich vor allem auch, warum Rauscher Probleme damit hat, wenn sich Israel gegen eine fadenscheinige Inszenierung türkischer Islamisten und Ultranationalisten ("Graue Wölfe", "Milli Görüs") zur Wehr setzt. Die islamistische IHH hat auf ihrer Website die Passagierliste veröffentlicht. Bei diesen handelte es sich in großer Zahl um Aktivisten der BBP, dem islamistischen Flügel der "Grauen Wölfe".

germany´s next topfmodel
03.06.2010 19:32

der kommentar ist mmn sogar mehr als bloße anpassung, das ist fast schon ein outing. bisher musste rau halt proisrael sein, wegen der vergangenheit und so, aber das tat er beinahe widerwillig,weil es sein musste. jetzt nützt er freudig die gelegenheit, mit den "jungen eliten" (würg) eins zu sein.

alexander lukacs
03.06.2010 16:22
Bei allem, was ich hier gelesen habe ...

Es war zweifellos gerechtfertigt, dass die besetzten Gebiete von Israel besetzt wurden. Es ist aber nicht gerechtfertigt, dass sie über 40 Jahre gehalten, mehr oder minder annektiert und gezielt besiedelt wurden. Wenn man aber Araber und Palestinenser als Bürger zweiter Klasse behandelt, schafft man Resentiments, Unfrieden und letztlich eine Art Apartheid.

Und, nicht jede Kritik an Israel ist Antisemitismus. Die lange, vor allem von den USA, gepflogene Politik des unconditional support, schafft allenfalls Narrenfreiheit und die Gewissheit, dass man auch undurchdachte oder grundlegend dumme Politik mit Waffen durchsetzen kann. Dann bleibt nur die Gewissheit, dass weitere Generationen auf beiden Seiten zu Opfern werden.

thymianundsteine
 
03.06.2010 16:04
... noch mal zu "unangemessene Gewaltanwendung"

1. Wo ist denn bitte meine letzte mail zu diesem Thema, die zugegebenermaßen dem Kolumnisten sowie der israelischen Politik gegenüber kritisch war?
2. Zensiert jetzt auch der Standard jede kritische Meinung?
3. Es fällt auf, daß jede israelkritische Zuschrift in diesen mails als negativ beurteil wird - Zufall?

Nik M
03.06.2010 15:55
Bezeichnend An anderer Stelle in dieser Zeitung ("Zwei Seiten eines Vorfalls") - zwei externe Berichte ueber das Ereignis:

Der "pro Israel" Bericht kommt von einem israelischen Journalisten, der dabei war, der "kontra Israel" Bericht von einem oesterreichischen Linken.

Naheliegend waere, dass man einen der "Aktivisten" der Gaza-"Hilfsflotte" zu Wort kommen liesse. Allerdings ist die Sprache dieser Menschen so martialisch und voll von Hass, dass man so ein Interview nicht einmal veroeffentlichen koennte. Die Welt der Hamas-Sympathisanten ist dem oesterreichischen Zeitungsleser so fremd, dass man einen "Uebersetzer" bemuehen muss, wenn Hamas-Positionen erklaert werden sollen.

Aber Israel soll die Gruendung eines Hamas-Hass-Staates forcieren - komplett aus der Welt, diese Forderung, solange die Palaestinenser sich von Terroristen vertreten lassen wollen.

Aurvandill der Erste
03.06.2010 14:05
Herr Rauscher!

"Ungerechtfertigte Tötung"?
Was ist denn das für ein verlo*gen*es Kauderwelsch?

Na ja, Mut und Zivilcourage kann man nicht kaufen, das Zeilenhonorar ist viel zu lecker!.

Nur aufpassen, dass bei Ihnen zu Hause nicht einmal ungerechtfertigt der Wa*tsche*nbaum umfällt.

Terence Lennox
03.06.2010 16:07
nur aufpassen..

..dass es für diese drohung keinen prozess gibt, mein bester..

Gerda Soros
03.06.2010 15:46

ad Aurvandill:
Soll das eine unverhohlene Drohung sein? Spinnst du, bist du gestört?
Woraus schließt du, dass Rauscher als Journalist keinen Mut hat?
Ein ungustiöser und geistig primitiver Beitrag!

(°)(°)
03.06.2010 13:59
"... jungen Eliten ..."

Die gibts hier nicht.

der kleine Dicke
03.06.2010 13:46
Gerade bei solchen Dingen

zeigen sich dann die wahren Freunde. Und die sog. Schönwetterfreunde die die Freundschaft nicht wert sind.

das ist alles sehr kompliziert!
 
03.06.2010 18:15
"Wahre Freunde", die Beifall klatschen, wenn man sich in die Scheixxe reitet, sind aber auch nicht wirklich hilfreich...


Das erkennt man aber meist erst nachher, dass man vorher aufrichtige Freunde gebraucht hätte, die den Mut haben auch mal ein ernstes Wort des Widerspruchs anzubringen.

(jetzt unabhängig davon, dass im vorliegenden Fall die Gegenseite es wohl genau auf so einen Eklat angelegt hat und die Israelis wissentlich oder irrtümlich da reingetappt sind).

x aeins
03.06.2010 18:05

wenn euch die Windholz-Analogie nicht passt,dann halt so:
wenn sich mein Freund als windschiefer Kumpel herausstellt,werd ich ihm die Treue nicht halten
pant rhei

hamstertier
03.06.2010 16:24
an kleinen dicken

bingo!

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