Obama am Nahost-Nullpunkt

1. Juni 2010, 18:47

Der Präsident ist bescheiden geworden, doch gerade jetzt ist Führungsstärke gefragt

Unlängst in der Lobby eines Wiener Luxushotels. Es ist spätabends, und der frühere Spitzenbeamte des amerikanischen Außenministeriums ist zu müde, um aus seinem Herzen noch eine Mördergrube zu machen: "Es ist bizarr. Sie legen es beide auf einen Regimewechsel an. Obama in Jerusalem und Netanjahu in Washington. Die Beziehungen zwischen den USA und Israel sind so miserabel wie noch nie. Von einem Nahostfriedensprozess kann keine Rede mehr sein." Die Sätze fielen vor dem blutigen Zwischenfall vor der Küste Gazas. Heute müsste sie der Diplomat - so das denn überhaupt noch möglich ist - noch drastischer formulieren.

Die amerikanische Nahostpolitik ist mit der Konvoi-Krise an einem absoluten Nullpunkt angelangt. Von den Ambitionen, die Präsident Barack Obama noch zu Beginn seiner Amtszeit hatte, ist wenig geblieben. Die USA sind in der Frage des Siedlungsstopps eingeknickt, für die Palästinenser ging deswegen viel an Glaubwürdigkeit verloren. Die Israelis dagegen demütigten Vizepräsident Joe Biden bei dessen Besuch in Jerusalem mit neuen Siedlungsprojekten, schickten Mossad-Killerkommandos mit europäischen Pässen aus - und nun das Desaster mit der Solidaritätsflottille.

Die lange Reaktionszeit der US-Regierung und das verhaltene Statement zu dem Vorfall zeigen, wie ratlos man in Washington ist und wie wenig Spielraum Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton in der Frage haben. Mit Rücksicht auf die Gesundheitsreform, für die Anfang des Jahres jede Stimme im Kongress gebraucht wurde, mussten sie sich schon in Sachen Siedlungsstopp die Schneid abkaufen lassen. Nun stehen Midterm-Wahlen an, die diplomatische Vorsicht nötig machen. Nahostpolitik ist in den USA immer auch Innenpolitik. Und es gibt inzwischen viele Experten, die meinen, einen Nahostfrieden könne nur ein demokratischer Präsident (aber vielleicht akkurat nicht Obama) in seiner zweiten Amtszeit erreichen. Also dann, wenn er mehr riskieren kann, weil er nicht mehr zur Wahl steht.

So lange aber kann niemand mehr warten. Der Leidensdruck, der Kriegsdruck in der Region ist zu stark. Die USA müssen hier und jetzt Führungskraft zeigen, wie es zuletzt Israels versiertester Diplomat Avi Primor im Interview mit dem Standard gefordert hat. Indirekte Gespräche, wie sie vor einigen Wochen aufgenommen wurden, sind völlig deplatziert. Alle Beteiligten kennen einander, manche schätzen einander sogar. Jeder strittige Punkt zwischen Israelis und Palästinensern ist in den vergangenen 15 Jahren x-mal ausverhandelt worden. Was jetzt hermuss, sind politische Integrität und diplomatischer Druck, der Jerusalem und Ramallah dazu veranlasst, mit ehrlichen Absichten an jenen Tisch zu kommen, an dem schmerzhafte Entscheidungen für beide Seiten fallen müssen.

Ein erster Schritt, diesen Druck aufzubauen, ist eine internationale und unabhängige Untersuchung des Flottenvorfalls. Dafür müssen auch die USA unmissverständlich eintreten. Ein zweiter Schritt muss die Revidierung der Politik gegenüber der Hamas in Gaza sein. Wer vom Frieden spricht, muss diesen wohl mit seinen Feinden schließen. Das gilt für die Israelis wie für die Hamas. Wenn Obama diese Neuorientierung in die Wege leitet, dann hatte es einen Sinn, bis an den Nullpunkt zu gehen. Wenn nicht, dann werden wir alle noch sehr ernüchternde Zeiten in Nahost erleben. (Christoph Prantner, DER STANDARD, Printausgabe, 2./3. Juni 2010)

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Vanderbild
 
00

der friedensnobelpreis allzu früh an obama verliehen hat ihn mehr geschadet, denn genützt.in der politik
können sie nicht " everybodies liebling" sein.
"engel müssen harte hände haben" so gesehen ist
er in einer zwickmühle gelandet und so gesehen
hat es busch cleverer gemacht,er hat einfach
gesagt:nix mit schurkenstaaten,ja wer sind denn
jetzt für obama in nächster zukunft die "schurken
staaten"???
"friedensengeln habens schwer"!!!!!!



_Mercenary_
00
Obama kann umsetzen

wenn er ohnehin von Haus eine überwältigende Mehrheit im Kongress hat. Wenn es an der Kippe steht oder Führungskompetenz gefragt ist, wie hier im Nah-Ost-Konflikt - vergiß es!
Besonders aussenpolitisch ist Obama ein reiner Flop.

ikepod
10

wann wirft er bomben der gute obama?

Ein Troll
10
Man muss ja immer sehr genau aufpassen,

was zwischen den Zeilen steht.

Die Gesundheitsreform ist nur durchgegangen, weil bei den Siedlungen zurückgesteckt wurde. Das hat ein Blinder gesehn, berichtet hat es kein Medium.

Bis dato hämmert die Israelfront auf alle ein, dass es antisiemitisch sei, zu behaupten, die Juden hätten sehr viel Macht und Einfluss in den USA.

Bis dato, wird über Derartiges nicht berichtet. Aber trotzdem alles voll demokratisch - oder?

käptn iglo's rache
42
Obama ist ein schwacher Präsident!

Außer Marketing-Phrasen zu dreschen hat er nichts drauf. So wird er auch im Nahen Osten nichts bewegen können.

Obama hat nichts ereicht in
:: Irak
:: Afghanistan
:: Schuldensituation USA
:: Gesundheitsreform (ist nur ein Gemurckse)
:: Guantanamo
:: Naher Osten

Nur leere Phrasen! Leider.

Schäferhund vom Pavillon E
02
Guantanamo ist das wirklich einzige wo ihn Verantwortung trifft.

Irak und Afghanistan:
Das ist eine Herkulesaufgabe, die nicht in einem Jahr passiert. Ausserdem wurde bereits immer mehr im Irak übergeben.

Schulden:
Die Wirtschaftskrise ist ein globales Phänomen und die Schulden sind unter Bush explodiert.

Gesundheit:
In Amerika trotz suboptimaler Lösung so revolutionär wie in Österreich die Abschaffung der Bundesländer.

Naher Osten:
Was soll man den im Nahen Osten erreichen? Die glorreichen Erfolge der Vorgänger wiederholen? Ohne ein Einlenken Israels kann die USA keine Lösung erreichen.


Aber sie wollten wahrscheinlich ohnehin keine wirklichen Argumente bzw. eine Diskussion.

John Malkovich
21

dieses Posting ist bereits eine leere Phrase...

Odo
01

Ihr Namensvetter ist aber auch nicht gerade von Präsident Obama begeistert.

http://www.focus.de/panorama/... 13551.html

"Zu Obamas Amtszeit sagte Malkovich: Obama hatte jetzt ein Jahr Zeit – und?“

CraigK
01

I'm not sure why you'd say that. Even some of his most enthusiastic supportors are disappointed in Obama. (I didn't vote for him so I'm in a position to say "I told you so")
The list of his failures to date seems beyond dispute.

käptn iglo's rache
11
na dann ...

... erzählen Sie doch die erfolgsgeschichte des barack obama auf. Was hat er bis jetzt geleistet?

_Mercenary_
00

Er ist schwarz, nett und jung.

Karl-Heinz Rumgedisse
01
Israel muss sich wirklich keine Sorgen machen, es kann weiterhin die gewohnte “Sonderrolle“ im Nahen Osten einnehmen und wird sich auch auf den Protektionismus der USA verlassen können…

VP Biden tells Charlie Rose that the Israel Navy might not have needed to drop commandos onto the Gaza-bound ship, but insists that Israel is entitled to defend its security. -> http://tinyurl.com/25bbr3t

Obama - ein gescheiterter Präsident
145

Obama ist nicht am Nullpunkt angekommen, sondern längst im Minusbereich. Aber nicht nur in Nahost, sondern generell mit seiner verfehlten Politik. Obama sollte sich ein Beispiel an Köhler und Hatoyama nehmen und endlich abtreten.

Vorpotsky
12
Schön, dass sich Leute einen neuen Nick geben,

nur um alten Schwachsinn vom Stapel zu lassen.

günter frank
10
das....

.....kannn nicht einmal für dich in Anspruch nehmen "alter Schwachsinn" zu sein, das ist weniger, - das ist einfach gar nix.

campanula
12

du liebe zeit, ein profunder kenner amerikas und der amerikanischen politik hat gesprochen! super analyse mit unbestechlichen details!

Geh!danke
02
Frage: Wer braucht den anderen mehr, Israel oder die USA?

Totaler Durchblicksstrudel
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Das ist eine furchtbar dumme Vereinfachung. Dass machen Menschen meinetwegen in ihrer Beziehung so fragen, ok, besonders gescheit ist das aber nicht.
Du stellst eine Frage die kaum zu beantworten ist.
Beziehungen, insbesondere natürliche internationale Beziehungen zwischen Staaten, müssen anhand vieler verschiedener Facetten bewertet werden. Selbst damit kommt man nicht zu einem endgültigen Ergebnis, müsste man Beziehungsänderungen auch noch auf ihre Auswirkungen auf andere Beziehungen hin untersuchen (Was-wäre-wenn).
Darum tun sich z.B. schwache Länder auch viel leichter. Die haben, wie Venezuela. Iran oder auch Kuba nicht viel zu verlieren.
Je größer und einflussreicher, umso schwieriger wird dieses Spiel. China lernt es gerade!

so ises
06
Die USA brauchen Israel gar nicht

aber die US-Politiker können (oder wollen) auf die Israel-Lobby nicht verzichten.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
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die USA brauchen Israel sehr wohl.

Enrico Furioso
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in welcher Hinsicht?

Karl Buschina
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Die USA sind ein Tanzbär mit israelischem Nasenring.,.

Herzerzog Johann
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Und welchen Vorteil hätten die USA ...

... denn eigentlich, wenn sich am status quo in der Region irgendetwas ändern würde? Für Israel gilt das Gleiche. Also wird sich nichts ändern.

Totaler Durchblicksstrudel
00

Zumindest für Israel hätte es enorme Vorteile. Ganz abgesehen von der Sicherheitsfrage, alleine die Wirtschaft würde extrem davon profitieren.
Für die USA würde die Terrorfrage maßgebliche beeinflusst werden. Es gibt dort Leute, die tatsächlich glauben, ohne den Nahostkonflikt würde dem Terror das Feuer ausgehen. (Meiner Meinung nach übertrieben). Die Konfliktlösung würde die gesamte Region stabilisieren, das Öl könnte laufen. Usw. usf.!

Walter KURTZ
 
23

Da ist Obama teils selbst schuld, weil er einen Zickzackkurs fährt und v.a. den Palästinensern das Gefühl gibt, sie brauchen erst einmal rein gar nix zum Frieden beitragen.
Das Wichtigste am ganzen Vorfall ist aber die Rolle der Türkei, die immer mehr die Führungsrolle im Nahen Osten in Anspruch nimmt und Allianzen schmiedet (v.a. mit Syrien und dem Iran), die der USA nicht allzu geheuer sein dürften.

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