Wie alte Freunde der Hypo aus der Patsche halfen

Renate Graber , 1. Juni 2010, 18:46
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    foto: r. hendrich

    2004 brauchte die Hypo unter W. Kulterer Eigenkapital. Das kam zunächst über Kreditnehmer der Hypo Liechtenstein.

Die Vorzugsaktionäre der Hypo Leasing, die der Kärntner Bank-Tochter 2004 Kapital zuführten, waren alte Weggefährten

Die Vorzugsaktionäre der Hypo Leasing, die der Kärntner Bank-Tochter 2004 Kapital zuführten, waren alte Weggefährten. Ihren Schnitt machten sie 2009, als die Bank die Aktien zurückkaufte.

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Wien - Die Aufräumungsarbeiten in der Kärntner Hypo Alpe Adria werfen immer wieder Licht auf Stellen, die bisher im Dunkel lagen. Ermittlungen laufen auch in Liechtenstein, wo die Hypo Group eine Tochterbank hat. Die Bank in Schaan, über die viele fragwürdige Deals liefen, wird derzeit liquidiert. Einer der Ex-Manager ist noch als Konsulent dabei.

Bank-Dokumente erhellen nun auch die Hintergründe jener Kapitalerhöhung des Jahres 2004, die die Notenbank (OeNB) in einer Vor-Ort-Prüfung im Mai 2007 analysiert und kritisiert hat, weil sie vermutete, dass dabei Hypo-eigenes Geld im Kreis gedreht wurde. Der Aufsicht waren damals wesentliche Details nicht bekannt; nun apern sie heraus.

Die Vorgeschichte: Der Hypo-Konzern litt unter Eigenkapitalschwäche; also führte man 2004 eine Kapitalerhöhung (100 Mio. Euro) bei der Hypo-Leasingtochter HLH durch. Sie begab Vorzugsaktien; gekauft haben elf Investoren über diverse Vehikel; 55 Mio. Euro wurden von der Kärntner BC Holding AG gezeichnet. Die Gesellschaft heißt heute Best Invest Holding AG, Vorstand ist Anwalt Gerhard Kucher. Finanziert war das Ganze mit einem Kredit der Hypo Liechtenstein, der über elf Anstalten in Liechtenstein und ein Vehikel auf den British Virgin Islands floss.

Die Identität der übrigen sechs Vorzugsaktionäre, die das Geld für die Kapitalerhöhung (40 Mio. Euro) laut Prüfbericht ebenfalls über Kredite bekommen hatten, konnte die Aufsicht damals nicht eruieren. Die Prüfer: "Unter Berufung auf das liechtensteinische Bankgeheimnis konnten Auskünfte ... seitens Bank und Aufsicht nicht erteilt werden."

VCP finanzierte mit

Tatsächlich gehören die Vorzugsaktionäre allesamt zum Kreis der guten Hypo-Bekannten rund um die Ex-Bankchefs Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger. Zehn Mio. Euro hat die Privatstiftung Annagasse gezeichnet, fünf Mio. die Collegia Privatstiftung. Stifter der Annagasse sind die Wiener VCC GmbH und die Annagasse Anstalt; erstere gehört zur Gruppe der Vienna Capital Partners (VCP) unter Investmentbanker Heinrich Pecina. Die VCP hat die Hypo einst vor allem in Kapitalmarktfragen beraten. Pecina ist auch Stifter der Collegia.

Auch die MA Privatstiftung (zeichnete zehn Mio. Euro) ist Hypo-nahe: Stifter waren Vladimir Bernes, Gabriel Hermann (ein Steuerberater und Geschäftsfreund Striedingers) und Anwalt Kucher. Auch die Stifter der OGK Stiftung (zehn Mio. Euro; heute: Gandalf Privatstiftung) sind in der Hypo als Ex-Kunden gut bekannt: Miro Oblak ist einer von ihnen. Er und Ex-Hypo-Kunde Vuk haben zudem 2,5 Mio. Euro bzw. zwei Mio. Euro selbst gezeichnet.

Das Geld für die Kapitalerhöhung floss über Katarakte: Zwei Aktiengesellschaften (Macara Invest und Mitar) nahmen bei der Hypo Liechtenstein um vier Prozent je zehn Mio. Euro Kredite auf und gaben sie an die OGK bzw. MA Stiftung (zinsenlos) weiter. Die beiden AGs wurden übrigens von Herbert Lackner gegründet, dem Ex-Gutsverwalter von Wolfgang Kulterers Dienstlgut (gehört heute seiner Ex-Frau). Der Schnitt für die Kapitalzeichner ergab sich zunächst aus der Vorzugsdividende: 6,25 Prozent.

Bei Annagasse bzw. Collegia waren die Schweizer Partner Marketing AG bzw. die Wiener ABG Treuhand GmbH mit Hypo-Liechtenstein-Krediten um vier Prozent zwischengeschaltet. Die Konten all dieser Kreditnehmer waren allesamt zwischen 2. und 22. Juli 2004 in Schaan eröffnet worden. Im September 2007 wurden die Kredite dann zurückbezahlt; über die Hypo Group Alpe Adria bzw. (im Fall OGK und MA Stiftung) über die BA-CA. Die Umschuldungen waren durch das Einschreiten der Aufsicht notwendig geworden. Die hatte nämlich den Kreislauf Bankkredit-Kapitalerhöhung harsch kritisiert und bei der Anrechnung des Geldes als Hypo-Eigenkapital Mätzchen gemacht.

Ausgestiegen sind die Vorzugsaktionäre erst im Vorjahr, in der Ära Franz Pinkl. Sie hatten nämlich wasserdichte Call-Optionsverträge mit der Bank geschlossen, wonach sie die Aktien frühestens 2009 zurückkaufen konnte. VCP-Chef Pecina zu alledem: "Die Stiftungen haben der Bank damals bei einer Kapitalerhöhung geholfen. 2009 hat die Bank die Vorzugsaktien eingeholt, so war das im Vertrag immer vorgesehen."

So kam es, dass die Kärntner Hypo 2009, kurz bevor sie der Steuerzahler retten musste, noch 200 Mio. Euro an Vorzugsaktionäre ausgeschüttet hat. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2010)

 

Kommentar posten
17 Postings
mbli
02
Anwalt Gerhard Kucher

"ein Anwalt, der halt kann was" (R. Fendrich)
Aber schön, dass dieser Herr nun in einem Artikel zweimal genannt wird.

BankerXXX_IQ160
00
Noch ein Deail am Rande:

A.Oblak (Ex-Hypo Consultants Direktor) ist der Sohn vom Skandalkunden (und Ex-Aktionär?) Miro Oblak - na bravo!

BankerXXX_IQ160
01
Detail am Rande:

Herbert Lackner war nicht nur Gutsverwalter vom Kulterer sondern ist auch Schwager vom Striedinger...so schließt sich der Kreis :-)

A. E. Neumann
00
Vorzugsaktionäre

In der österreichischen Form des "Neoliberalismus" ist wichtig, dass "Vorzugsaktionäre" bedient werden, bevor deren Aktiengesellschaft Pleite geht oder die Aktien nichts mehr wert sind. Still und lächelnd wird von der kleinen Elite der Besitzenden in Österreich das Eigentümerrisiko an die Steuerzahler "outgesourced". Und diese wählen ihre Henker immer wieder aufs neue. Rot (die "Hauptsache Kanzler" Steigbügelhalter) und Schwarz (die "CSI Hypo" Banksterfreunde) werden auch in der nächsten Wahl nicht abdanken, den unweigerlichen Stimmenverlust wieder als grandiosen Sieg verkaufen und weiterwursteln. Und zwar solange, bis sie gemeinsam unter 50% fallen.

der d
00
aber hauptsache auf die "faulen griechen" schimpfen.

der elch mit dem kelch
02
geh bitte

Das was da jetzt "ausappert" - eine sehr schöne Umschreibung übrigens - ist nur die Spitze des Eisbergs und gibt nur andeutungsweise Einblick in das Funktionieren des "österreichischen" Weges.

UHFinMi hat auf Druck der Banken die Hypo übernommen, weil sonst hätten Sie den Bankensektor direkt unterstützen müssen und damit auch was zum mitreden gehabt. Und das will ja Raiba und Co sicher nicht. Im grösseren Stil genau so passiert mit Griechenland: Man rettet ein Land, nur um nicht die Gläubiger blossstellen zu müssen (auf Drängen der Gläubiger natürlich) damit diese auch genauso weiterwerken können wie bisher.

Rezitator
03
hochgelobtes Öster -?reich

Günstlings- und Freunderlwirtschaft wohin man schaut... Die FMA und Konsorten etc. haben nichts gewußt - weggesehen?

Antipode
02
Investoren Glück

Die Rückabwicklung hat man sich leider gespart , wohl aus Rücksicht auf den Steuerzahler . Es ist schon sehr grauslich , welche Mittel da eingesetzt werden und sich kein Staatsanwalt einschaltet . Die ÖNB und FMA sind wohl Mitspieler ......

Newton Heath
00
Standard, woher kommen diese Informationen?

super web checker
04

Die beschriebenen Finanzierungstransaktionen zeigen, dass sich ÖNB und die Regierung ganz einfach täuschen lassen haben.
Der eigentliche Skandal ist aber, dass Pröll Steuergelder genommen hat um den ganzen Mist zu bezahlen. Und das auch nur, weil Raiffeisen bei einem Hypo Konkurs Geld verloren hätte.
Die Verantwortlichen leben noch: Kulterer, Striedinger, Pröll: sie müssen für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen werden.

a number only
00

würd mich interessieren: warum hätte Raiffeisen bei einem Hypo Konkurs Geld verloren? Was sind die Hintergründe?

super web checker
00

einfach googeln, dann finden Sie es schon

a number only
00

Scharinger?

die dunkle seite der nacht
02
Leistung muss sich wieder lohnen!

und nebenbei:
es gilt die Unschuldsvermutung.

Werter1
04
Hier

wird ihnen geholfen. 200 Mio. Euro mehr für den steuerzahler kurz vor torschluss.

mala leche
010
Und nicht vergessen!

Mit "systemrelevant" -und "wir-können-es-uns-nicht- leisten-ein-Bundesland-Pleite-gehen-zu-lassen"-"Apellen", hat nicht nur der jetzige Finanzminister diese Machenschaften indirekt gedeckt und all den Steuerzahlern "umgehängt"! - Diese und andere "Machen und Seilschaften" hätten bei gutem Willen, und im Sinne der österr. Steuerzahler schon viel früher aufgedeckt werden können; war aber scheint's wohl so nicht "erwünscht". - Übrigens, wo sind die 100 "Soko-HAA-Agenten" des FM? Aus dem Artikel geht nicht hervor, wer jetzt was 'rausgefunden hat. Blickt der Standard da auch nicht mehr durch????

Der sich den Wolf tanzt
031
unglaublich!


und ich kann mich noch erinnern, wie erbost ich über den "credit by plastiksackerl" fürn gerharter.

was die braunen in nordslowenien aufgeführt haben sollte man allen steuerzahlern extra ausrechnen und mit einem eigenen erlagschein zahlen lassen, damit auch der dümmste braunwähler versteht, was "politik des kleinen mannes" heißt!

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