Nahost-Friedens-Gespräche

Washington auf der Achterbahn

1. Juni 2010, 18:45
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    foto:apa-foto: helmut fohringer

    Wie etwa vor der israelischen Botschaft in Wien (li.) und in New York (Bild oben). Sie forderten ein Ende der Gaza-Blockade und Sanktionen gegen Israel.

Eigentlich wollte der US-Präsident in dieser Woche das Kriegsbeil mit dem israelischen Premier Netanjahu begraben und auf ein neues Kapitel im Nahost-Friedensprozess drängen

Daraus wird nun nichts. Experten raten Obama zum Umdenken.

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"Kiss and make up", hieß das Motto des Tages, küssen und Frieden schließen. Barack Obama wollte den roten Teppich ausrollen, unterm Porträt Abraham Lincolns im Oval Office angeregt plaudern mit Benjamin Netanjahu, demonstrativ Versöhnung signalisieren. Es ging um die Bilder. Sie sollten den Affront im März vergessen lassen.

Damals empfing der amerikanische Präsident den israelischen Regierungschef so eisig, wie man einen Paria empfängt, aber keinen Verbündeten. Keine Presse, kein Plausch vorm Kamin, kein Händedruck für die Fotografen. Am Dienstag wollte Obama das Kriegsbeil begraben, hinter den Kulissen sicher auch kritische Töne anschlagen, davor eher kooperative.

Daraus wurde nichts, weil Netanjahu seinen Nordamerikatrip schon in Kanada abbrechen musste. Der israelische Angriff auf einen Schiffskonvoi nach Gaza stempelte nicht nur die sorgfältig ausgetüftelten Reisepläne zu Makulatur, er warf auch die amerikanische Nahostdiplomatie empfindlich zurück.

Verhalten optimistisch

George Mitchell, der Sonderbeauftragte für die Krisenregion, müht sich ab, die vor kurzem aufgenommenen indirekten Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern in Schwung zu bringen. Neuerdings klingt der alte Hase verhalten optimistisch. Für Mittwoch hatte er sich auf einer Investorenkonferenz in Bethlehem angesagt, nicht nur, um über Investitionen zu reden, sondern vor allem über den Friedensprozess. Ob es dabei bleibt, steht in den Sternen. Karikaturisten zeichnen Mitchell mit erschrockener Miene auf einer Achterbahn - eine Metapher für den unendlich mühseligen Vermittlungsversuch.

Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, da beschwor Obama in Kairo den historischen Ausgleich mit der islamischen Welt. Wie frustriert das Weiße Haus ist, weil konkrete Fortschritte ausbleiben, lässt sich an Kommentaren regierungsnaher Strategen ablesen. Die sitzen hinter keinem Kabinettsschreibtisch mehr und können offener reden als Sprecher der Administration, Fehler beim Namen nennen.

Der Zwischenfall im Mittelmeer füge dem Ansehen Israels schweren Schaden zu, betont Martin Indyk, Außenpolitik-Direktor der Brookings Institution, der führenden Denkfabrik der Demokraten. "Zugleich unterstreicht er, dass sich die Blockade des Gazastreifens nicht durchhalten lässt." So deutlich wie der Ex-Botschafter in Israel, ein enger Vertrauter des früheren US-Präsidenten Bill Clintons, will es das jetzige US-Staatsoberhaupt aus diplomatischer Rücksicht nicht sagen.

Robert Malley, Nahostexperte des Think-Tanks International Crisis Group, sieht die Verhandlungen in einer Sackgasse, solange sie den "riesigen Dorn" namens Gaza ausklammern. Auf lange Sicht müsse auch die Hamas in den Dialog einbezogen werden, kurzfristig jedoch nicht, denn dies würde die Fatah von Mahmud Abbas schwächen, jene Fraktion, die Israels Existenzrecht im Unterschied zu den radikalen Islamisten ausdrücklich anerkennt.

Indyk wiederum rät der Administration, schrittweise mit der Hamas ins Gespräch zu kommen, anfangs über praktische Alltagsfragen. Das State Department müsse an einem Deal für Gaza basteln, die Hamas auf Attacken gegen Israel verzichten - und Israel die Blockade aufheben. Eine Aufhebung forderten am Dienstag auch viele Politiker aus aller Welt, unter anderen gaben die EU und Russland entsprechende Erklärungen ab.

In der Realität angelangt

Aaron Miller, noch einer aus der Veteranenrunde von Clintons Nahostemissären, sieht Obama nach monatelangen Experimenten auf dem Boden der Realität angelangt. "Die Regel ist: Arabisch-israelischen Frieden bekommen Sie nicht, indem Sie einen Krieg mit dem israelischen Premierminister anzetteln." Frieden zu schließen sei auf Seiten Israels schon immer die Sache harter Burschen gewesen, so Miller, eine Sache der Falken: "Menachem Begin, Yitzhak Rabin, Ariel Sharon und - vielleicht - Benjamin Netanjahu". (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.6.2010)

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12 Postings
Muro
02
tolle Propaganda

Die Standard Fotowahl ist ja wiedermal sehr gut gelungen. Frage mich wieso es keine Fotoaufnahmen von den Israelis gegeben hat, die während der Gaza-Offensive dieses Ereignis aus sicherer Entfernung bei einem schön Picknick genossen haben...

das liebe urmili
00
gibts ein Kommentar von Obama zum Anschlag der Israelis?

Sonst gibt er doch auch zu allem seinen Senf dazu...

gladio
01

Er fordert angeblich eine Untersuchung, hat aber bei der Abstimmung darüber mit nein gestimmt. -.-

77 88
21
Obama ...

... es reicht nicht, aller Menschen Freund zu sein. Positionen sind so wichtigt, wie die Luft zum Atmen. Nur wer weiß, wie er eine Lage bewertet und auch WARUM!!!!, der kann verhandeln. Wo sind die klaren Worte des großen Rethorikers gegen die Hamas, die ihre eigene Bevölkerung ermordet und unterdrückt? Wo sind die klaren Worte zu der HisbAllah, die den Süden des Libanon als Geisel nimmt, von dort aus Israel angreift und sich dann hinter die Südlibanesen versteckt, wenn Israel zurück schlägt.
Eines ist sicher: Obama wird als Zauderer in die Geschichte eingehen, wenn sich das nicht ändert.
Schade, denn das phantastische Zeichen, dass ein nicht weißer Amerikaner Präsident werden kann, wird dadurch nicht hoch gehalten.

Stephan Schaefer
 
11

--- Wo sind die klaren Worte zu der HisbAllah, die den Süden des Libanon als Geisel nimmt,


Weil es diese Geiselnahme NICHT gibt!

Fragen Sie die Libanesen und/oder fahren Sie selbst in den Süden Libanons und hören sich um.
Englisch müsste ausreichen aber besser wäre die arabische Sprache!

Mfg

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
00

nd plangemäß ist der friedensprozess wieder einmal im eimer. genau wie netanjahu es braucht...

Kuehlschrank .
 
110
Auch wenn Obama nicht Netanjahu getroffen hat

so hat zumindestens die israelische Grenzpolizei eine US-Aktivistin getroffen.

http://palsolidarity.org/2010/05/12604/

Karl Heiden
07
Obamas Stabschef Rahm Emanuel

mit seinen familiären Verbindungen nach Israel wird die Sache schon wieder applanieren und für eine Beseitigung der Verstimmung sorgen. Da wäre ich nicht so beunruhigt ...

David Axelrod
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Nach der ernennung Emanuels zum Stabschef meinte sein Vater: "Er ist schließlich kein Araber, er wird nicht den Boden putzen im Weißen Haus"

Nur damit wir wissen mit welchen Schlag von Menschen es wir zu tun haben. Widerlich

Captain Future
03
Wunderbar - Sippenhaftung is back!

Com Pirx
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Andere zitieren genauso gern den Opa herbei.

Plasmaball
03
"Die Regel ist: Arabisch-israelischen Frieden bekommen Sie nicht, indem Sie einen Krieg mit dem israelischen Premierminister anzetteln."

Wie meinen? Welche Nation hat denn am 1.6.2010 im UN-Sicherheitsrat sein Veto gegen eine Bestrafung Israels eingelegt? Doch wohl die VSA!

Das ist ja wohl mehr als scheinheilig was der da ablässt!

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