Ein Spielort auch im Wortsinn

1. Juni 2010, 18:11
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Zum Auftakt der steirischen Regionale: Die Ausstellung "Play Admont"

Admont/Liezen - Der Garten des Benediktinerstifts Admont ist voll von Merkwürdigkeiten, wie einem Niedersitz mit Anleitungen zum Wildern von Hans Winkler oder einem Unsichtbaren Garten für alle Sinne von Johannes Deutsch. Hier wird eben auch nach 1000 Jahren konsequent zeitgenössische Kunst gesammelt.

Nun ist das Stift einer der Hauptspielorte der zweiten steirischen Regionale (mit einem Budget von 4,7 Millionen Euro). Unter der Intendanz von Dietmar Seiler soll Liezen, der größte Bezirk Österreichs, bis 14. August das kulturelle Zentrum der Steiermark sein. Das Stift Admont erweiterte für die von Michael Braunsteiner und Christine Peters kuratierte Sonderausstellung Play Admont die ständige Sammlung mit Arbeiten, die großteils einen verspielten, oft interaktiven Zugang zur Kunst verfolgen.

So spinnt etwa Martin Walde mit The Web (Spider), einer Arbeit, die schon bei mehreren europäischen Ausstellungen zu sehen war, im alten Klostergewölbe seine Netze oder lässt vielmehr spinnen: Bei der partizipativen Installation kann jeder Besucher eine oder mehrere bunte Zwirnspulen über ein überdimensioniertes, an Spinnenbeine erinnerndes Metallgestänge werfen, bis über Wochen und Monate ein dicht verwobener Baldachin entstanden ist.

Wenige Räume entfernt steht der Life Writer von Christa Sommerer und Laurent Mignonneau: eine wunderschöne antike Schreibmaschine, auf der man schreibend über eine computergesteuerte Sinnestäuschung kleine Tierchen entstehen lassen kann.

Die ein bisschen wie Pantoffeltierchen aussehenden Schattenwesen krabbeln über das erleuchtete Papier auf der Walze. Gott spielend kann der Besucher durch verschiedene Buchstabenkombinationen verschiedene dieser Kreaturen erschaffen und zusehen, wie sich die gedruckten Buchstaben auch wieder aufessen oder sich selbst vermehren.

In der größten Stiftsbibliothek der Welt wird auch den ganzen Tag geschrieben. Nur nachts darf der Robotlab, ein Roboter, der von Matthias Gommel, Martina Haitz und Jan Zappe programmiert wurde, pausieren. Tagsüber schreibt der zuletzt auf der Ars Electronica ausgestellte moderne Buchmaler das Neue Testament, bis 7. November wird er damit fertig sein.

Julius Deutschbauer brachte seine Bibliothek ungelesener Bücher mit nach Admont, Erwin Wurm seine One-Minute-Sculptures aus rosa Platten mit Anweisungen. Eine der wenigen für die aktuelle Schau geschaffenen Arbeiten ist Tim Etchells Unnatural History: A Reading of Spaces, für die sich der Performer der britischen Gruppe Forced Entertainment skurrile Geschichten zu einzelnen ausgestopften Tieren oder menschlichen Skeletten aus der naturhistorischen Sammlung des Stifts ausdachte.

Am Mittwoch wird das Festival offiziell mit der Komposition und Inszenierung Anstimmen in Trieben, wo nicht nur Menschen musizieren werden, sondern auch Architektur musiziert, eröffnet. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 2./3. 6. 2010)

  • Nur nachts macht der Buchmaler-Roboter Pause.
    foto: robotlab

    Nur nachts macht der Buchmaler-Roboter Pause.

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