Neues Gütesiegel für die Hauptschulen

1. Juni 2010, 18:05
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Um den Frust an jenen Schulen, die nicht Neue Mittelschule werden durften, zu nehmen, wartet Oberösterreich mit einem Zertifikat auf

Linz - Von einem "run" auf das Zertifikat "OÖ Schule innovativ" spricht Oberösterreichs Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP). Wegen des großen Interesses haben die Grünen ihre anfänglich ablehnende Haltung geändert. Die SPÖ hält jenes Gütesiegel nach wie vor für "fragwürdig". 66 von 244 Hauptschulen im Land haben sich für "OÖ Schule innovativ" angemeldet. Am 9. Juni werden bei einer Auftakveranstaltung den Bewerbern die Kriterien für dieses Zertifikat näher erläutert.

Nachdem mehr als die Hälfte der Bewerber nicht am bundesweiten Schulversuch "Neue Mittelschule" teilnehmen können (nur 26 von 55 Anträgen wurden genehmigt ), entwickelte Hummer gemeinsam mit dem Landesschulrat eine Alternative. "OÖ Schule innovativ" heißt ihr Angebot, das sich grundsätzlich an alle Schulen der Sekundarstufe 1 richtet. Grundsatzidee für das Zertifikat sei gewesen, dass die Schulen einen "neuen Weg der Schulentwicklung" (Hummer) einschlagen. Wie dieser genau aussehen soll, liege in der Eigenverantwortung der Schule, die Landesrätin erwarte standortspezifische Konzepte. Denn eine Reform "von oben nach unten funktioniert nicht".

Das Land gebe den Schulen lediglich Eckpunkte für ihre Konzepte vor. Deren Einhaltung werde jedoch von Bildungsexperten geprüft und die Umsetzung an den Schulen evaluiert. Die Kriterien lauten: Weg vom Lehren, hin zum Lernen in leistungs- und schulstufenübergreifenden Gruppen. Weiters Erkennen und Fördern von Begabungen und Stärken. Denn derzeit laufe Hummers Ansicht nach im Schulbetrieb eines grundsätzlich falsch: "90 Prozent der Energie wird dort gebunden, wo die Schwächen sind."

Engagement als System

Ergänzend zur Notenbeurteilung muss es an zertifizierten Schulen zweimal im Jahr differenzierte Leistungsbeschreibungen über die Talente der Kinder geben. Weitere Eckpunkte: Fortbildungen, aber nicht nur extern in Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen, sondern auch schulintern. Engagierte Lehrer sollen ihr Wissen im Kollegium weitergeben, damit das Engagement zum System werde, und die - vor allem von den Eltern gemachte - Differenzierung zwischen guten und schlechten Lehrern wegfalle. Dazu diene auch die für das Zertifikat vorgeschriebene Stärkung der Schulpartnerschaft, denn derzeit passe "die Kommunikation mit den Eltern nicht" , meint Hummer. Schule sei nicht transparent, niemand wisse, was dort geschehe.

"Wir Grünen unterstützen dieses Konzept, denn es kommt Schulen zu Gute, die neuen Bildungsideen offen gegenüberstehen" , betont der Grüne Klubobmann Gottfried Hirz. Allerdings fordert er als weiteres Kriterium für das Zertifikat das Angebot einer qualitativen Nachmittagsbetreuung an den jeweiligen Schulen. Anfänglich hatten die Grünen das Zertifikat abgelehnt. Das Land solle die Schulen finanziell unterstützen, lautete die Kritik.

Die SPÖ sieht in der "OÖ Schule innovativ" keine Alternative zur Neuen Mittelschule. Klubchef Karl Frais: "Das ist gängige Schulentwicklung, ein vom Land verliehenes Pickerl kann kein Ersatz sein." (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Printausgabe, 2./3. Juni 2010)

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