Wilde Sandkastenträume

1. Juni 2010, 17:19
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Zehn erfolgreiche MigrantInnen wollen bei einem Projekt der Grünen Jugendliche "raus aus der Opferrolle" holen

Eigentlich hätte Emel Yahsi hauptberuflich Ehefrau und Mutter werden sollen. Zumindest wünschten sich das ihre Eltern. Glück wollte es, dass sie ihren Großvater bei der Arbeit besuchte. In der Türkischen Botschaft, deren Hausmeister er war, lernte sie eine der Diplomatinnen kennen. „Eine super Frau" sei das gewesen: Eine Türkin, die es „weit gebracht" hatte. Yahsis Ehrgeiz war geweckt . Heute ist die studierte Politologin als Lehrbeauftragte an der FH Joanneum in Graz tätig - und wird bald ihr eigenes Unternehmen für Qualitätsmanagement gründen.

Sie weiß, dass ihr das ohne ein Vorbild kaum gelungen wäre. Nun will sie selbst als Beispiel voran gehen: Mit den Wiener Unternehmern Hans Arsenovic und Edip Bayizitlioglu sowie Grünen-Migrationssprecherin Alev Korun hat sie ein „Mutmach-Projekt" für WienerInnen mit Zuwanderungs-Hintergrund ins Leben gerufen. Das Ziel laut Korun: „Nicht nur Alfred Gusenbauer soll Sandkasten-Träume haben dürfen." Der Ex-Bundeskanzler hatte seinen späteren Job als Regierungschef laut eigenen Angaben schon als Kleinkind phantasiert.

"Raus aus der ewigen Opferrolle"

„Wir wollen, dass alle Kinder in Österreich es wagen dürfen, Bundeskanzler, Rechtsanwältin oder Arzt zu werden", sagt Korun. Viele Sprösslinge aus Migrantenfamilien hätten Angst davor, zu wild von zukünftigen Karrieren zu träumen - denn Medienberichte, Klischeebilder und der Mangel an Vorbildern veranschaulichten ihnen, dass sie es „eh nicht schaffen können". Stimmt nicht, meint Arsenovic: Er will vor allem jene Jugendlichen ansprechen, die schon resigniert hätten. Ihnen will er sagen: „Genau an diesem Punkt war ich auch einmal. Und dann hab ich das und jenes gemacht, und schaut, wo ich heute stehe." Sein Vorbild solle dazu beitragen, dass junge MigrantInnen „raus aus der ewigen Opferrolle kommen". 

Derzeit stehen beim grünen „Mutmach-Projekt" zehn erfolgreiche MigrantInnen zur Verfügung. Laut Alev Korun reiche ein Anruf in der Wiener Parteizentrale, um eineN der Erfolgsträger zu „buchen". Je nachdem, ob es eine Gruppe von Lehrlingen oder ein Frauenverein sei, stelle man dann eineN oder mehrere Role models zur Verfügung, sagt Korun. Eine eigene Projekthomepage für Online-Buchungen sei in eineinhalb Monaten fertig - bis dahin könne telefonisch arrangiert werden. Ermöglicht wird das Projekt durch Zeitspenden der Teilnehmenden und Finanzierung der Grünen Partei. (mas, derStandard.at, 1.6.2010)

  • Die Grünen sehen ihr Mentoringprogramm als "Mutmach-Projekt".
    foto: standard/corn

    Die Grünen sehen ihr Mentoringprogramm als "Mutmach-Projekt".

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