Hohe Konzentration der F&E-Ausgaben bei Firmen

1. Juni 2010, 14:34
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Nur 33 Firmen stellen 50 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben - Auswirkungen der Krise vor allem im Unternehmensbereich

Wien - Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) im österreichischen Unternehmenssektor sind auf wenige Firmen konzentriert. Das zeigt eine erstmals durchgeführte Erhebung im "Forschungs- und Technologiebericht 2010", der heute, Dienstag, den Ministerrat passiert hat. 2007 gab es insgesamt 2.521 forschungstreibende Unternehmen in Österreich, die in Summe 4,8 Mrd. Euro für F&E aufwendeten. Dabei entfielen 20 Prozent der F&E-Ausgaben auf nur vier Unternehmen, 33 Firmen stellten 50 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben.

Rein rechnerisch entfallen bei einer Gesamtzahl von 2.521 forschungstreibende Unternehmen und Forschungsausgaben von 4,8 Mrd. Euro im Durchschnitt 1,9 Mio. Euro auf jede Firma. Tatsächlich weisen nur 334 Unternehmen F&E-Ausgaben auf, die über diesem Durchschnitt liegen. Dagegen verzeichnen 751 Firmen F&E-Aufwendungen von weniger als 100.000 Euro. Diese fast 30 Prozent der forschungstreibenden Unternehmen sind damit in Summe für weniger als 0,7 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben verantwortlich. Dies sei kein spezifisch österreichisches Phänomen - auch auf Ebene der EU zeige sich diese starke Konzentration. Es zeige aber, wie groß der Einfluss der "big player" bei den Forschungsausgaben und allen davon abgeleiteten Indikatoren ist, heißt es in dem Bericht.

Auch nach Größe der Unternehmen betrachtet zeigt sich die Konzentration: Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern machen zwar nur 17 Prozent der forschenden Firmen aus, auf sie entfallen aber 71 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben. Der Anteil der öffentlichen Förderung ist hingegen bei den Kleinbetrieben mit 13 Prozent ihrer Forschungsausgaben deutlich höher als bei mittleren (8 Prozent) oder großen (4 Prozent).

Forschungsquote nicht erreicht

Dass Österreich das in den vergangenen zehn Jahren verfolgte Ziel, seine Forschungsausgaben bis 2010 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern, mit einer Forschungsquote von 2,76 Prozent im Jahr 2010 nicht erreicht hat, verschweigt der Forschungsbericht dezent. Lobend erwähnt wird allerdings, dass es Österreich auch während der Krisenjahre gelungen sei, die Forschungsquote auf 2,76 Prozent zu steigern (nach 2,68 Prozent im Jahr 2008 und 2,73 Prozent 2009). Mit einem Plus von 0,63 Prozentpunkten sei die Forschungsquote Österreichs zwischen 2000 und 2007 laut Bericht sogar so stark gewachsen wie in keinem anderen Land der Welt.

Vor allem der Unternehmenssektor sei in dieser Zeit besonders dynamisch gewesen: Die Zahl der forschenden Firmen stieg um 30 Prozent auf 2.521, die F&E-Ausgaben um 55 Prozent. Doch damit ist nun Schluss, diese Dynamik sei mit der Krise abrupt zu Ende gegangen, heißt es im Bericht. Vor allem im Krisenjahr 2009 sei es sogar zu einem Rückgang der F&E-Ausgaben des Unternehmenssektors gekommen. Die Aufwendungen hätten sich 2010 zwar konsolidiert, würden aber noch immer unter dem Niveau des Jahres 2008 liegen.

Einen besonders hohen Rückgang von minus 5,4 Prozent haben die aus dem Ausland finanzierten F&E-Aufwendungen hinnehmen müssen. Dies werde sich mit minus 0,6 Prozent auch 2010 fortsetzen. Der Rückgang sei auf die sinkende Finanzierung der F&E-Aktivitäten ihrer österreichischen Töchter durch multinationale Konzernunternehmen zurückzuführen, heißt es im Bericht.

Der Bund übernehme nun die Vorreiterrolle bei der Entwicklung der F&E-Finanzierung: Sein Anteil an der gesamten Forschungsfinanzierung sei zwischen 2007 und 2010 deutlich um sieben Prozentpunkte auf 35 Prozent gestiegen. Dadurch konnte der Rückgang der gesamten F&E-Ausgaben 2009 minimiert werden, heißt es im Bericht. (APA)

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