Mehr Menschen im Mai ohne Job

1. Juni 2010, 12:26
259 Postings

Leichter Anstieg von 0,4 Prozent - Hundstorfer sieht Stabilisierung des Arbeitsmarkts - 78.178 in Schulungen - Arbeitslosenrate bei 6,3 Prozent

Wien - Im Mai waren in Österreich 227.089 Menschen als arbeitslos registriert, das waren um 22.590 weniger als im April, aber auch um 12.688 (5,3 Prozent) weniger als im Mai 2009. Tatsächlich sind heute aber 1.293 mehr Menschen (+0,4 Prozent) ohne Arbeit als vor einem Jahr: Die 78.178 Schulungsteilnehmer (+13.981) gelten offiziell nicht als arbeitslos. Insgesamt sind also 305.267 Menschen auf Jobsuche. Diese Zahlen hat das Arbeitsministerium am Dienstag Vormittag veröffentlicht.

Die Arbeitslosenquote ist nach nationaler Berechnung von 6,9 Prozent im April auf nun 6,3 Prozent gesunken. Nach Eurostat-Berechnung waren im März - das ist der neueste verfügbare Monatswert - 4,9 Prozent arbeitslos. Für die EU-15 weist Eurostat eine Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent aus.

Hundstorfer sieht Stabilisierung

Sozialminister Rudolf Hundstorfer sprach in einer Aussendung von "stabilen Zahlen", für den SPÖ-Minister hält "die starke Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt an. Bereits in sechs Bundesländern - Burgenland, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Tirol, Vorarlberg - gibt es auch inklusive Schulungen sinkende Arbeitslosigkeit", so Hundstorfer.

Bei Männern fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit mit 8,8 Prozent deutlich stärker aus als bei Frauen (-0,7 Prozent). Bei Inländern sank die Arbeitslosigkeit um 5,6 Prozent, bei Ausländern um 4,1 Prozent. Insgesamt hatten von den 227.089 registrierten Arbeitslosen 42.783 keinen österreichischen Pass, das sind knapp 19 Prozent. Die Lehrstellen-Lücke hat sich leicht verkleinert, die Anzahl der Lehrstellensuchenden ist um 2,5 Prozent auf 4.276 gesunken. Ihnen standen 2.911 offene Lehrstellen gegenüber, das ergibt 1.365 fehlende Lehrstellen (-48).

Nach Branchen betrachtet hat sich die Arbeitslosigkeit sehr unterschiedlich entwickelt. Während sie in der Industrie im Mai mit 25.786 Arbeitslosen um 24,9 Prozent geringer war als vor einem Jahr und auch in den Bereichen Arbeitskräfteüberlassung (-16,8 Prozent), Bau (-4,5 Prozent) und Handel (-1,8 Prozent) zurückging, ist sie im Gesundheits- und Sozialwesen um mehr als ein Zehntel auf 13.319 Arbeitslose gestiegen. Erklärbar sei das dadurch, dass boomende Branchen verstärkt Arbeitskräfte anziehen und aus schrumpfenden Branchen (Industrie) Arbeitskräfte abwandern, heißt es aus dem Arbeitsministerium. Da bei neuen Beschäftigungsverhältnissen die Wahrscheinlichkeit einer Auflösung des Dienstverhältnisses höher sei als bei lange bestehenden Dienstverhältnissen, wirke sich das auch auf die Arbeitslosenzahlen nach Branchen aus.

Mehr offene Stellen, weniger Kurzarbeiter

Hundstorfer zeigte sich sehr erfreut darüber, dass mit plus 19 Prozent im Mai deutlich mehr offene Stellen (33.115) als im Vorjahr zur Verfügung standen. "So viele offene Stellen hat es seit Beginn der Wirtschaftskrise im Oktober 2008 nicht mehr gegeben", unterstrich der Minister. Zudem steige die Aktivbeschäftigung laut Prognose des Sozialministeriums mit plus 28.000 stark an. "Dadurch erhöhen sich gerade auch für junge Menschen die Chancen auf einen erfolgreichen Arbeitsmarkteintritt", so Hundstorfer, der auch darauf verwies, dass die Jugendarbeitslosigkeit im Mai um 10,7 Prozent gesunken sei.

Die Zahl der Kurzarbeiter sei zudem gegenüber dem Vorjahr um 44.323 auf 12.303 gesunken und auch gegenüber Anfang Mai rückläufig, so der Minister weiter. "Die Kurzarbeit hat sich als ausgezeichnetes Kriseninstrument bewährt, tausende Arbeitsplätze konnten nachhaltig gesichert werden."

Mit Hilfe der Qualifizierungsmaßnahmen des AMS und Instrumenten wie der Kurzarbeit sei es gelungen, "die Auswirkungen der Krise gering zu halten", so Hundstorfer. Jetzt gehe es darum, bestehende Maßnahmen zu optimieren. "Das Sozialministerium und das AMS haben daher ein Effizienzprojekt gestartet, dessen Ziel es ist, im Sinne zusätzlicher Effizienzgewinne die Qualität der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen weiter zu verbessern und den Mitteleinsatz treffsicher zu gestalten."

Pröll: "Von den Schulungen wegkommen"

Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) sagte nach dem dienstägigen Ministerrat, dass Österreich mit einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent in Europa unter den besten drei, wenn nicht sogar auf Platz 2 sei (April-Daten zu EU und Eurozone siehe Artikel). Man müsse aber von den Schulungen wegkommen, betonte der Finanzminister.

Für den FPÖ-Abgeordneten Herbert Kickl nimmt hingegen "das Verfälschen der Arbeitslosenstatistik immer dreistere Formen an". Sozialminister Hundstorfer wirft der freiheitliche Arbeitnehmersprecher "massive Realitätsverweigerung" vor. "Endgültig absurd wird es, wenn man den Umstand bedenkt, dass Hundstorfer nichtsdestotrotz in seiner heutigen Aussendung die AMS-Kurse neuerlich in den Himmel lobt. Weil sowohl dem Minister als auch den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP nichts weiter zum Thema aktive Arbeitsmarktpolitik einfällt, werden weiterhin Arbeitslose einfach in Schulungen geparkt. Diese Menschen haben aber größtenteils ebenso wenig eine Perspektive wie die offiziell Arbeitslosen", kritisiert Kickl in einer Aussendung.

Nach Ansicht der Arbeitnehmer-Sprecherin der Grünen, Birgit Schatz, wäre es "kurzsichtig", jetzt bei den Bildungsmaßnahmen für Arbeitsuchende zu sparen. "Dass Hundstorfer die Bildungsmaßnahmen mit dem Verweis auf sinnlose Bewerbungstrainings kürzt, ist eine schräge Argumentation. Sicher braucht niemand diese eigenartigen Trainings, aber was sehr wohl
notwendig ist, sind fundierte Weiterbildungsmaßnahmen." 40 Prozent der Arbeitslosen haben nur einen Pflichtschulabschluss und wechseln - unterbrochen von immer wieder kehrender Arbeitslosigkeit - häufig die Arbeit. "Wenn jemand mit der Eingliederungsbeihilfe eine Stelle bekommt, besteht die große Gefahr, den Job bald schon wieder zu verlieren und wieder am Ausgangspunkt zu landen. Nur eine Fachqualifikation kann mittelfristig zu einem stabileren Erwerbsverlauf führen", so Schatz.

Trübe Lage in Wien

Die Lage in Wien hat sich nach Ansicht des Wiener AMS "weiter eingetrübt". In der Bundeshauptstadt stieg die Zahl der Arbeitslosen um 2,2 Prozent oder um 1.476 Personen auf 69.549 Betroffene. Gegenüber April bedeute dies aber immerhin einen Rückgang um knapp 2.700 Personen. Auffällig sei hier eine klare Schieflage nach Geschlechtern, so das AMS: Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betraf zur Gänze die Frauen, die um 5,8 Prozent oder 1.563 mehr Arbeitslose (insgesamt 28.505) verzeichneten. Bei Männern sank die Arbeitslosigkeit hingegen um 0,2 Prozent oder 87 Personen auf insgesamt 41.044 Personen.

BZÖ-Wirtschaftssprecher Robert Lugar macht für die deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit in Wien die SPÖ und Bürgermeister Häupl verantwortlich. "Dass gerade jetzt Sozialminister Hundstorfer die AMS-Kurse um 100 Millionen Euro kürzt, könnte dem Arbeitsmarkt in der Bundeshauptstadt endgültig den Todesstoß versetzen", warnt Lugar.  (red/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.