Voestalpine mit herbem Gewinneinbruch

1. Juni 2010, 13:44
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Der Jahresüberschuss ging um satte 70 Prozent zurück, beim Umsatz büßte der Stahlkonzern 27 Prozent ein - Eder rechnet mit anhaltendem Aufwärtstrend

Wien - Der börsenotierte Stahlkonzern voestalpine hat 2009/10 das "schwierigste Geschäftsjahr seit dem Zweiten Weltkrieg" mit deutlichen Gewinneinbußen gegenüber dem Jahr davor abgeschlossen. Infolge der Wirtschaftskrise verringerte sich der Jahresüberschuss um rund 70 Prozent auf 186,8 Mio. Euro. Unter Berücksichtigung von Minderheitsanteilen und Hybridkapitalzinsen gab der Nettogewinn gegenüber dem Jahr davor von 529,84 auf 108,41 Mio. Euro wesentlich deutlicher nach. Der Umsatz verringerte sich um 27,1 Prozent auf 8,55 Mrd. Euro. "Im internationalen Umfeld haben wir uns gut geschlagen - wir sind in allen Ergebnisbereichen deutlich positiv", betonte Konzernchef Wolfgang Eder am Dienstag.

Erholung erwartet

Für das laufende Jahr ist der Konzernchef vorsichtig optimistisch, er erwartet einen weiteren Schritt in Richtung Erholung. "Wir sehen durchaus eine Fortsetzung des weltweiten Aufwärtstrends - trotz der Euro-Entwicklung und der Staatsverschuldung in Europa", so Eder. Die Schwellenländer in Asien und Südamerika sollten 2010 die Treiber dieses Wachstums bleiben. Die zweite Jahreshälfte sei noch schwer abzusehen, doch die erste gebe Anlass zu Zuversicht. "Wir sehen grosso modo eine positive Entwicklung über die nächsten 24 Monate."

Die Aufwärtsentwicklung war bereits in den vergangenen Monaten spürbar. Im vierten Quartal 2009/10 etwa verfünffachte sich der operative Gewinn der Voest auf 176,8 Mio. Euro, die EBIT-Marge lag wieder bei 8 Prozent. "Wir sind in die tiefsten Täler gestürzt, aber der Wiederaufstieg ist auch wieder gelungen", so Eder. Im Gesamtjahr ging das EBIT krisenbedingt noch um 64,4 Prozent auf 352 Mio. Euro zurück. Die EBIT-Marge halbierte sich von 8,4 auf 4,1 Prozent. Das Ergebnis je Aktie verschlechterte sich von 3,26 auf 0,65 Euro.

Dividende wird gekürzt

Für das abgelaufene Geschäftsjahr will die voestalpine die Dividende gegenüber dem Jahr davor von 1,05 auf 0,50 Euro kürzen, da sie nicht aus den Reserven, sondern aus dem Jahresgewinn bezahlt werde. "Wir wollen mit der Ausschüttung nicht an die Substanz gehen", erklärte der Konzernchef. Die Dividendenrendite liegt bei 2,2 Prozent.

Der Konzern stieg 2009/10 massiv auf die Kostenbremse - der Personalstand wurde um 6 Prozent auf 39.406 Arbeitnehmer (ohne Lehrlinge) gekürzt, seit Beginn der Krise im September 2008 wurden somit insgesamt 12 Prozent der Belegschaft eingespart. Die Kurzarbeit, die im Juni 2009 mit fast einem Drittel der Konzernbelegschaft ihren Höchststand erreicht hatte, ist mittlerweile nahezu zur Gänze wieder ausgelaufen. In Österreich arbeitet laut Eder niemand mehr kurz. Das Management denkt nun wieder an eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl - allerdings überwiegend Leiharbeiter.

"Schrecksekunde"

Die Investitionen wurden im Zuge des "raschen Liquiditäts- und Kostenmanagements" nach Ausbruch der Krise auf 542,5 Mio. Euro halbiert. "Nach einer Schrecksekunde haben wir die Kosten optimiert", so Eder. Das Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung in Prozent des Eigenkapitals) verbesserte sich im Krisenjahr deutlich von 88,2 auf 71,3 Prozent. Im härtesten Krisenjahr wies die Voest ertsmals einen freien Cash-Flow von über 1 Mrd. Euro aus. Damit wurde die Nettoverschuldung um mehr als 700 Mio. Euro auf 3,037 Mrd. Euro abgebaut. Das Eigenkapital war bei 4,262 Mrd. Euro stabil. Bis 2012/13 will der Konzern 600 Mio. Euro einsparen - den größten Einzelbrocken von mindestens 350 Mio. Euro in der Division Stahl, 150 Mio. Euro in der Edelstahlsparte.

Raidl verlässt Vorstand Ende 2010

 

Vorstand Claus Raidl zieht sich Ende des Jahres plangemäß aus dem Konzern zurück. "Ich bin dann 68 und war 28 Jahre lang mit der voestalpine verbunden, seit 1982 war ich im Aufsichtsrat", erklärte der Chef der Edelstahl-Sparte (Böhler-Uddeholm) heute, Dienstag, vor Journalisten. Sein Vertrag bei der Nationalbank, wo Raidl Präsident ist, läuft noch bis 2013. Raidls Nachfolge bei der Voest tritt Dipl.-Ing. Franz Rotter (53) per 1. Jänner 2011 an, beschloss der Aufsichtsrat Anfang der Woche. Der Steirer ist seit Jänner 2007 Mitglied des Vorstandes der Böhler-Uddeholm AG.

Rotter hatte erst heuer im Februar bei Böhler-Uddeholm den Bereich High Performance Metals (Produktion) übernommen und die Verantwortungsbereiche Welding Consumables und Precision Strip abgegeben. Der Absolvent der Montanuniversität Leoben war schon 1981 erstmalig in der Voest als Konstrukteur in Zeltweg tätig und zwischenzeitig auch Vorstand der Iso-Holding AG, Vorstandschef bei der ATB Antriebstechnik, Geschäftsführer bei der Aluminium Ranshofen Walzwerk Ges.m.b.H., später Sprecher der Geschäftsführung der AMAG rolling GmbH, Vorstandsmitglied bei der Austria Metall AG und in weiterer Folge deren COO (Chief Operating Officer).

Mit der Neubesetzung besteht der Konzernvorstand der voestalpine AG auch nach dem Übertritt von Raidl in den Ruhestand weiterhin aus sechs Personen. Der Vorstand der Division Edelstahl wird ab dem Jahreswechsel nur noch aus drei Personen bestehen - neben Rotter gehören ihm dann Mag. Horst Königslehner (CFO) und Dipl.-Ing. Fr. Karl Haider (Vertrieb) an. (APA)

  • Im abgelaufenen Geschäftsjahr verringerte sich der operative Gewinn um fast 65 Prozent.
    foto: voestalpine

    Im abgelaufenen Geschäftsjahr verringerte sich der operative Gewinn um fast 65 Prozent.

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