Starb 98-jährig an Herzinfarkt - Galt als teuerste Künstlerin der Gegenwart - Hohe Auszeichnungen in Österreich
New York - Die französisch-amerikanischen Künstlerin
Louise Bourgeois ist am Montag im Alter vom 98 in New York gestorben.
Sie erlag einem Herzinfarkt. Das teilte ihre Agentin Wendy Williams
der Nachrichtenagentur dpa mit.
Bourgeois galt als teuerste Künstlerin der Gegenwart. Vor zwei
Jahren erzielte ihre Skulptur "Spider" bei einer Christie's-Auktion
in Paris den Rekordpreis von 4,5 Millionen Dollar. Die 1911 in Paris
geborene Künstlerin begann als Zeichnerin und Bildhauerin und setzte
sich schon früh mit Installationen auseinander. Seit 1938 lebte und
arbeitete sie in New York.
Bourgeois war auch Ehrenmitglied der Akademie der bildenden
Künste
Wien, wobei sie die bisher einzige Künstlerin war, der diese Ehre
zuteil wurde. Sie war auch Trägerin des Österreichischen
Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Es handelt sich um die
höchste Auszeichnung der Republik Österreich auf diesem Gebiet, die
maximal 36 Österreicher und 36 Ausländer (jeweils zur Hälfte
Künstlern und Wissenschaftlern) gleichzeitig besitzen dürfen.
Riesige Bronzespinnen
Weltbekannt sind vor allem die riesigen Bronze-Spinnen von
Bourgeois, unter denen Menschen wie kleine Insekten wirken. Die
gebürtige Pariserin galt als Grande Dame der
Gegenwartskunst. Ihr Werk ist in zahlreichen großen Museen vertreten,
darunter im New Yorker Museum of Modern Art, im Centre Pompidou in
Paris, in der Londoner Tate Gallery und im Museum Ludwig in Köln.
1993 bestückte Bourgeois den amerikanischen Pavillon auf der Biennale
in Venedig, 1999 wurde sie als Teilnehmerin dieser Kunstschau mit dem
Goldenen Löwen ausgezeichnet. Frankreich hatte sie 1938 für ihren
Ehemann Robert Goldwater, einen Kurator am Museum of Modern Art,
verlassen.
Louise Bourgeois galt zeitlebens als eine Künstlerin mit großen
Selbstzweifeln - in Bezug auf ihre Rolle als Tochter, später als
Ehefrau, Mutter und Künstlerin. "Ich habe Angst vor allem, einfach
vor allem", sagte sie einmal. Die Sorge, Anforderungen der Familie
nicht gerecht zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch das
Werk der Künstlerin. In der Kunsthalle Wien war vor fünf Jahren eine
Schau zum Spätwerk der damals 94-Jährigen zu sehen. "Ich bin eine
einsame Läufern. Aber eine Langstreckenläuferin", lautete eines der
Zitate im Eingangsbereich der Ausstellung mit dem Titel "Aller -
Retour". Dabei wurde auch eine von Bourgeois' berühmten Spinnen
gezeigt
Zu den frühen Motiven der Bildhauerin gehört der nackte
weibliche
Körper, dem ein Haus auf den Kopf gestülpt ist. Zehn Jahre lang, von
1945 bis 1955, befasste sich die dreifache Mutter immer wieder mit
der "Femme Maison", deren Zuhause gleichzeitig ein Gefängnis ist.
"Die kopflose nackte Frau ist gleichermaßen eingesperrt und
schutzlos", sagte einst Bielefelds Museumsdirektor Thomas Kellein.
Persönliche Enttäuschungen und tiefer Schmerz spiegeln sich in
den
Installationen der Grande Dame der Bildhauerei ebenso wie Hass und
Wut. "The reticent child" (Das verschlossene Kind) nannte sie im Jahr
2003 eine Anordnung von vier weiblichen und zwei kindlichen Figuren,
zwischen denen es keine Annäherung gibt. Louise Bourgeois
verarbeitet darin die Trauer über das Verhältnis zu ihrem Sohn Alain,
einem Buben, der die Liebe seiner Mutter nicht erwidern konnte. "Es
ist schwer, ein Künstler zu sein und die Tür zu den Träumen
verschlossen zu halten", schrieb die am Anfang ihrer Karriere in den
Kreisen der Surrealisten lebende Bourgeois.
Von drastischer Kompromisslosigkeit ist das 1974 entstandene
altarähnliche Werk "Destruction of the father" (Zerstörung des
Vaters). Mehr als 20 Jahre nach dem Tod ihres dominanten Vaters
richtete - und ehrte - Louise Bourgeois den Mann mit einem
kannibalistischen Mahl, das in rotes Licht getaucht ist. Aus
Stoff-Fetzen genähte lebensgroße Puppen von Bourgeois - mit meist
üppigen Brüsten, Stummelarmen und unübersehbarem weiblichen Genital -
betonen die Opferrolle der Frau, und unterstreichen einmal mehr den
Ruf der gebürtigen Pariserin als radikal-feministische Künstlerin. (APA/dpa)