"Ein herber Rückschlag für die Grünen"

31. Mai 2010, 19:21
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Offiziell beschuldigen Ökos SPÖ für Debakel, intern regt sich Kritik am eigenen Kurs

Wien - "Wir sind fassungslos. Es fehlt uns jede Vision": Angesichts des Wahldebakels im Burgenland - nach Kärnten muss die Partei zum zweiten Mal auf die Briefwähler hoffen, um den Einzug in einen Landtag zu schaffen - macht ein Grüner seinem Ärger über die Führungsriege in Wien Luft. So viele Themen - "der Ölteppich, die Wirtschaftskrise" - lägen für die Ökos derzeit quasi auf der Straße. Und was machen Eva Glawischnig und Co? "Wollen das Rauchen in Lokalen und auch gleich die Schanigärten verbieten", ätzt der Funktionär. Nachsatz: "Vielleicht möchten wir als Nächstes auch noch den Sex abschaffen!"

"Größere Ohrfeige als angenommen"

Offiziell versuchen die Grünen die Schuld an ihren mickrigen 3,96 Prozent vom Sonntag jedenfalls der SPÖ umzuhängen. Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) habe "die Populismus-Keule ausgepackt", erklärte eine "enttäuschte" Chefin Glawischnig noch am Wahlabend. Und deswegen hätte das Team rund um Spitzenkandidat Michel Reimon (im Bild links) Schwierigkeiten mit "Überzeugungsthemen" gehabt. Hinter den Kulissen ist die Spitze außerdem bemüht, sich das pannonische Desaster mit dem unbekannten Frontman und den Unstimmigkeiten vor dessen Bestellung zu erklären, die Probleme seien hausgemacht, hätten nichts mit dem grünen Allgemein-Zustand zu tun.

Der Politikberater Thomas Hofer spricht allerdings von "einem herben Rückschlag" für die Bundespartei, "einer größeren Ohrfeige, als anzunehmen war", denn: "Gerade wegen des populistischen Kurses der SPÖ im Burgenland hätten ja links Stimmen frei werden können - und das ist von Grün kaum genützt worden."

Bundespartei verlässt sich auf "Kaliber"

Im Bund tröstet man sich damit, dass bei den anstehenden Wahlen in der Steiermark und in Wien mit Werner Kogler und Maria Vassilakou zwei sehr bekannte Gesichter der Grünen antreten. "Hätten wir im Burgenland ein Kaliber wie Peter Pilz gehabt, wäre uns das nicht passiert", glaubt ein Insider.

Doch auch Wiens Stadt-Ökos haben seit Monaten keine großen Themen mehr gesetzt. Da es in der derzeit noch absolut roten Bundeshauptstadt bis zum Urnengang vor allem zum Zweikampf zwischen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache kommt, werden die Grünen also auch hier Probleme haben, daneben nicht unterzugehen. Es sei derzeit eben schwer, Erfolgsthemen "in die Urne zu kriegen", gab der nichtamtsführende Stadtrat David Ellensohn jetzt schon zu. (nw, fern/DER STANDARD-Printausgabe, 1.6.2010)

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